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Mord in PerugiaDas Opfer und Amanda Knox stritten um Geld

Rudy Guede, der vor einem Jahr wegen dem Mord an der britischen Austauschstudentin Meredith Kercher verurteilt wurde, sass am Mittwoch wieder auf der Anklagebank, um sein Urteil anzufechten. Dabei enthüllte er brisante Details.

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Nur wenige Tage bevor sich die Anwälte für die Schlussplädoyers im Mordprozess gegen die US-Austauschstudentin Amanda Knox und ihren Ex-Freund Raffaele Sollecito zurückziehen, erschien der bereits verurteilt Rudy Guede vor dem Gericht in Perugia, um sein Urteil anzufechten. Er war im Oktober 2008 wegen Mordes an der Britin Meredith Kercher zu 30 Jahren Haft verurteilt worden.

Der Mann aus der Elfenbeinküste beteuerte erneut seine Unschuld: «Ich will der Familie Kercher sagen, dass ich ihre Tochter nicht vergewaltigt oder umgebracht habe. Ich habe ihr nicht das Leben genommen.» Obwohl Guedes Aussagen keinen direkten Einfluss auf den Prozess gegen Knox und Sollecito haben, liessen sie sowohl die Staatsanwaltschaft wie auch die Verteidigung aufhorchen.

Streit um Geld

Guede erzählte dem Gericht, wie er Meredith Kercher kennenlernte. Das sei an einer Halloweenparty im Jahr 2007 gewesen, zwei Tage vor ihrem Tod. Am nächsten Tag habe er die Britin in ihrem Haus besucht, das sie mit Knox und zwei weiteren italienischen Studentinnen teilte. Dabei sei es erstmals zu Zärtlichkeiten gekommen. Sie hätten geredet und sich geküsst, aber vereinbart, keinen Sex zu haben.

Kercher habe sich während dem Gespräch über Knox beklagt. Die Amerikanerin würde ihr immer Geld stehlen. «Mein Geld, mein Geld. Ich kann sie nicht ausstehen», soll Kercher bei dieser Gelegenheit gesagt haben, so Guede weiter. Er habe dabei versucht die Wogen zu glätten. Es könne jemand anders das Geld gestohlen haben, schliesslich verkehrten viele Personen in dem Haus, soll er gesagt haben.

Nächste Szene: Meredith ist tot

Als nächstes sei er auf die Toilette gegangen und habe seinen iPod eingeschaltet. Wenig später habe es an der Türe geläutet. Plötzlich hörte er zwei Frauen streiten. «Ich hörte die Stimmen von Amanda und Meredith. Sie stritten um das verschwundene Geld. «Meredith sagte 'wir müssen reden'. Als nächstes hörte ich einen Schrei. Er war lauter, als die Musik aus meinen iPod. Ich machte mir Sorgen, es war so laut.»

«Ich ging zum Korridor und als ich durch das Fenster schaute, konnte ich die Silhouette von Amanda Knox erkennen. Ich wusste nicht, was passiert war.» In Merediths Zimmer habe er dann «die tragische Szene» gesehen. «Ich hatte noch nie so was gesehen. Ich wusste nicht, was ich tun sollte. Ich holte Handtücher aus dem Badezimmer und legte sie um Merediths Hals, auf der Stelle, aus der das Blut quoll.»

Von der Mordszene ins Tanzlokal

Guede verliess das Haus und wurde als nächstes in einem Nachtklub in Perugia gesichtet. Danach floh er nach Deutschland, wo er zwei Wochen später festgenommen werden konnte. Er war mit dem Zug und ohne Fahrkarte gereist. Dem Anwalt der Familie Kercher erklärte er, dass er Meredith nicht getötet habe. «Das einzige, das mir ein schlechtes Gewissen macht, ist, dass ich vielleicht nicht alles tat, um ihr Leben zu retten – obwohl ich nicht weiss, ob das genutzt hätte.»

Guedes Anwälte wollen nun aufgrund dieser neuen Aussage die Zeugen erneut aufrufen lassen. Vor allem seien jetzt die Handtücher, die Guede erwähnt hat, in den Vordergrund gerückt. Valter Biscotti und Nicodemo Gentile wollen ebenfalls erreichen, dass ein Psychiater ihrem Mandanten posttraumatischen Stress attestiert, was erklären könnte, wieso Guede nach der Tat flüchtete, statt sich zu stellen.

Für Staatsanwalt Pietro Maria Catalani ist das eine «reine Zeitverschwendung.» Guedes DNA wurde am Tatort sichergestellt, nicht nur an der blutverschmierten Wand von Kerchers Zimmer, sondern auch im Blut auf den Fäkalien im WC.

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