Aktualisiert 09.08.2011 19:57

Verrücktes NeapelDas neue Leben des Gökhan Inler

Rund 700 Kilometer trennen Udine und Neapel. 700 km sind Welten, wie Gökhan Inler mittlerweile weiss.

von
Sandro Compagno
Ist beim SSC Napoli in der grossen Fussballwelt angekommen: Nati-Captain Gökhan Inler. (KEY)

Ist beim SSC Napoli in der grossen Fussballwelt angekommen: Nati-Captain Gökhan Inler. (KEY)

Vier Jahre hat der Captain der Schweizer Nationalmannschaft im Friaul zugebracht. Udinese Calcio ist ein italienisches Fussball-Idyll. Ein solid geführter Verein, eine unaufgeregte Personalpolitik und eine desinteressierte Bevölkerung gestalten das Leben eines Profis angenehm.

Welch Gegensatz zu Napoli! «Von Udine zu Napoli zu wechseln, ist ein gewaltiger Schritt», sagt Inler, und er meint das nicht nur fussballerisch. Vor vier Wochen unterschrieb der 27-Jährige am Vesuv einen Vertrag bis 2016. Von der Stadt hat er noch nichts gesehen: «Ausgehen ist sehr schwierig in Neapel.» Erkennen die Fans einen ihrer Helden, kennen sie kein Halten mehr. Shoppen gehen? Gemütlich durch die malerische Altstadt flanieren? Etwa so realistisch wie ein Keuschheitsgelübde von Silvio Berlusconi. «In Neapel musst du immer alles planen und organisieren», sagt Inler. Einkaufen beispielsweise geht der Berufsfussballer auf Absprache mit dem Ladenbesitzer nach Ladenschluss.

Der Fussball am Vesuv ist ein Zirkus. Und wie jeder Zirkus lebt er ein Stück weit von der Nostalgie. Zwischen 1987 und 1990 gewann die SSC Napoli zweimal die italienische Meisterschaft, dazu die Coppa Italia, den italienischen Super Cup und den Uefacup. Diese goldenen Jahre sind untrennbar verbunden mit dem Namen Diego Maradona. «Die Leute wollen die Zeiten von Maradona wieder spüren», sagt Gökhan Inler. Das sorgt für Druck vor einer Saison, in der Napoli erstmals in der 85-jährigen Klubgeschichte für die Champions League qualifiziert ist: «In Neapel darfst du dir keine Fehler erlauben.»

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