Polizeibilder: Das Phantom der Neuzeit
Aktualisiert

PolizeibilderDas Phantom der Neuzeit

Mit Phantombildern sucht die Polizei nach Kriminellen. Verblüffend ist heutzutage die fotorealistische Qualität dieser Fahndungsbilder. Doch das ist gar nicht immer erwünscht.

von
Anja Grünenfelder

Die Phantombilder von heute haben nichts mehr gemein mit den Steckbriefen, wie sie aus Wild-West-Filmen bekannt sind. Der Skizzierstift der modernen Verbrecherjäger wird immer häufiger mit der Computermaus vertauscht. Das Resultat ist verblüffend und täuschend echt. So veröffentlichte die Kantonspolizei Zürich jüngst ein Phantombild eines Sexualstraftäters in der Qualität eines Fahndungsfotos.

«Die Kantonspolizei nutzt den Computer bereits seit 20 Jahren zur Erstellung von Phantombildern», sagt Peter Pfefferli, Leiter der Kriminaltechnischen Abteilung der Kapo Zürich. Dabei werden Merkmale bestehender Arrestantenfotos durch Fotomontage verändert und den Beschreibungen des Opfers angepasst.

Gute Phantombilder nützen nichts

Die Zürcher Kantonspolizei verzichtet mittlerweile vollständig auf die Skizzenzeichner. Die Frage allerdings, ob Computerbilder besser sind als Porträtzeichnungen, lässt Pfefferli überraschenderweise offen. Es sei kein Zusammenhang zwischen grösseren Fahndungserfolgen und den modernen Phantombildern herzustelllen.

«Wenn das Phantombild zu gut ist, nützt es ohnehin nichts», ergänzt Pfefferli. Denn eine gewisse Unschärfe ist bei den Fahndern erwünscht, damit die Gefahr einer Falschidentifikation verringert wird. Das Phantombild sollte auf keinen Fall zu natürlich wirken. Und die Gesichtsmerkmale müssen einfach zu erkennen sein. Den Beweis lieferte der Berner Mitternachtsmörder, der im Jahr 2002 mehrere Frauen überfallen und getötet hat. Dort führte eine primitive Skizze zum Fahndungserfolg.

Schadensbegrenzung

Im Unterschied zur DNA, mit deren Hilfe die Polizei nach einer bestimmten Person sucht, hofft sie mit dem Phantombild Hinweise auf mehrere Personen zu erhalten, die für die Tat in Frage kommen könnten. «Bevor ein Phantombild veröffentlicht wird, wägen wir das Interesse, die Betroffenheit und Taktik ab», führt Pfefferli aus. Öffentlich wird ein Phantombild meist erst dann, wenn die Polizei eine breite Suche nach dem Täter anlegt. Und wenn der Schaden rasch begrenzt werden muss, wie beispielsweise bei dem zurzeit gesuchten Sexualstraftäter aus Zürich-Altstetten.

«Nach der Tat ist das Opfer zu geschockt»

Wann ein Zeuge zu dem Täter befragt werden kann, ist individuell unterschiedlich. Je nach dem, wie stark dieser psychisch noch beeinflusst ist. «Kurz nach der Tat ist der Zeitpunkt für eine Befragung oft schlecht», sagt Pfefferli. Das Opfer sei dann häufig noch zu geschockt. Es könne sich gegebenenfalls an mehr Details erinnern, wenn bereits etwas Zeit verstrichen sei. Der Zeuge beschreibt der Polizei, wie der Täter in etwa ausgesehen hat. Am Schluss wird dem Betroffenen das Phantombild noch einmal zur Bestätigung gezeigt.

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