Aktualisiert 25.09.2014 13:08

Bundesgerichts-Entscheid

Das «Nagelhaus» darf abgebrochen werden

Das Bundesgericht hat die Beschwerde des Kantons gutgeheissen: Das «Nagelhaus» in Zürich-West muss einer Strasse weichen. Bei den Bewohnern ist die Enttäuschung riesig.

von
ram
Der Kanton darf das Nagelhaus in Zürich-West abbrechen, um Platz für eine Zufahrtsstrasse zum Maag-Areal zu schaffen.

Der Kanton darf das Nagelhaus in Zürich-West abbrechen, um Platz für eine Zufahrtsstrasse zum Maag-Areal zu schaffen.

Die Gebäude an der Turbinenstrasse 12/14 in Zürich dürfen für den Bau einer Zufahrtsstrasse zum Maag-Areal abgebrochen werden: Dies hat das Bundesgericht in Lausanne entschieden und damit die Beschwerde des Kantons Zürich gutgeheissen. De Facto bedeutet dies das Aus fürs «Nagelhaus».

Die Eigentümer der Häuser Nummer 12 und 14 werden enteignet und die Gebäude abgerissen. Damit endet ein seit rund 15 Jahren dauernder Planungs- und Rechtsstreit rund um das Maagareal und dessen Erschliessung.

«Interesse der Eigentümer zu stark gewichtet»

Wie die Lausanner Richter in einer öffentlichen Beratung am Donnerstag ausgeführt haben, hat das Bundesverwaltungsgericht das Interesse der Eigentümer viel zu stark gewichtet. Sowohl die städtebauliche Situation im Zürcher Entwicklungsgebiet Zürich-West, als auch die verkehrs- und sicherheitstechnischen Aspekte hat die Vorinstanz gemäss den Bundesrichtern verkannt.

Das Bundesverwaltungsgericht hatte im Mai 2013 die Plangenehmigung für die grosszügige Erschliessung des Maagareals durch die neue Linienführung der Turbinenstrasse aufgehoben. Es legte fest, dass das Projekt im Sinne der Variante Horber geändert werden muss. Diese sieht vor, dass die Häuser 12 und 14 bestehen bleiben. Die neue Strasse würde zwischen diesen Häusern und dem Gebäude Nummer 51 an der Pfingstweidstrasse (Fifty-One) verlaufen.

«Grosses Verständnis für die Bewohner»

Diese Variante erfüllt gemäss den Lausanner Richtern nicht die hohen Anforderungen, die an den Anschluss an eine Nationalstrasse gestellt werden. Es würde eine unübersichtliche Verkehrssituation geschaffen, bei welcher bis zu zwei Meter an die bestehenden Gebäude herangebaut werden müsste.

Obwohl der Entscheid der Bundesrichter klar ausgefallen ist, haben sie grosses Verständnis für die Bewohner der Turbinenstrasse 12 und 14. Der vorgängig durchgeführte Augenschein habe gezeigt, dass dort eine ganz andere Welt anzutreffen sei; ein Gegensatz, wie er verglichen mit dem Prime Tower kaum grösser sein könnte.

«Jetzt heisst es Abschied nehmen - das ist schmerzhaft»

«Völlig unverständlich» ist das Urteil des Bundesgerichts für Willi Horber (76), der seit mehr als 40 Jahren im Haus wohnt. «Eine grosse Enttäuschung.» Nun gingen 16 preiswerte Wohnungen verloren. «Dabei betont die Stadt doch immer, dass sie günstigen Wohnraum schaffen und erhalten will.» Für ihn selbst heisse es jetzt «Abschied nehmen» und sich ein neues Zuhause zu suchen. «Das ist natürlich schmerzhaft», so Horber.

Der Kanton ist mit dem Entscheid «zufrieden». Wie das Amt für Verkehr mitteilen lässt, hängt das weitere Vorgehen vom Schätzungsverfahren ab, bei dem die Höhe der Entschädigung festgelegt werde. «Wann der Kanton über die Grundstücke verfügen kann, ist daher noch offen. Ein Zeitraum von ein bis drei Jahren scheint aber realistisch.» In dieser Zeit würden die zuständigen Stellen mit den Eigentümern in Kontakt stehen. (ram/sda)

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