Aktualisiert 23.01.2008 15:31

Das neuste Steuerparadies der Schweiz

Juristische Personen und Alleinstehende sollen im Kanton Glarus steuerlich entlastet werden. Das Parlament hat Steuersenkungen über acht Millionen Franken genehmigt. Glarus reagiert damit auf den landesweiten Trend.

Finanzdirektor Rolf Widmer sagte am Mittwoch im Landrat, Glarus habe eine derart hohe Steuerbelastung, dass es an 24. Stelle aller Kantone stehe. Bereits die letzte Landsgemeinde hatte deshalb Korrekturen angebracht. Das Volk genehmigte in einem ersten Schritt Steuersenkungen für Verheiratete und Familien.

Nun sollen auch Alleinstehende und juristische Personen profitieren. Für juristische Personen sind die Einführung eines proportionalen Tarifs und die Senkung der maximalen Belastung auf neun Prozent der einfachen Kantonssteuer geplant.

Nicht einverstanden mit der Vorlage ist die SP. Da kein Finanzplan vorliege, der Kanton noch vor wenigen Jahren in tiefroten Zahlen gesteckt und immer noch Schulden habe, seien erneute Steuersenkungen fehl am Platz, kritisierte ein Sprecher der Fraktion.

Länger debattiert wurde einzig darüber, wie die Alleinstehenden entlastet werden sollen. Während die Regierung, unterstützt durch SVP, SP und Grüne, einen Sozialabzug von 2000 Franken beantragte, votierten die Vorberatungskommission und die Mehrheit der FDP- Fraktion für eine Tarifsenkung um fünf Prozent.

Der Rat entschied sich schliesslich für den Sozialabzug, der die unteren Einkommen bis 80 000 Franken stärker entlastet. Der Landrat wird die Vorlage nach einer zweiten Lesung zuhanden der Landsgemeinde verabschieden.

Interkantonaler Wettbewerb

Der Kanton Glarus liegt mit der geplanten Senkung im landesweiten Trend. So hat beispielsweise das Berner Stimmvolk am 24. Februar über Steuerentlastungen zu befinden.

Beschlossene Sache ist ein Steuerpaket auch im Kanton Basel- Stadt mit Ausfällen von 154 Millionen Franken. In Luzern summieren sich die beschlossenen Entlastungen auf 52 Millionen Franken.

Auch der Bündner Grosse Rat und das Aargauer Parlament haben eine Herabsetzung des Steuerfusses um jeweils fünf Prozentpunkte beschlossen. Die St. Galler Regierung beantragt dem Kantonsrat erneut Steuersenkungen, nachdem die Taxen bereits letztes Jahr verringert worden sind.

In Ausserrhoden müssen die Steuerpflichtigen im laufenden Jahr neun Prozent weniger bezahlen, und Innerrhoden senkt die Einkommenssteuern von 90 auf 85 Prozent, die Unternehmenssteuern von 9,8 auf 8,8 Prozent.

Andere Stände verfolgen grundsätzliche Vereinfachungen: So will nach Obwalden auch Uri eine «Flat Rate Tax» mit linearen Steuertarifen einführen, was Ausfälle von 26 Millionen Franken zur Folge hätte. (sda)

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