Aktualisiert 27.01.2016 12:10

Integration

Das neue Image der Kosovaren

In der Debatte über kriminelle Ausländer spielen die Kosovaren kaum mehr eine Rolle. Grund sei die Flüchtlingskrise, sagen Fachleute.

von
phi

Als 2010 über die Ausschaffungsinitiative abgestimmt wurde, war das Bild des kriminellen Kosovaren praktisch omnipräsent. Als die Schweiz über die Masseneinwanderungsinitiative diskutierte, dienten die Migranten aus dem Balkan sogar als Motiv für eine Abstimmungskampagne: «Kosovaren schlitzen Schweizer auf», hiess es in einem SVP-Inserat. Heute, vor der Durchsetzungsinitiative, spielt diese Bevölkerungsgruppe im öffentlichen Diskurs kaum mehr eine Rolle.

Wird über kriminelle oder schlecht integrierte Ausländer diskutiert, dreht sich die Debatte vor allem um die Neuankömmlinge der Flüchtlingskrise: Afghanen, Syrer oder Eritreer. Sucht man in der Schweizer Mediendatenbank nach den Begriffen «Kosovaren» und «Durchsetzungsinitiative», findet man für das letzte Jahr nur gut zehn Einträge. Zum Vergleich: Vor der Ausschaffungsinitiative waren es über 70.

«Rolle der Kosovaren übernommen»

Die Mehrheit der Kosovaren sei mittlerweile in der Schweiz gut integriert, sagt Blerim Shabani, Journalist des albanisch-schweizerischen Newsportals Albinfo.ch. «Viele fühlen sich nicht mehr nur als vorübergehende Gäste, sondern sehen in der Schweiz ihre Heimat.» Das hätten auch die Schweizer bemerkt und akzeptiert. Eine Ursache für den Imagewandel sieht er auch in der Flüchtlingskrise: «Die Menschen, die jetzt als Asylsuchende in die Schweiz kommen, haben teilweise die Rolle übernommen, die vorher die Kosovaren oder Albaner innehatten.»

Christof Meier, Leiter der Integrationsförderung der Stadt Zürich, bestätigt: «Heute gibt es keine akuten Probleme mit der Integration von Kosovaren oder Albanern.» Es gebe zwar noch Veranstaltungen für die albanischsprachige Bevölkerung, doch andere Zielgruppen seien wichtiger, insbesondere aus dem Asyl- und Flüchtlingsbereich.

Hinzu komme, dass die Kriminalitätsrate der Kosovaren in den letzten Jahren abgenommen habe. Wurden 2009 laut der Kriminalitätsstatistik noch 5496 Delikte von Kosovaren, Serben oder Montenegrinern verübt, waren es 2014 noch 4636.

Fussball und Tourismus

Integrationsexperte Thomas Kessler führt die Verbesserung des Images der Kosovaren in erster Linie auf den sportlichen Erfolg der Schweizer Nationalmannschaft zurück, in der viele Secondos aus dem Balkan spielen. «Die starken Leistungen von Shaqiri und Co. haben die Sympathie vieler Schweizer geweckt.» Dazu komme, dass Albanien als Ferienort sehr attraktiv geworden sei.

Beim Fussball könnten auch Parallelen gezogen werden zwischen der Integration der Kosovaren und der Italiener. «Der Wandel vom lauten ‹Tschingg› zum coolen Südländer fand nach dem Sieg der Italiener an der Weltmeisterschaft 1982 statt.» Ab diesem Zeitpunkt sei es etwa Mode geworden, seinem Restaurant einen italienischen Namen zu geben.

Dass Kosovaren und Albaner heute gut integriert sind, sieht man laut Kessler auch daran, dass inzwischen über 90 Prozent eine Arbeit haben. «Die Abhängigkeit von der Sozialhilfe wird immer geringer.» In technischen Berufen und in der Sicherheitsbranche seien sie besonders gut vertreten. Immer mehr junge Kosovaren entscheiden sich auch, eine Universität oder Hochschule zu besuchen. Noch Ende 2009 waren etwa an der Universität Zürich lediglich fünf kosovarische Studenten immatrikuliert, Ende 2015 waren es 32, wie die «Limmattaler Zeitung» schreibt. Die Zahl wäre weit höher, würden die eingebürgerten Kosovaren miteinbezogen.

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