03.07.2020 04:53

Quarantäne und RückerstattungDas musst du wissen, wenn du jetzt in die Ferien reist

Der Bundesrat führt neu eine 10-tägige Quarantäne für Reisende aus Risikoländern ein. Was das bedeutet und ob sich die Sommerferien noch kurzfristig stornieren lassen im Überblick.

von
Fabian Pöschl, Barbara Scherer
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Die Grenzen von vielen Ländern sind wieder offen. In den Ferien gilt es aber wegen der Corona-Krise einiges zu beachten.

Die Grenzen von vielen Ländern sind wieder offen. In den Ferien gilt es aber wegen der Corona-Krise einiges zu beachten.

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Ab Montag, 6. Juli, müssen sich Reisende aus Risikoländern 10 Tage in Quarantäne begeben.

Ab Montag, 6. Juli, müssen sich Reisende aus Risikoländern 10 Tage in Quarantäne begeben.

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Personen werden bei der Einreise in die Schweiz am Grenzübergang informiert, dass sie sich in Quarantäne begeben müssen.

Personen werden bei der Einreise in die Schweiz am Grenzübergang informiert, dass sie sich in Quarantäne begeben müssen.

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Darum gehts

  • Die meisten Grenzen sind wieder offen und die Corona-Fälle steigen in der Schweiz wieder.
  • Darum hat der Bundesrat die Bestimmungen für Reiserückkehrer verschärft.
  • Neu gibt es eine 10-Tage-Quarantäne für Reisende aus Risikoländern.
  • Trotzdem darf der Arbeitgeber die Wahl der Feriendestination nicht bestimmen.

Seit Mitte Juni sind die meisten Grenzen wieder offen. Bei vielen Schweizern ist das Reisefieber ausgebrochen. Doch das hat dazu geführt, dass die Corona-Fälle in der Schweiz wieder steigen: Mehrere Reisende haben das Coronavirus aus dem Ausland in die Schweiz zurückgebracht. Darum hat der Bundesrat nun die Bestimmungen für Reiserückkehrer verschärft. Was das jetzt für deine Ferien bedeutet und was du beachten musst:

Kann ich meine Ferien stornieren?

Ja. Kunden haben gute Chancen für eine Stornierung, etwa wenn das Land die Einreise verunmöglicht oder beispielsweise eine Quarantäne von 14 Tagen verlangt, wie der Reise-Ombudsmann Franco Muff zu 20 Minuten sagt. Bei einer Stornierung seien Reisebüros und Onlineportale verpflichtet, das Geld zurückzuzahlen. Allerdings nur bei Pauschalreisen (Flug und Hotel).

Wie viel kostet das?

Die Anbieter können eine Bearbeitungsgebühr verlangen, die allerdings «im Rahmen» bleiben muss, so Ombudsmann Muff. Zudem gebe es keine Rückerstattung für bestimmte Gebühren und Reiseversicherungen. Reisebüros und Onlineportale zahlen das Geld zurück, sobald sie es von den Fluggesellschaften oder Hotels erhalten haben, versichert Max Katz. Der Präsident des Schweizerischen Reise-Verbands (SRV) weist allerdings darauf hin, dass sich die Rückzahlungen für Flüge verspäten. Trotzdem zahlten gewisse Reiseveranstalter den gesamten Betrag zurück und finanzierten so die Fluggesellschaften zwischenzeitlich. Swiss-Sprecher Michael Stief begründet die Verspätung der Rückerstattung mit der «sehr hohen Nachfrage». Wer direkt bei der Swiss gebucht hat, muss für die Rückerstattung eines stornierten Fluges ein entsprechendes Formular ausfüllen.

Kann ich Ferien abbrechen, wenn ich Angst vor einer Erkrankung habe?

Ja, die Swiss hat etwa ihre Economy- und Business-Flex-Tarife auf europäischen Strecken mit der Bring-me-home-now-Option erweitert. Damit erhalten die Fluggäste die Garantie, kostenlos auf den nächsten buchbaren Flug der Lufthansa-Gruppe in die Schweiz, nach Deutschland oder Österreich zurückgebracht zu werden, wie Swiss-Sprecher Stief sagt. Umbuchungsgebühren oder eine Tarifdifferenz gebe es nicht. Anspruch auf die Rückerstattung der nicht genutzten Hotelübernachtung hat man bei einem Ferienabbruch aus Angst allerdings nicht, wie der Reise-Ombudsmann sagt.

Wann muss ich in Quarantäne?

Ab Montag, 6. Juli, müssen sich Reisende aus Risikoländern 10 Tage in Quarantäne begeben. Zu den Risikoländern zählen insgesamt 29 Staaten. Darunter Schweden, Serbien, Kosovo und Nordmazedonien sowie die USA, Russland, Brasilien, Argentinien und zahlreichen Golfstaaten. Personen werden bei der Einreise in die Schweiz am Grenzübergang informiert, dass sie in Quarantäne müssen. Sie müssen sich spätestens nach zwei Tagen bei den Kantonsbehörden melden und dann für 10 Tage in Quarantäne. Damit will der Bundesrat einer erneuten Einschleppung des Virus aus dem Ausland Einhalt gebieten.

Muss ich Ferientage für die Quarantäne hergeben?

«Nein, grundsätzlich nicht. Falls der Mitarbeiter im Homeoffice arbeiten kann, ist dies ohnehin kein Thema. Falls Homeoffice nicht möglich ist, besteht während dieser Zeit das Arbeitsverhältnis zwar weiter, der Mitarbeiter erhält aber grundsätzlich keinen Lohn», erklärt Michèle Stutz, Arbeitsrechtexpertin des Beratungsunternehmens MME Legal Tax Compliance. Doch ein Arbeitnehmer könne nicht dazu gezwungen werden, seine Ferientage für die Quarantäne herzugeben. «Denn in dieser Situation wäre wohl kein Erholungszweck gegeben und auch die Ankündigungsfrist für die Ferien wäre zu kurz.»

Bekomme ich Lohn in der Quarantäne?

Kann Homeoffice in der Quarantäne geleistet werden, ja. Geht das nicht, ist die Situation nicht ganz klar: Laut der Arbeitsrechtexpertin Stutz dürfte der Lohn aber wegfallen. Denn die betroffene Person ist auf eigene Verantwortung in eines der Risikoländer gereist. «Für Geschäftsreisen gilt das natürlich nicht», sagt Stutz. In diesem Fall müsse der Arbeitgeber den Lohn auch in der Quarantäne bezahlen – selbst wenn kein Homeoffice möglich ist. «Ein Anspruch auf Erwerbslosenersatz besteht bei einer Quarantäne nach einer Rückkehr aus einem Risikoland nicht», so Stutz.

Kann mein Arbeitgeber mir Ferien in Risikoländern verbieten?

Der Arbeitgeber darf laut Expertin die Wahl der Feriendestination nicht bestimmen. «Steht ein wichtiger Event bevor, und es ist klar, dass der Arbeitnehmer dann nicht zur Arbeit erscheinen kann wegen der Quarantäne, könnte das Probleme geben», sagt Stutz. Darauf könne der Arbeitgeber hinweisen. Nimmt der Arbeitnehmer keine Rücksicht, könnte er damit seinen Job riskieren.

Was passiert, wenn ich im Ausland in die Quarantäne muss?

Es könnte auch passieren, dass Schweizer im Ausland unter Quarantäne gestellt werden. Das müssen Reisende vor ihren Ferien unbedingt abklären. Sonst verschwenden Reisende freiwillig ihre Ferien: «Falls die Quarantäne während der Ferien unverhofft kommt, ist wohl der Ferienzweck je nachdem vereitelt und die Ferientage müssen für diese Zeit nicht abgebucht werden», sagt Arbeitsrechtsexpertin Stutz. Allerdings erhalten Betroffene in der Zeit auch keinen Lohn.

Ferienpläne

Schweizer reisen auf Inseln

Statt wie geplant in die Schweizer Berge zu fahren, ändern viele Schweizer kurzfristig ihre Ferienpläne und reisen ans Meer. Grund dafür sind die attraktiven Preise: Im Moment kosten Strandferien für eine vierköpfige Familie inklusive Flug und Mahlzeiten zwischen 2000 und 3000 Franken. Für den gleichen Preis gibt es in den Schweizer Bergen meist nur die Übernachtung. Besonders beliebt sind die Inseln Kreta, Rhodos und Zypern. Denn alle drei Inseln wurden weitgehend von der Corona-Pandemie verschont.

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54 Kommentare
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FeriennurimAusland

03.07.2020, 08:42

Hab da noch was, einfach nicht hier Ferien machen, Preis/ Leistung stimmen nicht.

Ami

03.07.2020, 08:36

Wir haben schon im Januar Urlaub in Holland auf dem Campingplatz gebucht.Den treten wir nun, wenn auch mit gemischten Gefühlen, in zwei Wochen an. Danach fahren wir für eine Woche zu unseren Familien nach Ostfriesland.

Denker

03.07.2020, 08:32

Kaum hat der Bund alle aus der Ferne zurückgeflogen und es einige Lockerungen gibt, geben die CH Bewohner wieder gas. Clubs und Bars sowie die Grenzen für Ferien/Verwandten- Reisen und Einkaufen müssen geschlossen bleiben. Ich dachte der Mensch habe die Fähigkeit zu denken.