Aktualisiert 20.12.2019 10:03

AKW wird abgeschaltet

Das musst du wissen zur Mühleberg-Abschaltung

Am Freitag wird erstmals in der Schweiz ein Kernkraftwerk ausser Betrieb genommen. Droht ein Blackout – und wie geht es danach weiter?

von
ehs

Was passiert am Freitag?

Das Kernkraftwerk Mühleberg (KKM) wird als erstes Kernkraftwerk der Schweiz ausser Betrieb genommen.

Fehlt uns danach Strom?

Zwischen 4 und 5 Prozent des Schweizer Stroms kommen vom KKM. Durch die Abschaltung wird die Stromproduktion im Kanton Bern halbiert, jene der Betreiberin BKW um ein Viertel reduziert. Einen Einfluss auf die Stromversorgung hat das aber nicht.

Wieso?

Die Betreiberin BKW produziere trotz des Wegfalls des KKM mehr Strom, als sie an Verbraucher absetze, sagte ein Sprecher der NZZ. Zudem könne die BKW Strom im europäischen Ausland beschaffen. In die Produktion von zusätzlichem Strom investiert die BKW künftig vor allem im Ausland, wie Konzernchefin Suzanne Thoma der «Schweizer Illustrierten» sagte. Dazu gehören etwa Windkraftanlagen in Italien oder Deutschland.

Wie läuft die Abschaltung ab?

Am Morgen wird laut Betreiberin BKW die Leistung nach und nach reduziert, indem Steuerstäbe zwischen den Brennstoff gefahren werden. Im Kommandoraum werden um 12.30 Uhr zwei Knöpfe gedrückt und das KKW abgeschaltet. Dann wird der Druck im Reaktor abgebaut, die Wassertemperatur fällt innert sieben Stunden von 280 auf unter 100 Grad Celsius.

Wie lange dauert die Abschaltung?

Das Herunterfahren des KKM soll am 22. Dezember abgeschlossen sein. Am 6. Januar beginnt der eigentliche Rückbau.

Wie sieht dieser aus?

Zwischen Januar und März bleibt der Deckel des Reaktordruckbehälters noch für drei Monate geschlossen. In dieser Zeit verringert sich die Radioaktivität gemäss BKW um das Tausendfache. Zwischen März und Juni 2020 wird die Betonabdeckung, die vor der Strahlung schützt, zerlegt. Der Deckel des Druckbehälters wird geöffnet und die Grube mit Wasser gefüllt. Dann werden die Brennelemente freigelegt, die in ein mit Wasser gefülltes Lagerbecken kommen. Dort klingen sie einige Jahre lang ab.

Was passiert mit den radioaktiven Materialien?

Etwa 6000 Tonnen radioaktives Material kommen bis 2024 ins nationale Zwischenlager und werden als Abfall für die spätere Lagerung in Würenlingen in einem geologischen Tiefenlager vorbereitet.

Was geschieht danach?

Zwischen 2030 und 2034 werden die nuklearen Anlageteile und die restliche Bausubstanz zurückgebaut.

Was passiert mit dem Areal?

Ab 2034 kann es wieder für eine «industrielle oder naturnahe Nutzung» verwendet werden, so die BKW.

Wie viele Personen sind beteiligt?

Bis 2034 werden durchschnittlich 200 Personen am Rückbau und der Entfernung des radioaktiven Materials beteiligt sein.

Wie viel kostet die Stilllegung?

Durch den Rückbau entstehen Kosten von geschätzt 927 Millionen Franken. Die Entsorgung verschlingt weitere Gelder in der Höhe von geschätzt 1,25 bis 1,4 Milliarden Franken.

Wer bezahlt das?

Die BKW – einerseits durch eigene Rückstellungen, andererseits durch Gelder, die sie in die vom Bund kontrollierten Stilllegungs- und Entsorgunsfonds einbezahlt hat.

Welche weiteren Kernkraftwerke gibt es?

Insgesamt gibt es fünf Schweizer Kernkraftwerke. Neben Mühleberg sind das die Kernkraftwerke Beznau I und II im Besitz der Axpo und das KKW Gösgen. Deren Betreiberin ist die Kernkraftwerk Gösgen-Däniken AG, an der die Alpiq, die Axpo, die Stadt Zürich und weitere beteiligt sind. Weiter gibt es das Kernkraftwerk Leibstadt, an dem sechs Energieunternehmen wie die Axpo oder Alpiq beteiligt sind.

Wann werden die übrigen KKW abgeschaltet?

Das ist unklar. Sie haben eine unbefristete Betriebsbewilligung, solange sie sicher betrieben werden können. Die Axpo will etwa Beznau, das älteste in Betrieb stehende KKW der Welt, bis ins Jahr 2030 betreiben.

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