Hochpreisinsel Schweiz: «Das Problem hat sich verschärft»
Aktualisiert

Hochpreisinsel Schweiz«Das Problem hat sich verschärft»

Trotz Eurokrise profitieren die Schweizer Konsumenten nicht von tieferen Preisen. Hat die Task-Force «Frankenstärke» überhaupt etwas bewirkt? Weko-Direktor Rafael Corazza nimmt Stellung.

von
H. P. Arnold
Rafael Corazza, Direktor des Sekretariats der Wettbewerbskommission, über die Wirkung der Massnahmen, welche die Weitergabe von Währungsvorteilen in Zeiten des starken Frankens fördern sollten.

Rafael Corazza, Direktor des Sekretariats der Wettbewerbskommission, über die Wirkung der Massnahmen, welche die Weitergabe von Währungsvorteilen in Zeiten des starken Frankens fördern sollten.

Herr Corazza, hat die Wettbewerbskommission (Weko) mit der Task-Force «Frankenstärke» überhaupt etwas bewirkt?

Ja, mit dem Meldeformular auf unserer Website kommen wir eher an Fälle heran, für die wir die richtige Anlaufstelle sind: Wir wollen die Märkte offen halten, damit die Konsumenten Ausweichsmöglichkeiten haben.

Aber Autos sind im Euro-Raum immer noch viel günstiger als in der Schweiz.

Die Preise sind in der Schweiz ins Rutschen gekommen. Die Importeure haben begonnen, die Währungsvorteile weiterzugeben.

Schweizer Konsumenten ärgern sich aber weiterhin über zu hohe Preise!

Ja, und die Meldungen, die an uns gelangen, bestätigen diesen Umstand auch. Die meisten Beanstandungen betreffen überhöhte Preise im Fahrzeug-, Textil-, Unterhaltungselektronik- und Zeitschriftenmarkt.

Inwiefern die Zeitschriften?

Hier geht es vornehmlich um Zeitschriften aus Deutschland, die in der Schweiz viel teurer verkauft werden.

Damit steht die Kiosk-Kette von Valora am Pranger?

Das Dossier ist beim Preisüberwacher. Valora ist für ihn in dieser Frage der erste Ansprechpartner. Doch die Druckerzeugnisse werden ja bereits von den deutschen Verlagen mit den Schweizer Verkaufspreisen angeschrieben.

Hand aufs Herz: Die Hochpreisinsel Schweiz ist eine Realität!

Die Frankenstärke hat das Problem natürlich verschärft. Aber die Wettbewerbskommission ist keine Preiskontrollstelle. Sie kann nicht generell gegen Preisdifferenzen vorgehen.

Sondern?

Wir können nur eingreifen, wenn die Preisdifferenzen aufgrund eines Verstosses gegen das Wettbewerbsrecht entstehen.

Also wenn grosse Markenhersteller Parallel- oder Direktimporte verhindern?

Genau. Dann greifen wir ein. Diese Eingriffe wirken allerdings wegen der rechtlichen Verfahren meist erst mittel- bis langfristig.

Man hat den Eindruck, zwischen Weko und Preisüberwacher gebe es Doppelspurigkeiten?

Es gibt tatsächlich gewisse Überschneidungen. Wir sprechen uns aber ab, wie das Beispiel «Zeitschriften» zeigt. Unsere Arbeit hat eher prophylaktischen Charakter und zielt darauf ab, dass der Markt funktioniert. Das heisst: Die Weko überwacht zum Beispiel die Zusammenschlüsse von Unternehmen.

Und der Preisüberwacher?

Der Preisüberwacher hingegen fokussiert sich auf jene Unternehmen, welche wie im Falle der Post oder den SBB aufgrund der Marktbeherrschung einen grossen Spielraum bei der Festlegung der Preise haben.

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