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Märchen-Smith gegen Superstar BradyDer beinahe Beinamputierte trifft auf die nimmermüde Legende

Am Wildcard-Weekend kommt es in der NFL zu spannenden Begegnungen. Speziell sticht die Partie Washington Football Team gegen Tampa Bay Buccaneers heraus.

von
Adrian Hunziker
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Alex Smith, Quarterback des Washington Football Teams, hat in dieser Saison ein märchenhaftes Comeback hingelegt. 

Alex Smith, Quarterback des Washington Football Teams, hat in dieser Saison ein märchenhaftes Comeback hingelegt.

Bild: AFP
Nach 693 Tagen Verletzungspause, in der er beinahe sein Bein und sein Leben verlor, kehrte er in dieser Saison zurück. Seine Frau Elizabeth machte aus seiner Bein-Schiene eine Trophäe.

Nach 693 Tagen Verletzungspause, in der er beinahe sein Bein und sein Leben verlor, kehrte er in dieser Saison zurück. Seine Frau Elizabeth machte aus seiner Bein-Schiene eine Trophäe.

Bild: Instagram
Smith trifft mit Washington im Wildcardgame auf die Tampa Bay Buccaneers um Starquarterback Tom Brady. 

Smith trifft mit Washington im Wildcardgame auf die Tampa Bay Buccaneers um Starquarterback Tom Brady.

Getty Images

Darum gehts

  • In der NFL beginnt am Wochenende das Playoff.

  • Zwölf Teams sind in den Wildcardgames involviert, die besten zwei der Liga haben spielfrei.

  • Quarterback Alex Smith schrieb eine wundersame Comeback-Geschichte.

  • Und die Cleveland Browns sind zum ersten Mal seit 18 Jahren wieder in der K.o-Runde.

Hier ein wundersames Comeback, da eine Legende, die auch an neuer Stätte überzeugt, dort ein Team, das zum ersten Mal seit 18 Jahren wieder im Playoff mittun darf – die sechs NFL-Wildcardgames am Wochenende versprechen Spannung und Unterhaltung pur. Wir präsentieren die Paarungen.

Washington Football Team vs. Tampa Bay Buccaneers

Eigentlich wird das Washington Football Team als Lachnummer angesehen. Denn die ehemaligen Redskins, die nach jahrelanger Kritik den mit Rassismus in Verbindung gebrachten Namen vor der Saison ablegten, schafften es ziemlich unrühmlich ins Playoff. Mit einer Bilanz von 7:9 Siegen ist das Team aus der US-Hauptstadt erst die dritte Mannschaft in der NFL-Historie, die es mit einer negativen Bilanz ins Playoff schafft. Dies auch nur, weil sie die schwache NFC East Division gewann und so automatisch für die Wildcardgames qualifiziert ist.

Auf der anderen Seite gab das wundersame Comeback von Quarterback Alex Smith zu reden. Nach 693 Tagen Pause kam es zu dessen Rückkehr. Er hatte sich im November 2018 eine offene Fraktur des Schien- und Wadenbeins zugezogen. «Das Bein war verdreht, wie es nicht sein sollte», erinnerte sich Smith. Nach einer ersten OP bedrohten Bakterien und eine Blutvergiftung Smiths Leben – zudem drohte die Amputation des Beines. In einer Not-Operation retteten die Ärzte sowohl sein Leben als auch sein Bein. Nach insgesamt 17 Operationen und fast zwei Jahren ohne Football gelang Smith ein erstaunliches Comeback. Nach der Kurz-Rückkehr am fünften Spieltag übernahm der 36-Jährige vier Wochen später endgültig die Rolle des Stamm-Quarterbacks – und führte Washington ins Playoff.

Nun trifft er am Sonntag im heimischen FedEx Field auf die Tampa Bay Buccaneers. In deren Reihen spielt der erfolgreichste und wohl beste NFL-Spieler aller Zeiten: Quarterback Tom Brady. Der 43-Jährige erneuerte nach 6 Superbowltriumphen, 9 Superbowlteilnahmen und 20 Jahren bei den New England Patriots seinen Vertrag nicht mehr und schloss sich für zwei Jahre dem Team aus Florida an. Und Brady wusste auch im neuen Team zu überzeugen: Er brachte 40 Touchdowns an den Mann, ein neuer Vereinsrekord für die Buccaneers. Brady führte sein Team zu einer 11:5-Bilanz und damit sicher ins Playoff.

Tipp: Buccaneers gewinnen.

Buffalo Bills vs. Indianapolis Colts

Was für eine Saison für Bills-Quarterback Josh Allen. Der 24-Jährige steigerte seine persönliche Bilanz von 20 Touchdowns und 9 Interceptions im Vorjahr zu 37 und 10. Mit seinen erworfenen 4544 Yards steht er in der Wurfbestenliste auf Rang 5. Sein direkter Konkurrent vom Samstag, Colts-Quarterback Philip Rivers, folgt in dieser Statistik erst auf Rang 10. Für den 39-jährigen Rivers, der eine Bilanz von 24 TDs und 11 Int aufweist, war es das erste Jahr in den Reihen der Colts. Zuvor hatte er 16 Spielzeiten für die Los Angeles – respektive San Diego Chargers, wo sich die Franchise zuvor befunden hatte – absolviert.

Die Bills und die Colts haben in ihrer Historie bereits 70 Mal gegeneinander gespielt. Buffalo führt mit einer Bilanz von 37 Siegen, 32 Niederlagen und 1 Remis. Die letzten beiden Vergleiche gewann aber Indianapolis.

Tipp: Bills gewinnen.

Seattle Seahawks vs. Los Angeles Rams

Ein Divisions-Duell zum Playoff-Start? Das will kein Team verlieren. Die direkten Divisions-Gegner sind schliesslich die ärgsten Feinde – sportlich gesehen natürlich. Und die NFC West gehörte in dieser Saison zu den stärksten und umkämpftesten Divisions, was die Playoff-Plätze betraf. Die Seattle Seahawks und die Los Angeles Rams machten das Rennen, die Arizona Cardinals verspielten den Playoff-Platz erst am letzten Spieltag. Nur die San Francisco 49ers, im letzten Februar Superbowl-Verlierer gegen die Kansas City Chiefs, konnten nicht um die K.o-Runde mitreden.

Im Direktduell lautet die Bilanz zwischen Seahawks und Rams in dieser Saison 1:1. Für Seattle spricht speziell ein Spieler: Quarterback Russell Wilson. Dieser spielte eine MVP-würdige Saison, er ist das Rückgrat des Teams. Die Rams müssen sich auf ihre Heimpartie, die sie 23:16 gewannen, besinnen. Da warf Wilson keinen Touchdown, sondern zwei Interceptions. Dumm für LA, dass sie nun auswärts im Lumen Field antreten müssen, wo sie Ende Dezember 9:20 verloren.

Tipp: Seahawks gewinnen.

Tennessee Titans vs. Baltimore Ravens

In der vergangenen Saison überstrahlte er alles: Baltimore-Quarterback Lamar Jackson wurde endgültig zum Superstar, zum MVP der Saison gekürt – einstimmig, und das in seiner erst zweiten NFL-Saison. Dumm war nur, dass er an seine hervorragenden Leistungen – er wirft nicht nur Touchdowns, er erläuft sie auch – im Playoff nicht anknüpfen konnte. Die hochgehandelten Baltimore Ravens scheiterten bereits im ersten Spiel – ja genau, an den Tennessee Titans. Die Ravens haben dieses Mal also einiges gutzumachen. Möglicherweise kommt es ihnen entgegen, dass Jackson in der aktuellen Saison nicht so überragend spielte wie noch im Vorjahr. Gut möglich, dass er sich seinen besten Auftritt für die Revanche gegen die Titans aufgespart hat.

Die Titans können ihrerseits wie in den vergangenen Jahren auf den wohl besten Runningback der Liga zählen. Auch dieses Mal war Derrick Henry wie bereits im Vorjahr kaum zu stoppen, er erlief 2027 Yards und machte 17 Touchdowns in dieser Saison. Als Zweiter in der Rushing-Bestenliste folgt mit 1557 Yards (und 16 TDs) Dalvin Cook von den Minnesota Vikings etwas abgeschlagen. Übrigens befindet sich Quarterback Jackson in dieser Liste auf Position 9 mit 1005 Yards und immerhin 7 TDs.

Tipp: Ravens gewinnen.

New Orleans Saints vs. Chicago Bears

Es scheint eines der klarsten Duelle am Wildcard-Weekend zu sein. Auf der einen Seite die Offensiv-Power der Saints um Quarterback-Superstar Drew Brees und Runningback Alvin Kamara. Dieser befindet sich jedoch auf der Covid-19-Reserve-Liste der NFL. Er musste wegen seines positiven Befunds in Isolation, wird aber just am Spieltag zum Team zurückkehren – ohne vorher trainiert zu haben. Für Brees ist das kein Problem: «Er wird bereit sein.» Kamara hatte bei seinem letzten Spiel vor der Quarantäne gegen die Minnesota Vikings an Weihnachten sechs Touchdowns erzielt und damit den Rekord für die meisten TDs in einer Partie eingestellt. Nicht nur deswegen sehnen die Saints seine Rückkehr herbei.

Auf der anderen Seite sind da die Chicago Bears, die mit Quarterback Mitchell Trubisky antreten. «Es ist eine riesige Chance. Ich bin dieses Mal besser vorbereitet als damals», sagt der 26-Jährige und meint damit das Wildcardgame gegen die Philadelphia Eagles vor zwei Jahren. Es war die letzte Playoff-Partie der Bears – und diese ging verloren. Sein Spiel sei besser geworden, er sei ein besserer Leader geworden und genau das brauche sein Team jetzt, so Trubisky weiter. Aber Trubisky ist nicht gerade für seine Konstanz bekannt. Er liefert gegen schwächere Mannschaften starke Partien ab, gegen stärkere kann er aber nicht immer überzeugen. Und mit den Saints wartet nun das viertstärkste Team der Liga (Bilanz von 12:4) auf die Bears.

Tipp: Saints gewinnen.

Pittsburgh Steelers vs. Cleveland Browns

Die Cleveland Browns müssen wegen eines positiven Corona-Tests im ersten Playoff-Spiel nach 18 Jahren am Sonntag gegen die Pittsburgh Steelers auf ihren Cheftrainer Kevin Stefanski verzichten. Er und vier weitere Angestellte der Browns haben nach Angaben der Franchise entsprechende Ergebnisse bekommen. Nach Angaben von US-Medien sind darunter auch die beiden Spieler Joel Bitonio und KhaDarel Hodge.

Die Browns hatten zuletzt 2002 den Einzug in die Playoffs geschafft, seither waren sie des öfteren belächelt worden, weil sie stets zu den schwächeren Teams gehörten. Dieses Mal schafften sie den endgültigen Einzug in die K.o.-Runde mit einem 24:22-Heimsieg gegen Divisions-Rivale Pittsburgh Steelers. Und genau gegen diese Steelers um Quarterback Ben Roethlisberger, der Schweizer Vorfahren hat, geht es nun erneut. Nur dieses Mal werden die Steelers anders auftreten als noch am vergangenen Sonntag. Roethlisberger wurde da beispielsweise noch geschont, da die Steelers den ersten Platz in der AFC North bereits vor der Partie gegen die Browns auf sicher hatten. Dieses Mal geht es ums Eingemachte.

Tipp: Steelers gewinnen.

688 positive Corona-Fälle

Wie die NFL am Dienstag mitteilte, sind zwischen dem 27. Dezember und dem 2. Januar 34 Spieler positiv auf das Coronavirus getestet worden. Mehr waren es seit Saisonbeginn binnen sieben Tagen noch nie. Dazu kommen weitere 36 Personen mit einem positiven Coronatest. Damit sind seit 1. August insgesamt 688 Menschen positiv getestet worden. (dpa)

(dpa)

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1 Kommentar
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Maria Tanno

09.01.2021, 16:53

der Einlauf ist gelungen!