Neue Privatbank: Das Notenstein-Logo - ein Schnellschuss
Aktualisiert

Neue PrivatbankDas Notenstein-Logo - ein Schnellschuss

Während Firmen monatelang an ihrem Schriftzug feilen, kreierte die Wegelin-Nachfolgerin ihren Auftritt über Nacht. Innert Stunden war Notenstein am CSI Zürich präsent.

von
S. Spaeth
Die Wegelin-Challenge wurde kurzerhand in Notenstein-Challenge umgetauft.

Die Wegelin-Challenge wurde kurzerhand in Notenstein-Challenge umgetauft.

Plötzlich musste alles sehr schnell gehen: Am Freitagmittag wurde die Bank Notenstein offiziell aus der Taufe gehoben – sozusagen als Nachfolgerin der St. Galler Privatbank Wegelin & Co. Noch bevor alle Wegelin-Kunden über den Wechsel zur neu gegründeten Notenstein Privatbank informiert worden waren, zeigte die jüngste Bank der Schweiz ihr Logo erstmals an einem grossen Sportevent.

Prangte an den Banden des Reitanlasses CSI Zürich am Samstagnachmittag noch das Logo der Bank Wegelin & Co., war um 18 Uhr bereits der schlichte Schriftzug der Bank Notenstein zu sehen: weiss auf grauem Hintergrund. Die Reitprüfung am Samstagabend um 18.15 Uhr hiess ab sofort nicht mehr Wegelin-, sondern Notenstein-Challenge.

Nur rund drei Stunden zuvor hatten sich die Notenstein-Banker mit den CSI-Verantwortlichen zusammengesetzt und über Lösungen beraten. Man war sich einig, dass es das Beste sei, bereits mit dem neuen Namen aufzutreten. «Um 16.30 Uhr erhielten wir das Logo und reichten es umgehend an den Schriftenmaler weiter», erzählt CSI-Sprecher Roman Gasser von der Blitzaktion. Dann sei die Folie gedruckt und kurz vor 18 Uhr aufgeklebt worden. Gleichzeitig passte der CSI auch die Webseite an: Zwischen den Logos von Rolex und Tui prangte statt des Wegelin- plötzlich das Notenstein Logo.

Namensänderung kann teuer sein

Handelt es sich beim Schriftzug um eine Nacht und Nebel-Aktion? Oder hat die Wegelin-Grafik- und Kommunikationsabteilung bereits während Tagen am Auftritt gearbeitet? 2002 hatte die Swissair-Nachfolgerin Swiss den Star-Designer Tyler Brûlé mit der Gestaltung des neuen Auftritts beauftragt. Die Namensänderung allein kostete 80 Millionen Franken.

Bei Notenstein dürfte die Sache einen Bruchteil kosten: «Das Wappen hat bereits existiert», sagt Notenstein-Sprecherin Albena Björck – bis am Freitagmorgen noch Kommunikationsverantwortliche bei Wegelin. Es stammt von einer Kaufleute-Gesellschaft aus St. Gallen, die Mitte des 15. Jahrhunderts gegründet wurde. Das Haus der Notensteiner ging 1899 an die 1741 gegründete Bank Wegelin und wurde zu deren Hauptsitz.

«Die Grafik-Abteilung hat den Schriftzug in kürzester Zeit entworfen», erzählt Björck weiter. Nun sei man dabei, den Auftritt weiter zu entwickeln. Dass dafür nicht viel Zeit zur Verfügung stand, zeigt auch dies: Angeblich hatte Wegelin-Boss Konrad Hummler die jetzigen Notenstein-Besitzerin Raiffeisen nur rund eineinhalb Wochen vor der Bekanntgabe der Übernahme angegangen.

Mann für schwere Fälle

«Wir mussten uns überlegen, was wir mit dem Schriftzug machen», sagt der derzeitige Wegelin-Medienbeauftragte Jörg Denzler. «Wenn man sich einen neuen Namen gibt, braucht es ein neues Gesicht.» Denzler weiss, wovon er spricht. Der 51-jährige ist ein absoluter PR-Profi: ehemaliger Partner bei Farner-PR, heute Inhaber der Agentur Balanx. Ein Mann für die heiklen Aufgaben. Er hat im Moment ein Mandat des Ex-Notenbankers Philipp Hildebrand; vor Jahren beriet er den damaligen UBS-Boss Marcel Ospel.

Über Twitter verkündete Notenstein am Sonntag, dass das Unternehmen nun auch online sei. Die Website erinnert stark an jene der ehemaligen Bank Wegelin, nur dass den oberen Seitenrand Bilder des Alpsteingebirges zieren. Was zudem fehlt, ist der Link zu den legendären Anlagekommentar des ehemaligen Wegelin-Kopfes Konrad Hummler.

Wer die Website von Notenstein nach dem Schlagwort Hummler durchsucht, stösst noch lediglich folgendes (gekürztes) Hummler-Zitat: «Als unbeschränkt haftende Teilhaber nehmen wir unsere Verantwortung konsequent wahr. Wir sind gewillt, die rechtlichen Auseinandersetzungen zu bestehen.» Ansonsten ist Hummler in der Verbannung. Auch ein Webauftritt seines noch verbleibenden Teils der Wegelin-Bank mit den US-Kunden sucht man vergeblich.

Ungewohnte Begrüssung

Der Name Notenstein wurde von den Wegelin-Leuten bereits vor 44 Jahren ins Handelsregister eingetragen, bis am vergangenen Freitag aber nie aktiv genutzt. Seither sind die meisten der rund 700 Ex-Wegelin-Mitarbarbeiter zur neuen Privatbank Notenstein «gewechselt», wobei nicht der Arbeitsplatz, sondern einzig der Name geändert hat. Richtig verinnerlicht hat man den offensichtlich nicht. Als 20 Minuten Online bei Notenstein anrief, sagte die Dame freundlich: «Wegelin & Co, guten Tag.»

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