Saufgelage: Das nützt das Alkohol-Verkaufsverbot
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SaufgelageDas nützt das Alkohol-Verkaufsverbot

Kein Bier, kein Wein, kein Schnaps nach 22 Uhr. Was der Bundesrat für die Schweiz fordert, gilt in Genf bereits seit Jahren. Die Bilanz ist zwiespältig.

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In Genf herrscht gilt seit 2005 ein nächtliches Alkohol-Verkaufsverbot ab 21 Uhr.

In Genf herrscht gilt seit 2005 ein nächtliches Alkohol-Verkaufsverbot ab 21 Uhr.

Das Bild wiederholt sich in der Schweiz jedes Wochenende: Jugendlichen fallen in den Abendstunden über Läden her, decken sich mit billigem Bier und Wodka ein und lassen es danach gehörig krachen – manchmal bis die Polizei kommt. Der Bundesrat will dieses Treiben mit einem umstrittenen Verkaufsverbot von Alkohol ab 22 Uhr eindämmen, wie diese Woche bekannt wurde.

Für den Kanton Genf ist diese Forderung kalter Kaffee: An der Lémanstadt gilt bereits seit 2005 ein Verkaufsverbot für Alkohol – und zwar bereits ab 21 Uhr. Hunderte in der ganzen Stadt verteilte Kiosk-Läden müssen seither Kühlschränke voller Bier mit Schlössern vor der durstigen Kundschaft schützen. Nicht alle Leute zeigen dafür Verständnis: «Ich wurde schon angegriffen und man hat mir Flaschen aus dem Gestell geklaut», klagt ein Ladenbesitzer.

«Prohibition» schützt Minderjährige

Während das Alk-Verbot dem Gewerbe offenbar schadet, dämmt es laut einer Studie von Sucht Info Schweiz das Rauschtrinken tatsächlich ein. Denn während in der Restschweiz die Spitaleinlieferungen wegen Alkoholvergiftungen zwischen 2002 und 2007 anstiegen, gehen sie in Genf seit Einführung der «Prohibition» 2005 zurück. Laut den Suchtexperten liegt die Zahl der im Spital behandelten Alkoholvergiftungen in Genf bei den 10- bis 29-Jährigen um 35 Prozent tiefer als in der übrigen Schweiz. Bei den über 29-Jährigen zeige das Verbot allerdings keine Wirkung. Grund für den Rückgang: Jugendliche seien stärker als Erwachsene davon betroffen, wenn sie den Alkohol nicht günstig und einfach auf der Strasse kaufen können.

Wenn es nach dem Willen des Bundesrats geht, ist schon bald auch an der Zürcher Langstrasse Schluss mit dem Bier über die Gasse. Im «Hotspot» des Deutschschweizer Nachtlebens schlagen sich die Polizisten mit betrunkenen Partygängern herum – vermehrt auch unter der Woche.

Kein Applaus von Polizisten

Der Präsident des Schweizer Polizeibeamtenverbands sieht jedoch im neuen Gesetz keine Lösung des gesellschaftlichen Problems: «Ein Verkaufsverbot bringt nur wenig. Die, die sich betrinken wollen, bechern sowieso», sagt Heinz Buttauer zu 20 Minuten Online. Die Polizeibeamten müssten immer öfter als Prügelknaben für Betrunkene herhalten. Um die Alkoholexzesse wirksam einzudämmen, müsste in jeder Disko der Alkohol verboten werden – was völlig illusorisch sei.

Das Alkoholverbot hat in Genf zwar die Zahl der Alkoholleichen etwas reduziert. Nicht wenige Läden verkaufen jedoch Alkoholika nach 21 Uhr - trotz hoher Strafen - unter dem Tisch weiter.

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