Thema im Bundesrat: Das musst du über einen allfälligen Kurz-Lockdown wissen
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Thema im BundesratDas musst du über einen allfälligen Kurz-Lockdown wissen

Die zweite Corona-Welle rollt über die Schweiz. Die Angst vor einem Zusammenbruch des Gesundheitssystems geht wieder um. Daher will der Bund über einen Mini-Lockdown diskutieren. Wie sieht dieser aus? Und was soll er bringen?

von
Dominic Benz
Barbara Scherer
Fabian Pöschl
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Am Mittwoch berät der Bundesrat über einen Kurz-Lockdown in der Schweiz.

Am Mittwoch berät der Bundesrat über einen Kurz-Lockdown in der Schweiz.

Keystone
Dies, nachdem die Infektionszahlen in den letzten Tagen und Wochen massiv angestiegen sind.

Dies, nachdem die Infektionszahlen in den letzten Tagen und Wochen massiv angestiegen sind.

Keystone
Am Sonntag hatten Alain Berset und Simonetta Sommaruga noch betont, es gelte einen zweiten Lockdown um jeden Preis zu verhindern.

Am Sonntag hatten Alain Berset und Simonetta Sommaruga noch betont, es gelte einen zweiten Lockdown um jeden Preis zu verhindern.

Keystone

Darum gehts

  • Mit sogenannten Circuit-Breaker-Lockdowns sollen die Corona-Infektionen schnellstmöglich gesenkt werden.

  • Dabei handelt es sich um kurze, strenge Lockdowns.

  • Als Beispiel für einen Mini-Lockdown gilt Wales.

  • Was die wirtschaftlichen Folgen davon sind, hängt laut Experten davon ab, welche Region in den Lockdown geht.

Die Corona-Infektionen steigen in der Schweiz steil an. Bund, Ärzte und Experten warnen: Das Gesundheitssystem könnte schon in wenigen Tagen an den Anschlag kommen, sollten die Spitäler mit Intensivfällen überrollt werden. Um die Ansteckungen zu senken, soll in der Bundesratssitzung vom Mittwoch über einen Kurz-Lockdown diskutiert werden. Die wichtigsten Fragen:

Wieso redet die CH plötzlich über einen Kurz-Lockdown?

Weil die zweite Corona-Welle in der Schweiz aus dem Ruder zu laufen scheint, zog der Bund die Handbremse. Seit Anfang Woche gelten zwar schweizweit neue Massnahmen (siehe Box). Doch für Epidemiologen gehen diese zu wenig weit. Daher müsse man mit drastischen Mitteln die Ansteckungsketten unterbrechen. Wie an einer Medienkonferenz Stefan Kuster vom BAG sagte, wird daher unter anderem auch ein Kurz-Lockdown geprüft. Laut Medienberichten soll schon am Mittwoch der Bundesrat vier Szenarien diskutieren. Eines der Szenarien, das strengste der vier, soll dabei ein Kurz-Lockdown sein.

Was soll ein solcher bringen?

Am Dienstag meldete das Bundesamt für Gesundheit (BAG) rund 3000 neue Ansteckungen innert 24 Stunden. Das ist eine Verdoppelung in einer Woche. Ob Homeoffice, Maskenpflicht und Versammlungsverbote die Zahlen deutlich senken können, wird von vielen Experten bezweifelt. Es bestehe weiterhin die Gefahr, dass die Ansteckungen unkontrolliert explodierten. Ein Kurz-Lockdown für rund zwei Wochen soll die Zahlen schnellstmöglich runterbringen, man spricht von einem Circuit Breaker. Das ist insofern wichtig, weil mit den Infektionszahlen auch die Auslastung der Spitäler steigt. Oberstes Ziel der Behörden ist es, einen Zusammenbruch des Gesundheitssystems zu verhindern.

Wie soll ein Kurz-Lockdown aussehen?

Das ist unklar. Britische Forscher schlugen den Kurz-Lockdown vor und empfehlen dabei, von strengen und vor allem kurzfristig erfolgenden Massnahmen abzusehen, weil dies die Wirtschaft zu sehr schädige und die Menschen zu sehr einschränke. Stattdessen sollen die Massnahmen vorausschauend eingeleitet werden. Wales will den ersten Kurz-Lockdown in Europa verhängen, und zwar einen äusserst drastischen: In dem Landesteil im Westen Grossbritanniens müssen ab Freitag Bars, Restaurants, Hotels und alle nicht wesentlichen Läden für zwei Wochen schliessen, wie BBC schreibt. Treffen mit Menschen, die nicht im gleichen Haushalt leben, sind in dieser Zeit verboten. Zudem dürfen nur gewisse Schulstufen vor Ort in den Unterricht. Bereits im Juni musste die englische Stadt Leicester in einen lokalen Lockdown. Bis heute sind in der Stadt Menschenansammlungen verboten.

Gibt es schon Erfahrungen mit einem solchen Vorgehen?

Nein, einen Kurz-Lockdown gab es noch nicht. «Im Moment gibt es Länder, die sich das überlegen», erklärte Stefan Kuster vom BAG. Man habe aber noch nicht genügend Erfahrung, wie gut diese wirken. Für Schweizer Epidemiologen wäre ein Kurz-Lockdown lediglich eine Notlösung .

Was wären die wirtschaftlichen Konsequenzen?

Auch ein kurzer Lockdown hat wirtschaftliche Konsequenzen. «Allerdings hängt es davon ab, welche Region in den Lockdown muss», erklärt Anastassios Frangulidis, Chefstratege von Pictet Asset Management. Würden Zürich oder Genf in einen Mini-Lockdown gehen, wären die wirtschaftlichen Folgen für die Schweiz grösser, als wenn Schwyz oder Glarus betroffen wären. «Denn Bevölkerungsstarke Kantone generieren auch mehr Wertschöpfung und haben darum mehr Einfluss auf die Schweizer Wirtschaft», so Frangulidis. Wichtig sei auch die Länge des Lockdown – umso kürzer der Lockdown, umso weniger gross die Konsequenzen. «Zwei Wochen wären eine absehbare Zeit, das würde das Ganze planbar machen, und die Auswirkungen auf die Wirtschaft wären sicher weniger prekär», erklärt Frangulidis.

Das sind die aktuellen Massnahmen in der Schweiz

Der Bundesrat hat am Sonntag neue Regeln zur Eindämmung des Coronavirus bekannt gegeben. Ab Montag, 19. Oktober, sind spontane Menschenansammlungen von mehr als 15 Personen verboten. Die Maskenpflicht gilt neu in allen Bahnhöfen, Flughäfen und an Bus- und Tramhaltestellen. In Restaurants, Bars und Clubs darf nur noch im Sitzen konsumiert werden. Diese Sitz-Konsumationspflicht gilt auch an privaten Veranstaltungen. Homeoffice wird zudem wieder empfohlen.

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