Zurich Pride Podcast: «Das Outing bei meinen ‹Jugo›-Eltern war ein Schock»
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Zurich Pride Podcast«Das Outing bei meinen ‹Jugo›-Eltern war ein Schock»

Pascal (27) wächst in einem homophoben Umfeld auf. Mit 19 Jahren outet er sich bei seinen Eltern aus Ex-Jugoslawien als schwul. Es kommt zum Drama.

von
Alexander Wenger
Julia Ullrich
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Pascal hat schon früh gemerkt, dass er schwul ist. Ein Outing war in seinem konservativen Umfeld aber erst mal keine Option: «Ich sprach mit tieferer Stimme und bewegte mich übertrieben männlich.»

Pascal hat schon früh gemerkt, dass er schwul ist. Ein Outing war in seinem konservativen Umfeld aber erst mal keine Option: «Ich sprach mit tieferer Stimme und bewegte mich übertrieben männlich.»

zvg
Erst nach sieben Jahren, in denen Pascal auch demonstrativ Frauen geküsst hat, hat er sich bei seinen Eltern geoutet: «Mein Vater lief geschockt ins Nebenzimmer und begann zu weinen. Meine Mutter fragte verzweifelt, was sie mit mir falsch gemacht hätten. Ihr Herz war gebrochen», so der Ostschweizer.

Erst nach sieben Jahren, in denen Pascal auch demonstrativ Frauen geküsst hat, hat er sich bei seinen Eltern geoutet: «Mein Vater lief geschockt ins Nebenzimmer und begann zu weinen. Meine Mutter fragte verzweifelt, was sie mit mir falsch gemacht hätten. Ihr Herz war gebrochen», so der Ostschweizer.

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«Es hat viel Zeit und Tränen gebraucht, bis alle mich verstanden haben. Aber mittlerweile ist sogar meine Mutter stolz auf mich. Sie hat verstanden, wie wichtig es ist, zu sich selbst zu stehen.»

«Es hat viel Zeit und Tränen gebraucht, bis alle mich verstanden haben. Aber mittlerweile ist sogar meine Mutter stolz auf mich. Sie hat verstanden, wie wichtig es ist, zu sich selbst zu stehen.»

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Darum gehts

  • Pascal wächst in einfachen Verhältnissen in Chur auf.

  • Mit 12 Jahren merkt er, dass er schwul ist. Um nicht aufzufallen, verdrängt er seine Gefühle und küsst sogar Mädchen.

  • Mit 19 Jahren outet ihn sein Bruder bei den Eltern. Es kommt zum Drama.

«Als ich ein Kind war, war mein ganzes Umfeld homophob. Auch meine Freunde haben mir gesagt, sie würden einen schwulen Sohn umbringen», erzählt Pascal. Der 27-Jährige wuchs in einfachen Verhältnissen in Chur auf. Die Mutter ist Serbin, der Vater Kosovo-Albaner – beide arbeiten in einer Bäckerei. Pascal erinnert sich: «Meine Eltern haben meinen Bruder und mich sehr streng erzogen. Homosexualität haben sie verurteilt. Wenn eine Dragqueen im Fernsehen auftrat, fanden sie das ekelhaft.»

Mit 12 Jahren entdeckt Pascal seine Anziehung zu Männern. Er versuchte, sich nichts anmerken zu lassen. «Ich wurde zum perfekten Hetero-Schauspieler. Ich sprach mit tieferer Stimme und bewegte mich übertrieben männlich. Den echten Pascal habe ich in meinem eigenen inneren Gefängnis eingesperrt», erzählt er dem «Zurich Pride» Podcast (auf 20 Minuten Radio und Spotify).

«Mein Vater lief weg und begann zu weinen»

Vor allen Freunden knutscht Pascal im Club mit Frauen, um nicht aufzufallen. Sieben Jahre lang hält er durch. «Das Einzige, was ich nicht unterdrücken konnte, war die Lust nach Liebe, Sex und Zärtlichkeit.» Im Internet sieht er sich Pornos an und verabredet sich mit anderen Männern für Sex. In dunklen Parks lebt er heimlich seine Lust aus.

Als 17-Jähriger engagiert sich Pascal für die Juso. Eine Parteifreundin fragt ihn, ob er auf Frauen oder auf Männer stehe. «Für sie war es die natürlichste Frage der Welt. Da begann es in mir zu arbeiten.» Zwei Jahre später folgte sein Coming-out – wenn auch nicht ganz freiwillig.

Hier die Folge zum Anhören: Episode 19 – Mein Outing bei den Jugo-Eltern

Sein Bruder entdeckte damals auf Facebook, dass Pascal ein Foto eines Jungen gelikt hatte. Prompt fragt er seinen Bruder, ob er schwul sei. Pascal schweigt erst und antwortet dann mit Ja. Der Bruder rennt zu den Eltern. «Mein Vater lief geschockt ins Nebenzimmer und begann zu weinen. Meine Mutter fragte verzweifelt, was sie mit mir falsch gemacht hätten. Ihr Herz war gebrochen», so der Ostschweizer. «Mein Vater dachte sogar, ich sei von einem Mann vergewaltigt worden und darum schwul geworden.»

«Sogar meine Mutter ist jetzt stolz auf mich»

Mit der Zeit beruhigen sich die Eltern und die Familie setzt sich zusammen. «Mein Bruder hat mir 100 Fragen gestellt, anstatt zu werten. Das rechne ich ihm hoch an.» Um Gleichbetroffene zu unterstützen, hat Pascal eine queere Jugendgruppe in Chur gegründet. «Es hat viel Zeit und Tränen gebraucht, bis alle mich verstanden haben. Aber mittlerweile ist sogar meine Mutter stolz auf mich. Sie hat verstanden, wie wichtig es ist, zu sich selbst zu stehen.»

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Du-bist-du.ch, Beratung und Informationen

Lilli.ch, Informationen und Verzeichnis von Beratungsstellen

Milchjugend, Übersicht von Jugendgruppen

Elternberatung, Tel. 058 261 61 61

Pro Juventute, Tel. 147

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