iPhone 3G S: Das neue Apple-Handy im Test
Aktualisiert

iPhone 3G SDas neue Apple-Handy im Test

Deutlich schneller, bessere Kamera, Videofunktion - aber nichts Neues in Sachen Design: Das neue iPhone 3G S kommt ab Freitag in den Handel. Wir haben das Apple-Handy bereits im Vorfeld auf Herz und Nieren geprüft.

von
Manuel Bühlmann und Felix Raymann

Etwas enttäuschend ist es schon, dass das neue iPhone-Modell 3G S im alten Design daherkommt. Sein schlichtes Äusseres mag aber immer noch zu begeistern, seine Grösse hat sich samt Multitouch-Bildschirm (8,9 cm Diagonale) stets bestens bewährt. Die Änderungen des neuen iPhones beschränken sich also auf die inneren Werten: Neben der neuen Betriebs-Software, die laut Apple «über 100 neue Funktionen» bietet und seit heute Abend auch für das alte iPhone (3G) verfügbar ist, wurden dem neuen Modell einige nützliche Hardware-Modifikationen verpasst.

Endlich: Eine ernst zu nehmende Kamera

Als erstes fällt die bessere Kamera auf. Sie macht eindeutig bessere Fotos als die herkömmliche iPhone-Cam. Dies nicht nur wegen ihrer höheren Auflösung (3 Megapixel statt 2), sondern auch wegen des eingebauten Autofokus, der automatischen Makro-Funktion und der selbstständigen Einstellung von Belichtung, Farbe und Kontrast. Der Autofokus bietet eine witzige und praktische Funktion namens «Tab to focus»: Dabei wird nicht nur automatisch das Motiv in der Mitte scharf gestellt, sondern jedes beliebige Objekt auf dem Display. Mit leichtem Fingertippen kann der Benutzer so beliebige Bereiche scharfstellen– egal, ob sich ein Objekt im Vorder- oder Hintergrund, rechts oder links, befindet.

Die Kamera besitzt aber noch eine weitere Neuheit: Mit ihr lassen sich nun endlich auch Videos drehen, wie man das längst mit praktisch jedem Handy kann. Dank der neuen Software ist es nun auch möglich, Fotos und Videos per MMS oder E-Mail zu versenden oder Filmchen direkt auf YouTube upzuloaden. Die Videokamera besitzt übrigens eine praktische Funktion, um die Filme direkt am Handy zu bearbeiten. So kann der Film direkt mit dem Finger auf dem Bildschirm geschnitten werden, um nur jene Sequenz eines Clips zu speichern, die man behalten möchte.

S wie Speed

Der schnellere Prozessor und die die HSDPA-Fähigkeit beschleunigen das iPhone sowohl für die lokale Software als auch im Internetzugang ohne WLAN-Anbindung. Programme wie beispielsweise das 20-Minuten-iApp werden mit dem iPhone 3G S deutlich schneller geladen. Auch beim Gamen oder beim Öffnen von Dokumenten macht sich die höhere Performance bemerkbar. Der Aufbau von Webseiten oder der Dateiendownload geht mit theoretischen 7,2 Mbps ebenfalls schneller als mit der herkömmlichen UMTS-Verbindung vonstatten. Voraussetzung ist allerdings, dass man sich in einem HSDPA-Verbreitungsgebiet, also in Stadtnähe, befindet.

Voice Control

Wer es nicht mag, mit dem Finger auf dem Display herumzutippen, hat mit dem iPhone wohl das falsche Handy gekauft. Trotzdem kann es manchmal ganz praktisch sein, wenn sich gewisse Funktionen per Sprachbefehl tätigen lassen. Mit der neuen Funktion Voice Control lassen sich über das eingebaute Mikrofon Anrufe tätigen (per Ansage eines Namens, der im Kontakt-Verzeichnis steht oder durch Ansage der Nummer) oder Songs auswählen, die man hören möchte. Um Voice Control zu starten, braucht man nur etwas länger auf die runde Taste zu drücken. Wenn gerade ein Song läuft, den man nicht kennt, nennt das Gerät auf Wunsch Titel und Interpret.

Einfachere Orientierung

Das neue iPhone 3G S besitzt einen eingebauten magnetischen Kompass, der auf den magnetischen oder auch auf den geografischen Nordpol ausgerichtet werden kann. Die Kompass-App zeigt dank GPS zudem die aktuellen Koordinaten an. Nützlich ist der Kompass aber vor allem, weil er in Maps integriert ist und somit alle Karten automatisch in der Blickrichtung des Benutzers ausrichten kann. Ein langwieriges Orientieren entfällt damit.

Einer der grössten Makel des iPhones, sein relativ schwacher Akku, ist zumindest teilweise getilgt worden. Laut Apple hält der neue Akku deutlich länger durch als der alte. Beim ständigen rumspielen mit dem 3G S sinkt die Akku-Anzeige zwar tatsächlich langsamer, doch ist es nach wie vor am Ende des Tages notwendig, eine Steckdose in der Nähe zu haben. Das iPhone 3G S gibt es als 16- oder 32-GB-Version. Das Glas des Displays ist angeblich fettabweisend. Trotzdem kommt man nicht umhin, durch gelegentliches Reiben des Bildschirms an Hose oder Ärmel sich einen klaren Blick zu verschaffen.

Aus dem alten iPhone wird ein «neues»

Das neue iPhone 3G S bietet einiges an Neuem. Auf viele Neuheiten müssen aber auch Besitzer eines alten iPhones (3G) nicht verzichten, denn das neue Betriebssystem 3.0 ist ab Mittwoch auch für dieses ältere Modell verfügbar. Darin sind diverse Neuerungen enthalten wie zum Beispiel die MMS-Funktion, eine Copy-Paste Funktion, um Texte und Bilder zu kopieren und in einem anderen Dokument wieder einzufügen sowie eine Spotlight-Suchfunktion. Gerade die Suchfunktion erwies sich im Test als sehr nützlich: Mit der Eingabe eines Stichwortes findet man entsprechende Einträge in Sekundenschnelle auf dem ganzen Gerät: z. B. in den Mails, im Kalender, im Adressbuch oder in der Musiksammlung. Eine Neuerung, die sich viele iPhone-Besitzer längst gewünscht haben, ist ebenfalls wie erwartet ergänzt worden: Nun können auch SMS, E-Mails und Notizen in der grösseren Querformat-Tastatur geschrieben werden. Eingetippte Notizen lassen sich mit dem PC synchronisieren.

Neu unterstütz das Firmware-Update auch Stereo-Bluetooth. Damit lässt sich das iPhone etwa mit der Freisprechanlage im Auto oder einem kabellosen Headset nutzen. Zusammen mit Mobile Me kann zudem ein verlorenes Handy leichter gefunden werden: So lange das Gerät eingeschaltet ist, lässt es sich per GPS lokalisieren. Zudem kann eine Nachricht darauf gesendet werden, die sich auch bei Stummschaltung akustisch bemerkbar macht, so dass man es auch in der unaufgeräumtesten Wohnung sein Handy wiederfindet.

Ein weiteres Novum stellt die sogenannte Tethering-Funktion dar. Damit kann das iPhone auch als Modem eingesetzt werden. Auf Anfrage von 20 Minuten Online teilte Orange mit, dass ihre Kundschaft von Anfang in den Genuss der neuen Technik kommen wird. Bei der Konkurrenz muss man sich noch kurz gedulden: «Wir sind mit Apple diesbezüglich am Verhandeln und sind zuversichtlich, dass wir Tethering in Kürze anbieten können», sagt Swisscom-Mediensprecher Olaf Schulze.

Fazit

Wer schon ein iPhone 3G besitzt, sollte in der Regel mit dem Firmware-Update gut bedient sein. Wer allerdings Videos drehen und Fotos in gestochen scharfer Auflösung schiessen will, kommt um das 3G S nicht herum. Ein weiterer Vorteil ist sicherlich die verbesserte Akkulaufzeit, der aufgestockte Arbeitsspeicher und der stärkere Prozessor, dank welchem sich deutlich flüssiger durch die Anwendung navigieren lässt.

Das neue iPhone 3G S steht ab dem 19. Juni bei der Swisscom (mit 16 GB Speicher ab 99 Franken) und bei Orange (mit 16 GB Speicher ab 29 Franken) in den Regalen. Beide Provider bieten das 3G für einen Franken an.

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