Unmanned Aerial Vehicle: Das neueste Spielzeug der Generäle
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Unmanned Aerial VehicleDas neueste Spielzeug der Generäle

Noch sind sie für Kampfeinsätze gegen Piloten zu langsam, aber ihnen gehört die Zukunft der Militärluftfahrt: Drohnen. Auch die Schweiz will bei den unbemannten Wunderwaffen aufrüsten.

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Die Spannweite überragt jene des Airbus A320 um fünf Meter, der Flieger kann Nonstop von Europa nach Neuseeland fliegen. Doch ein Pilot fliegt nicht mit. Dafür ist mehr als eine Tonne feinster Überwachungstechnik an Bord. Die Rede ist vom «Eurohawk», dem neuesten Wurf in der Reihe der Hochleistungs-Langstreckenaufklärer.

Am Mittwoch feierte die Deutsche Luftwaffe das Roll-Out des neuen Wunderfliegers aus amerikanisch-europäischer Produktion, welcher aus 20 000 Metern Höhe wie ein Datenstaubsauger Funkverkehr, Telefongespräche, SMS, Fernsehsendungen und Internetverkehr aufzeichnen kann. Die Deutschen legen für ihre fünf «Eurohawk» insgesamt 1,3 Milliarden Euro auf den Tisch.

RUAG an Entwicklung von Kampfdrohne beteiligt

Auch die Schweiz investiert in die Drohnen-Technologie: Über ihre zahlreichen Rüstungsfirmen ist die Eidgenossenschaft an der Entwicklung der französischen Tarnkappen-Kampfdrohne Dassault «Neuron» beteiligt, deren Erstflug für 2012 geplant ist. Die RUAG führte Windkanaltests für das als Technologie-Prototyp gedachte Flugzeug durch. Von der Serienreife ist der unbemannte Kampfjet allerdings noch weit entfernt. Das Problem: Die Drohnen sind für «richtige» Kampfeinsätze noch viel zu langsam. Darüber hinaus können die Computer im Luftkampf den Piloten aus Fleisch und Blut noch nicht das Wasser reichen.

Bei der Schweizer Luftwaffe stehen Drohnen nach dem Ersatz der Tiger-Kampfflugzeuge dennoch zuoberst auf der Wunschliste. Bereits seit 1999 verfügt die Schweiz Aufklärungsdrohnen vom Typ «Ranger». Neben der Aufklärungsmissionen fliegen sie auch Einsätze für die Grenzwache, Polizei sowie bei Naturkatastrophen. Von den 22 ausgelieferten Drohnen sind schon sechs abgestürzt. Nach aktueller Planung sollen die «Ranger» 2017 ausgemustert werden. Ihr Ersatz wird mehrere hundert Millionen Franken kosten. «Wir prüfen nur den Kauf einer reinen Aufklärungsdrohne», so die Armeeführung. Für eine Kampf-Drohne sei es noch eine Generation zu früh.

Computerviren greifen Drohnen an

Ob mit oder ohne Waffen: Drohnen sind der Zukunftsmarkt der Militärluftfahrtindustrie: Marktforscher gehen davon aus, dass die Luftwaffen in den kommenden zehn Jahren weltweit für 80 Milliarden Dollar Kampf- und Aufklärungsdrohen kaufen werden, 55 Milliarden sollen alleine auf das Konto der US-Streitkräfte gehe. Die US Air Force bildet mittlerweile gleich viele Operateure für die «Unmanned Aerial Vehicles» (UAV) aus wie normale Jetpiloten.

Die Drohnen-Kapitäne steuern an überdimensionierten «Spielkonsolen» in Nevada die Killer-Missionen auf Terrornester in Pakistan. Und nach erfolgreicher Jagd können sie sich in der heimischen Bar ein Feierabend-Bier gönnen.

Wie im Computer-Spiel: Predator-Drohnen attackieren Taliban-Kämpfer

Zuletzt erlebten die Drohnen-Piloten aber unruhige Tage: Im Steuerungscomputer der Killermaschinen auf der Creech Air Force Base hat sich ein hartnäckiges Computervirus eingenistet. Experten haben bereits mehrfach versucht, den Schädling auszumerzen – ohne Erfolg. Die Air Force erklärt, das Virus sei «ungefährlich» und könne keinesfalls in Hollywood-Manier die Steuerung über die geräuschlosen Killer übernehmen.

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