18.06.2016 18:22

Citroën GS

Das originell-kompakte Wunderding

Ein Auto, das notfalls auf drei Rädern fuhr und mit weniger als 60 PS fast 160 km/h schnell war: Der Citroën GS war ein Wagen wie kein anderer.

von
Bruno von Rotz
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Der Citroën GS stellte sich quer zu den Konzepten der Konkurrenz.

Der Citroën GS stellte sich quer zu den Konzepten der Konkurrenz.

Bruno von Rotz/www.zwischengas.com
Ein luxuriös ausgestattetes Modell X des Citroën GS aus dem Jahr 1977.

Ein luxuriös ausgestattetes Modell X des Citroën GS aus dem Jahr 1977.

Bruno von Rotz/www.zwischengas.com
Ein Fliessheck hatten damals nur wenige Limousinen, keine andere war derart stark auf Aerodynamik getrimmt.

Ein Fliessheck hatten damals nur wenige Limousinen, keine andere war derart stark auf Aerodynamik getrimmt.

Balz Schreier/www.zwischengas.com

Über viele Jahre herrschte bei Citroën ein grosses Loch in der Modellpalette. Man hatte zwar Automobile für Einsteiger (zum Beispiel den 2 CV) und den arrivierten Gourmet (zum Beispiel DS oder SM), aber kein Angebot in der Mittelklasse. Das änderte sich mit dem Citroën GS – denn die Ingenieure hatten an nichts gespart.

Der Citroën GS, vorgestellt im August 1970, war ein komplett neues Modell und fundamental anders als seine Konkurrenten. Wie seine Marken-Brüder verfügte die Fliesshecklimousine über Vorderradantrieb und wie beim bereits seit über einem Jahrzehnt verkauften Citroën DS sorgte eine Hydropneumatik für Oberklassenkomfort und sichere Fahreigenschaften.

Neuer Boxermotor

Um möglichst viel Raum für die vier bis fünf Passagiere zu schaffen, wurde ein neuer luftgekühlter Leichtbau-Motor in Boxerbauweise entwickelt. Damit entfiel die Notwendigkeit, die Antriebsquelle quer einzubauen, da mit je zwei Zylindern auf beiden Seiten ein platzsparender Motor möglich war. Zudem konnte das Getriebe direkt hinten angedockt werden, was sich positiv auf die Schaltbarkeit und die einfache Verteilung der Kraft nach beiden Vorderrädern auswirkte.

Die Räder waren rundum einzeln aufgehängt und hydropneumatisch gefedert, eine automatische Niveauregelung sicherte gleichbleibende Fahreigenschaften – unabhängig vom Beladungszustand. Die intelligente Konstruktion erlaubte es sogar, auf drei Rädern weiterzufahren. Vier Scheibenbremsen, die vorderen innen liegend, sorgten für die Verzögerung, eine Zahnstangenlenkung ohne Servo für exaktes Kurvenfahren.

Nicht ohne Vorbild

Natürlich konnten die Citroën-Ingenieure nicht anders, als ein neuartiges und originelles Auto zu bauen, der Name verpflichtete schliesslich. Und mit Traction Avant, 2CV, DS und SM hatte man das Streben nach Individualismus eindrücklich dokumentiert.

So wurde denn auch bei der Form nicht auf die Konkurrenz von Renault, Volkswagen, Opel, Ford oder British Leyland geschielt, sondern nach etwas etwas völlig Neuem gestrebt.

Völlig neu? Die Form des Citroën GS entstand bei Citroën selber, doch drei Jahre vor der Präsentation hatte Pininfarina an verschiedenen Autosalons die Studie «Berlina Aerodinamica» gezeigt, die zuerst auf der technischen Basis des Austin 1800 und dann als zweiter Prototyp auf der kürzeren Austin-1100-Plattform entwickelt worden war.

Die Linienführung stammte vom Designer Leonardo Fioravanti. Dieser hatte mit den beiden Berlina Aerodinamica wirklich eine komplett neue Form vorgeschlagen, die dem Wind möglichst wenig Widerstand entgegensetzen sollte.

Während aber die BMC-Leute in England (zunächst) wenig Interesse an den innovativen Gedanken zeigten, schauten die Citroën-Designer genauer hin.

«Ausgesprochen harmonisch»

Das Ergebnis konnte aber sicherlich überzeugen, auch wenn es nicht den üblichen Vorstellungen für eine Mittelklasselimousine entsprach. «Der GS wirkt ausgesprochen harmonisch – und höchst individuell dazu», stand im ersten Testbericht einer deutschen Autozeitschrift.

Wer sich in den Citroën GS setzt, staunt über die komfortablen Platzverhältnisse, die der 4,12 Meter lange und 1,608 Meter breite Wagen bietet. Zum Vergleich: Ein moderner Golf misst 12 cm mehr in der Länge und 18 cm mehr in der Breite und bietet kaum mehr Platz. Bezüglich Komfort ist der GS auch heute noch schwer zu schlagen und formlich hat er seine Individualität eindeutig behalten.

Weitere Informationen, ein Tonmuster und viele Bilder finden sich auf www.zwischengas.com.

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