Aktualisiert 21.03.2006 12:37

Das nächste Nationalheiligtum geht auf Reisen

Nach dem Bundesbrief wird jetzt ein weiteres Schweizer Kultobjekt ins Ausland verschickt: Der Kanton Uri schickt das Julius-Banner in den Vatikan. Ein Kaufangebot von Christoph Mörgeli liegt noch nicht vor.

Die Ausleihe des Banners ist freilich weniger brisant als jene des Bundesbriefes, geht doch die Fahne dorthin, wo sie hergekommen ist. 1512 nämlich hatte Papst Julius II. allen beteiligten eidgenössischen Ständen für militärische Hilfeleistungen je ein solches Banner geschenkt.

Im Mittelpunkt jener eidgenössischen Hilfeleistung stand die Erstürmung von Pavia im Juni 1512. Der Pontifex maximus muss ziemlich beeindruckt gewesen sein, ernannte er doch die Eidgenossen im Juli umgehend zu «Beschützern der Freiheit der Kirche». Und dafür gab es dann die Fahnen.

Kardinal Matthäus Schiner überbrachte das Urner Banner am 24. Juli 1512 persönlich nach Altdorf. Es ist neben jenem im Landesmuseum in Zürich das schönste, weil am besten erhaltene Julius-Banner.

Gleich hoch versichert wie der Bundesbrief

Gewoben ist es aus prachvollem Mailänder Seidendamast mit Granatapfelmuster. Auf dem gelben Tuch aufgemalt ist der Uristier mit roter heraushängender Zunge und Nasenring. Das Banner enthält auch päpstliche Insignien, zwei gekreuzte Schlüssel in Silber und Gold.

Ausgestellt wird das Urner Julis-Banner anlässlich der Jubiläumsfeierlichkeiten «500 Jahre Schweizergarde» im Vatikan vom 29. März bis zum 30. Juli 2006. Der Urner Regierungsrat bewilligte die Ausleihe nach einem entsprechenden Gesuch des Kommandos der Schweizergarde.

Dem Kanton Uri entstehen laut Angaben der Standeskanzlei keine Kosten. Für die Ausleihe wurde eine Risikoversicherung über eine Million Franken abgeschlossen. Die gleiche Versicherungssumme, die für die Amerika-Ausleihe des Bundesbriefes abgeschlossen wurde. Von einem wütenden Protest oder gar von einem Kaufversuch durch SVP-Nationalrat Christoph Mörgerli wie beim Bundesbrief ist aber noch nichts bekannt.

(sda)

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