«Total misslungen» - Das neue Werbevideo von Linz Tourismus bringt Politiker zum Kochen

Für das selbstironische Video erntet Linz Tourismus viel Lob, aber auch harsche Kritik.

Linz Tourismus
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«total misslungen»Das neue Werbevideo von Linz Tourismus bringt Politiker zum Kochen

Mit seiner neuen Kampagne will Linz Tourismus das Image der Stadt authentischer und ehrlicher gestalten. Doch das selbstironische Werbevideo sorgt für Kritik – selbst vom Bürgermeister.

von
Sonja Siegenthaler

«Linz ist eine Stadt für Senioren», «altmodisch» und «ein bisschen rassistisch»: Mit dieser ehrlichen Selbsteinschätzung von jungen Linzerinnen und Linzern startet das neue Tourismusvideo von Linz Tourismus. Darauf folgen Aufnahmen von Plattenbauten, Verbotsschildern, Graffitis und schroffen Bewohnerinnen und Bewohnern, die der Kamera etwa den Stinkefinger zeigen.

Zu Linz gehören eben auch die Bewohnerinnen und Bewohner, wie der Blumenverkäufer von nebenan, findet Linz Tourismus.

Zu Linz gehören eben auch die Bewohnerinnen und Bewohner, wie der Blumenverkäufer von nebenan, findet Linz Tourismus.

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Das Voice-Over kommentiert dazu: «Wir sind nicht das, was du von der Alpenrepublik erwartestwillst du Mozart, geh nach Salzburg», dazu wird eine Büste des österreichischen Komponisten zerstört und durch eine ziemlich heruntergekommene von Anton Bruckner, einem Linzer Komponisten, ersetzt.

«Wir haben beobachtet, dass die Werbefilme nach dem touristischen Neustart alle sehr vergleichbar waren. Überall springt einer ins Wasser oder wandert auf einen Berg», sagt Georg Steiner, Tourismusdirektor von Linz, in einem Interview mit der österreichischen Tageszeitung «Kurier». Deshalb wolle man mit der Kampagne neue Wege gehen, weg vom oberflächlichen Werben für populäre Sehenswürdigkeiten, feines Ambiente und zu viel Sonnenschein.

Bürgermeister findets «total misslungen»

Im Netz wird das Werbevideo gefeiert, etwa von ORF-Moderator und Journalist Armin Wolf, der es auf Twitter als «mutig, kreativ, sympathisch, grossartig» lobt. Auch anderen österreichischen Tourismusverbänden gefällt die neue Richtung, die Tourismus Linz mit der Kampagne einschlägt: Auf Instagram kommentiert etwa Innsbruck Tourismus «Das ist einfach 🔥🔥🔥!», Visit Salzburg meint auch: «Top!!!!👏😀».

Für das selbstironische und provokante Video erntet Linz Tourismus aber auch harsche Kritikvor allem aus der Politik. So hält der amtierende Linzer Bürgermeister Klaus Luger, der das Video erst nach der Veröffentlichung gesehen haben soll, die Kampagne für «total misslungen»: «Dieses Video trifft nicht nur meinen Humor gar nicht, sondern konterkariert alle unsere bisherigen Bemühungen, Linz speziell international zu positionieren», wird das Stadtoberhaupt von der Zeitung «Oberösterreichische Nachrichten» zitiert.

Für die Umsetzung wurde die Linzer Firma Forafilm engagiert, die für das Projekt eine eigene Kreativunit namens Fora Ultra 4000 ins Leben gerufen hat.

Für die Umsetzung wurde die Linzer Firma Forafilm engagiert, die für das Projekt eine eigene Kreativunit namens Fora Ultra 4000 ins Leben gerufen hat.

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Der Linzer FP-Stadtvize Markus Hein fordere sogar den Rücktritt vom Tourismusdirektor: «Das Video bildet in keiner Weise meine Heimatstadt ab, wie ich sie kenne. Linz wird weitgehend als negativ und unfreundlich dargestellt. Es ist höchste Zeit für die Ablöse von Georg Steiner».

Steiner selbst sieht die Kritik (noch) gelassen: «Linz will ja den Tourismus verändern, authentischer, ehrlicher machen», wird er in «Oberösterreichische Nachrichten» zitiert. Die Stadt solle man nicht auf ein paar Sehenswürdigkeiten reduzieren, sondern in ihrer Ganzheitlichkeit erleben, so der Direktor. Und dazu gehören laut Kampagne auch Pferdemist, Baustellen und Damen mit weissem Puder an der Nase.

Wie fändest du es, wenn Zürich, Bern oder Basel mit einem solchen Video werben würden? Diskutiere mit!

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