Chinesische Immobilienfirma - Das passiert, wenn Evergrande pleite geht
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Chinesische ImmobilienfirmaDas passiert, wenn Evergrande pleite geht

Der Immobilienkonzern Evergrande in China steht vor dem Bankrott. Darunter dürfte die chinesische Wirtschaft stark leiden. Eine globale Finanzkrise ist aber unwahrscheinlich.

von
Barbara Scherer
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Der Aktienkurs des chinesischen Immobilienriesen Evergrande ist eingebrochen.

Der Aktienkurs des chinesischen Immobilienriesen Evergrande ist eingebrochen.

REUTERS
Investoren werfen zurzeit Aktien und Anleihen ab. Viele fürchten nun einen Zusammenbruch der Firma.

Investoren werfen zurzeit Aktien und Anleihen ab. Viele fürchten nun einen Zusammenbruch der Firma.

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Auf Social Media und Youtube wird der Bankrott von Evergrande mit dem Kollaps der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers verglichen.

Auf Social Media und Youtube wird der Bankrott von Evergrande mit dem Kollaps der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers verglichen.

imago stock&people

Darum gehts

  • Die hoch verschuldete chinesische Immobilienfirma Evergrande droht zu kollabieren.

  • Das könnte das Finanzsystem Chinas in eine Krise stützen.

  • Der mögliche Bankrott wird zurzeit mit dem Kollaps der amerikanischen Bank Lehman Brothers verglichen.

  • Eine globale Finanzkrise wird die Pleite in China aber wohl nicht auslösen.

Der chinesische Immobilien- und Mischkonzern Evergrande steht kurz vor dem Kollaps. Eine Pleite hätte verheerende Folgen für die chinesische Wirtschaft. Der Bankrott des Immobilienriesen wird im Netz und auf Social Media zurzeit mit dem Kollaps der US-Bank Lehman Brothers verglichen, der 2008 zu einer weltweiten Finanzkrise geführt hat.

20 Minuten beantwortet die wichtigsten Fragen rund um die Mega-Pleite in China:

Was ist passiert?

Die Aktien der Immobilienfirma Evergrande sind am Dienstag um mehr als zehn Prozent eingebrochen. Seither sinkt der Kurs weiter ab. Denn Investoren werfen Aktien und Anleihen ab. Viele fürchten einen Zusammenbruch der Firma, weil das Geschäft stockt. Schuld daran ist mitunter die chinesische Regierung. Sie will den Anstieg der Mieten begrenzen. Zudem hat Evergrande Schulden in der Höhe von rund 300 Milliarden Dollar. Ratingagenturen wie Fitch oder Moody's haben die Kreditwürdigkeit des Konzerns jetzt herabgestuft.

Warum ist die Pleite ein Problem?

Das Problem sind die Anleihen und Bankkredite der Firma: Denn das Unternehmen hat seinen Wachstum mit Fremdkapital finanziert. Zurzeit werden die Anleihen mit einem Wertverlust von rund 70 Prozent gehandelt, sagt Jeffrey Hochegger, Anlagespezialist bei Raiffeisen zu 20 Minuten. Das hängt damit zusammen, dass seit Sommer 2020 eine neue Regelung in Bezug auf Kreditaufnahmen in China in Kraft getreten ist: Diese limitierte die Aufnahme von Fremdkapital. «Nun kann die Firma wohl ihre Schulden nicht mehr zahlen», so Hochegger. So wurden auch viele Handwerker und Zulieferer nicht mehr bezahlt – aktuelle Bau-Projekte stocken jetzt: «Das schreckt wiederum Neukunden ab und die Zahlungsströme versiegen.»

Was bedeutet das für China?

Evergrande gilt als zweitgrösstes Immobilienunternehmen Chinas und entwickelt vor allem Wohnungen für Menschen mit mittlerem und höherem Einkommen. Kollabiert die Firma, hat das negative Auswirkungen auf die gesamte chinesische Wirtschaft, wie die «New York Times» schreibt. Anlagespezialist Hochegger bestätigt: «Es kann eine chinesische Finanzkrise ergeben.» Denn die Nachfrage nach Immobilien habe in den vergangenen Jahren die Preise und entsprechend die Verschuldung der Immobilienbesitzer in China in die Höhe getrieben. «Kommt es nun zu einer Korrektur, könnten die Kredite nicht mehr gedeckt sein und das chinesische Wirtschaftswachstum dämpfen.» Viele Chinesen könnten zudem ihre Anzahlungen für Wohnungen verlieren.

Wie trifft die Pleite den Rest der Welt?

Auf verschiedenen Webseiten, Social Media und Youtube heisst es zurzeit, dass der Bankrott von Evergrande eine globale Finanzkrise zur Folge haben könnte. Das ist laut Raiffeisen-Anlagespezialist Hochegger unwahrscheinlich: «Das Problem ist auf den chinesischen Markt beschränkt.» Dieser sei nicht sehr offen gegenüber ausländischen Investoren, was auch der wohl grösste Unterschied zum Lehman-Kollaps und der Immobilienkrise in den USA sei.

Und was heisst das für die Schweiz?

«Die Auswirkungen für die Schweiz dürften nicht gross sein», sagt Hochegger. Wer hierzulande Aktien der Firma besitzt, werde Kursverluste bemerken. Allerdings besitzen nicht viele Schweizerinnen und Schweizer Aktien von Evergrande. Geht der Immobilienriese pleite und die Wirtschaft in China bricht ein, könnte es aber sein, dass Schweizer Exportprodukte von Chinesen weniger gekauft werden. Schweizer Firmen könnten dadurch finanzielle Einbussen machen.

Wie wahrscheinlich ist der Bankrott?

Ob Evergrande pleite geht, hängt vorerst davon ab, ob das Unternehmen sich die finanzielle Liquidität besorgen kann, um die Zinsen seiner Bankschulden zu bezahlen. In einem zweiten Schritt sollten die Bankschulden abbezahlt werden. «Das Kartenhaus ist sicher angeschlagen, ob es zusammenfällt, hängt auch damit zusammen, ob die chinesische Regierung unterstützend eingreift», sagt Hochegger.

Das ist Evergrande

Das chinesische Immobilienunternehmen wurde 1996 in der südchinesischen Stadt Guangzhou gegründet. Gründer ist Xu Jiayin oder auch Hui Ka Yan genannt. 2009 ging die Firma an die Börse mit einem Wert von 722 Millionen US-Dollar. Inzwischen ist es das zweitgrösste Immobilienunternehmen Chinas. Dabei gehören dreiviertel der Aktien dem Firmengründer. Sein Nettovermögen wurde 2017 auf rund 45 Milliarden Dollar geschätzt, was ihn damals zum reichsten Mann Asiens machte. Zudem investiert Evergrande auch in andere Bereiche, wie Elektroautos, Mineralwasser oder Babynahrung. Auch gehört der Firma das Fussballteam Guangzhou Football Club.

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