«Es geht nicht nur um die Medaillen» - Das Nationen-Ranking – in diesen Sportarten ist die Schweiz besonders schlecht

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«Es geht nicht nur um die Medaillen»Das Nationen-Ranking – in diesen Sportarten ist die Schweiz besonders schlecht

Ein Ranking misst das Abschneiden aller Nationen dieser Welt im Leistungssport. Die USA führt die Liste an, die Schweiz findet sich im oberen Viertel der Rangliste wieder.

von
Silvan Haenni
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Welche ist die erfolgreichste Sportnation der Welt? Hier sieht man die Flaggen aller teilnehmenden Länder an der Athletinnen- und Athletenunterkunft der Olympischen Jugendspiele Lausanne 2020.

Welche ist die erfolgreichste Sportnation der Welt? Hier sieht man die Flaggen aller teilnehmenden Länder an der Athletinnen- und Athletenunterkunft der Olympischen Jugendspiele Lausanne 2020.

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Laut dem «World Ranking of Countries in Elite Sports» am besten: die USA. Hier sieht man die US-amerikanische Delegation an den Olympischen Sommerspielen 2020 in Tokio.

Laut dem «World Ranking of Countries in Elite Sports» am besten: die USA. Hier sieht man die US-amerikanische Delegation an den Olympischen Sommerspielen 2020 in Tokio.

imago images/AFLOSPORT
Die Schweiz landete 2021 auf dem 30. Rang.

Die Schweiz landete 2021 auf dem 30. Rang.

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Darum gehts

«Die kleine Schweiz ist eine der grössten Nationen», sagte Ralph Stöckli, der Chef de Mission von Swiss Olympic. Damit meint er die 167-köpfige Delegation von Schweizer Athletinnen und Athleten, die an den Olympischen Spielen in Peking auf Medaillenjagd gehen wird. Zum Vergleich: Die USA schickt 223 Sportlerinnen und Sportler nach China, Russland 211. Nur Gastgeber China wird mit über 400 eine deutlich grössere Auswahl stellen.

Unsere Nachbarländer schicken allesamt weniger Landsleute an die Winterspiele: Deutschland 147, Italien 112, Österreich 108 und Frankreich sogar nur 86. Die Schweiz als Wintersport-Nation? Ja. Die Schweiz als Sportnation? Nicht ganz. Zumindest nicht, wenn es nach dem «World Ranking of Countries in Elite Sports» geht. Dieses misst die Leistungen aller Länder in allen offiziellen internationalen Sportwettbewerben – und zeigt ein tristes Bild aus Schweizer Sicht: Wir liegen nur auf Rang 30!

USA top, auch kleinere Nationen besser

Während die USA (1.), Grossbritannien (2.) und Frankreich (3.) die Weltrangliste anführen, liegt die Schweiz auch hinter anderen kleineren Nationen wie Belgien (12.), Schweden (16.), Tschechien (17.), Dänemark (21.) oder Norwegen (25.). Immerhin lässt die Schweiz den ewigen Rivalen in Sport-Angelegenheiten – Nachbarland Österreich – hinter sich (33.).

Über die 98 Sportarten hinweg, die ins Ranking einflossen, gibt es erhebliche Unterschiede: So gehört die Schweiz beispielsweise im Curling (2.), Unihockey (3.), Orientierungslauf (3.), Ski-Bergsteigen (3.) oder Ski (alles FIS-Disziplinen, 4.) zur Welt-Elite. Beim Fechten (58.), Bowling (60.) oder oder auch Powerlifting (64.) hingegen sieht es anders aus. Im Kettlebell-Heben ist die Schweiz gar die schlechteste der 32 praktizierenden Nationen.

So wurde bewertet

Für jede siegreiche Mannschaft oder jede Einzelathletin, bzw. jeden Einzelathleten eines internationalen Wettbewerbs gab es Punkte. Die Top 8 jedes Wettbewerbs erhielt Extra-Gewichtungspunkte.

Die erreichten Punkte wurden dann mit einem Universalitäts- und einem Popularitäts-Koeffizienten verrechnet. Heisst: Desto weiter verbreitet eine Sportart ist (Universalität) und je besser abgedeckt eine Sportart in den Welt-Medien ist (Popularität), desto mehr Punkte gab es.

Detaillierte Angaben zur Bewertung findet man hier.

Soziale Auswirkung des Erfolgs

Muss nun die geläufige Aussage, die Schweiz sei für eine kleine Nation sehr gut im Sport, revidiert werden? «Nein», antwortet Sportwissenschafter und Herausgeber Nadim Nassif von der Notre Dame Universität im libanesischen Zouk Mosbeh. «Erstens einmal spielt die Einwohnerzahl des Landes an sich statistisch praktisch keine Rolle, viel wichtiger ist das Bruttoinlandprodukt.» Aber auch als Nation mit einem vergleichsweise hohen BIP sei die Schweiz noch sehr gut.

Entscheidend sei für Nadim Nassif das Abschneiden in populären und universalen Sportarten: «Erfolge beispielsweise im Basketball oder Fussball schenken stark ein, Erfolge im Curling viel weniger.» Denn: Um der sozialen Auswirkung der sportlichen Leistungen Rechnung zu tragen, wird die Performance entsprechend der medialen Beliebtheit und der globalen Verbreitung gewichtet und mit einem Koeffizienten multipliziert. «Es geht nicht nur um den Medaillenspiegel», erklärt Nassif. «Es geht darum, welche Auswirkung der Sport in der Gesellschaft hat.»

«Im Basketball gut zu sein, lohnt sich»

Am meisten kann man «Switzerland» zwischen den Plätzen 20 uns 40 finden. Nassif: «An der Spitze ist es extrem eng, da können einzelne Turniere, beispielsweise ein gutes Resultat an einer Fussball-WM, schon mehrere Plätze Unterschied bedeuten.» Im Fussball liegt man immerhin auf Rang zwölf – im Eishockey auf Rang acht. Auch das Abschneiden in den Sportarten Minigolf (5.) und Tischfussball (5.) kann sich sehen lassen.

Letztere aber haben einen tiefen Koeffizienten. «Am besten würde die Schweiz in Basketball investieren», so Nassif. «Da geht es am schnellsten nach oben.» Übrigens: Am schlechtesten aller 206 Nationen schnitten die Marschall-Inseln ab, knapp hinter Mikronesien (205) und Tuvalu (204). Das ganze Ranking finden Sie hier.

Die Top 10 des «World Ranking of Countries in Elite Sports».

Die Top 10 des «World Ranking of Countries in Elite Sports».

worldsportranking.info

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