30.04.2016 14:53

VW Golf GTI

Das oft kopierte und doch unerreichte Original

Er konnte mit Sportwagen mithalten und war gleichzeitig alltagstauglich. So wurde der Golf GTI zum Stammvater einer neuen Wagenklasse.

von
Bruno von Rotz

Volkswagen hat beim VW Golf GTI eigentlich weniger erfunden, als man rückblickend annehmen könnte. Die Bezeichnung «GTI» hatte es schon vorher gegeben und auch die Idee, einen starken Motor in eine Alltagskarosserie zu verpflanzen, war nicht neu: Alfa Romeo Giulia TI Super, Ford Lotus Cortina oder Mini Cooper S lassen grüssen.

Auch den Motor musste man nicht neu entwickeln, diese Vorarbeit hatte Audi für das Modell 80 GT/E bereits geleistet. Und beim Rest der Ausstattung konnte man weitgehend auf Konzernprodukte zurückgreifen.

Eine neue Wagenklasse

Trotzdem: Der 1975 an der IAA präsentierte Golf GTI war eine Innovation. Schliesslich verband er wie kaum ein anderes Auto seiner Generation sportliche Fahrleistungen mit uneingeschränkter Alltagstauglichkeit.

Durch Nutzung vorhandener Komponenten und Verzicht auf manchen Luxus konnte ein Preis-Exzess verhindert werden. Schliesslich wollte man ja auch 5000 Stück des GTI verkaufen. Mancher zweifelte damals allerdings, ob es überhaupt für 500 Stück reichen würde, doch dann verkaufte VW 450'000 GTI Mk1.

Nicht billig, aber günstig

15'790 Franken zahlten schliesslich die ersten Kunden im Herbst 1976 und sie erhielten ein komplett ausgestattetes Fahrzeug, dem man höchstens noch mit Alufelgen, Radio oder wärmedämmendem Glas zu mehr Individualität verhelfen konnte. Die Farbauswahl war eingeschränkt – Marsrot oder Diamant-Silbermetallic hiess die einfache Entscheidung.

Vor allem aber erhielten sie ein sehr sportliches Auto, das in rund neun Sekunden auf Tempo 100 km/h beschleunigen konnte und somit praktisch bei jedem «Ampelduell» siegreich blieb.

Eine Rarität

Obschon GTIs gehätschelt wurden, bereiteten ihnen Rost und Unfälle oft schon früh ein Ende. Originalgetreue Modelle, insbesondere der frühen Baujahre, sind selten und werden heute weit über dem Neupreis gehandelt. Umso glücklicher kann sich schätzen, wer einen gut erhaltenen und von Tuning-Exzessen verschonten Original-GTI entern darf.

Die Recaro-Sitze fühlen sich hervorragend an und geben herrlich viel Seitenhalt. Das Lenkrad ohne Lederüberzug wirkt handlich und griffig, der Golfball-Schaltknopf stimmig. Mit der rechten Hand startet man den Motor, der ohne Zaudern seinen Dienst aufnimmt und durchaus hörbar, aber nicht unattraktiv brummt. Sobald die Drehzahl steigt, wird auch der Motorlauf musikalischer.

Freude herrscht!

Die Schaltung des Fünfganggetriebes, das ab 1979 die vorher verbaute Viergangvariante ablöste, lässt sich etwas nachgiebig aber zielsicher bedienen. Das tiefe Wagengewicht von 845 kg (nach DIN-Norm) zeigt sich sofort in einer geradezu verblüffenden Leichtfüssigkeit des kompakten Wagens (370,5 x 161 x 139 cm): Der GTI zieht los wie am Gummiband gezogen und in Kurven zeigt er nur wenig Seitenneigung, ohne übermässig straff zu wirken. Das macht Spass, viel Spass! Kein Wunder bezeichneten viele Autojournalisten den ersten GTI noch Jahre später als Massstab für die kompakte Sportlimousine.

Dass aus heutiger Sicht nur wenig Bedienkomfort geboten wird und dass die Inneneinrichtung doch etwas gar karg ausfällt, das stört beim Fahren überhaupt nicht. Nur grossgewachsene Personen, die man auf die Rückbank verbannt, würden sich über mehr Kopffreiheit und Knieraum freuen. Und dass der Kofferraum mit 350 Litern nicht für den Grossumzug geeignet ist, wird einem Klassiker sowieso niemand ankreiden.

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