«Time Out» mit Klaus Zaugg: Das perfekte Spiel

Aktualisiert

«Time Out» mit Klaus ZauggDas perfekte Spiel

Oftmals gelingt einem Poeten im ganzen Leben nur ein Meisterwerk, einem Künstler nur ein einziger grosser Wurf. Und glücklich der Trainer, dem mehrere perfekte Spiele in einer Saison gelingen. Langnaus John Fust zelebrierte beim 5:0 gegen die Lakers eines davon.

von
Klaus Zaugg
John Fust, ein «perfektes Spiel», wie viele dieser Art wird der Langnau-Trainer noch erleben?

John Fust, ein «perfektes Spiel», wie viele dieser Art wird der Langnau-Trainer noch erleben?

Kann eine Mannschaft taktisch besser spielen als die SCL Tigers beim 5:0 gegen die Lakers? Nein. John Fust wird tatsächlich zur Emmentaler Antwort von Ralph Krueger. Den Langnauer gelang beim 5:0 gegen die Lakers das perfekte Spiel.

Sie profitierten von Christian Webers «Mehlsturm-Offensive»: Das lüpfige Angriffspektakel der Lakers mahnt an einen Sturm im Mehltrog: Viel Wirbel, trübe Sicht und am Ende doch kein Ertrag. Das Spektakel fand auf den Aussenbahnen und neben dem gegnerischen Tor statt - und im Gegenzug vor dem eigenen Kasten.

Das 1:0, das diese bemerkenswerte Partie früh in ungünstige Bahnen für die Lakers lenkte, gelingt höchstens alle zehn Jahre einmal: Ein Operettentor von Curtis Murphy. Der Kanadier pfefferte einen Befreiungsschlag halbhoch haarscharf an der Spielerbank der Lakers vorbei und Lakers-Goalie Matthias Schoder eilte aus dem Gehäuse um den Puck auf dem Weg hinter dem Tor durch abzufangen. Doch die Scheibe sprang von der Begrenzung der Plexiglasscheibe ins leere Gehäuse und die Schiedsrichter übersahen grosszügig ein Offside. «Es war ein glückliches Tor» gab Fust hinterher gegenüber 20 Minuten Online zu. «Aber gute Teams finden einen Weg, das Glück zu zwingen.» Von da weg ging der Puck die Wege der Langnauer. Geradlinig-einfach bodigten sie die spektakulär-komplizierten Lakers 5:0.

Bemerkenswert bleibt das einheimische Schaffen bei den SCL Tigers: Die vier Ausländer sind nach wie vor «nur» Ergänzungsspieler, waren diesmal aber an vier von fünf Treffern beteiligt und die beiden Tore von Curtis Murphy waren die ersten Ausländertore in dieser Saison. «Unsere Ausländer müssten offensiv produktiver sein» räumt Trainer Fust gegenüber 20 Minuten Online ein. «Aber viel wichtiger ist für uns: Sie arbeiten fürs Team und müssen sich kämpferisch nie einen Vorwurf gefallen lassen.»

Nur die Hockeygötter wissen, wie diese Partie ohne dieses seltsame 1:0, diesem Brandbeschleuniger fürs Langnauer Selbstvertrauen gelaufen wäre. Die Emmentaler wurden in ihrem Spiel immer sicherer und präziser, die Lakers immer hektischer und unpräziser. Trainer Christian Weber war stocksauer und sprach gegenüber 20 Minuten Online Klartext: «So geht es nicht. Wir haben nach dem 3:0 aufgegeben und das kann ich auf gar keinen Fall akzeptieren.» Kein Schelm, wer jetzt sagt, dass bei den Lakers eine Krise beginnt, wenn nun am Samstagabend im «Rückspiel» gegen die SCL Tigers kein Sieg gelingt.

24 Stunden nach diesem 0:5 in Langnau folgt nämlich gleich die nächste Partie zwischen diesen beiden Team und es wird interessant sein, ob Weber nun im Heimspiel die richtige taktische Antwort auf das defensive Schachspiel von John Fust findet. Oder der ob seine Jungs wieder naiv wie Junioren ins offene taktische Messer laufen.

Fust macht sich keine Illusionen: «Weil wir 5:0 gewonnen haben, wird es für uns nun in Rapperswil viel schwerer. Entscheidend wird die Starphase sein. Die Lakers werden versuchen, uns zu überrollen.»

Die Erfahrung lehrt, dass es selten bis nie gelingt, ein perfektes Spiel zu wiederholen. Aber die SCL Tigers brauchen ein perfektes Spiel, wenn sie auch die zweite Partie in 24 Stunden gegen die Lakers gewinnen wollen.

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