Der Kanton Graubünden will das Beverinrudel entfernen lassen

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Wolfdrama in Graubünden«Das Problem ist mit der Erlegung von 2 Jungtieren noch lange nicht gelöst»

In der Nacht von Sonntag auf Montag konnte die Bündner Wildhut zwei Jungtiere des Beverinrudels erlegen. Der Bündner Bauernverband gibt sich damit noch nicht ganz zufrieden.

von
Ammar Jusufi
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Das Beverinrudel gilt als besonders problematisch, da es als erstes Rudel in der Schweiz eine ausgewachsene Mutterkuh gerissen hat. 

Das Beverinrudel gilt als besonders problematisch, da es als erstes Rudel in der Schweiz eine ausgewachsene Mutterkuh gerissen hat. 

Amt für Jagd und Fischerei Graubünden 
Die Bündner Wildhut konnte am vergangenen Montag zwei Jungtiere erlegen. Der Bündner Bauernverband gibt sich jedoch erst mit der Entfernung des gesamten Rudels zufrieden.

Die Bündner Wildhut konnte am vergangenen Montag zwei Jungtiere erlegen. Der Bündner Bauernverband gibt sich jedoch erst mit der Entfernung des gesamten Rudels zufrieden.

Amt für Jagd und Fischerei Graubünden 
Pro Natura sieht einen Kompromiss als Lösung, wobei die Herdenschutzmassnahmen erweitert werden und besonders problematische und auffällige Tiere erlegt werden können. 

Pro Natura sieht einen Kompromiss als Lösung, wobei die Herdenschutzmassnahmen erweitert werden und besonders problematische und auffällige Tiere erlegt werden können. 

Amt für Jagd und Fischerei Graubünden 

Darum gehts

  • Am 1. August konnten zwei Jungtiere des Beverinrudels von der Wildhut erlegt werden.

  • Das Amt für Jagd und Fischerei sieht nach wie vor eine Erlegung des gesamten Rudels als notwendig.

  • Der Bündner Bauernverband teilt diese Meinung und sieht den Übergriff auf eine Mutterkuh als gefährlichen Schritt seitens des Rudels.

  • Pro Natura stellt klar: Wölfe haben ein Existenzrecht, das nicht verhandelbar ist.

In der Nacht von Sonntag auf Montag konnte die Bündner Wildhut zwei Jungtiere des problematischen Beverinrudels erledigen. Die beiden Wölfe konnten auf der Stutzalp in unmittelbarer Nähe einer Schafherde erlegt werden. Das Ziel des Kantons bleibt aber die Entfernung des gesamten Rudels. 

Laut Arno Puorger, akademischer Mitarbeiter Grossraubtiere vom Amt für Jagd und Fischerei, war das Abschiessen der Tiere keine leichte Aufgabe. «Das Erlegen der zwei Jungtiere war mit einem hohen Aufwand verbunden, weil wir insgesamt zwei Wochen dran waren, die Tiere genau zu lokalisieren und zu erlegen», so Puorger.

Die Erlegung des gesamten Rudels ist notwendig

Das Gebiet, wo sich das Beverinrudel aufhält, ist den Wildhütern bekannt. «Aufgrund von gerissenen Schafen kannten wir den Aktivitätsschwerpunkt und da konnten wir sie auch erlegen», sagt Puorger. Für die weitere Beobachtung arbeite man mit Fotofallen und Beobachtungen, die die Wildhut mache. «Wir sind aber auch auf Meldungen von Privatpersonen angewiesen», fügt er hinzu.

Ein Antrag, das Vatertier zu erlegen, sei letztes Jahr abgelehnt worden. «Daher werden wir dieses Jahr erneut einen Antrag stellen», so Puorger. Um den Antrag zu stellen, sei es aber wichtig herauszufinden, wie viele Jungtiere im Rudel sind.

Weiter gebe es Druck von Landwirtinnen und Landwirten. «Die Landwirtschaft hat das Anliegen, das gesamte Rudel zu entnehmen, was für eine nachhaltige Reduktion der Konflikte auch aus fachlicher Sicht notwendig ist.»

«Das Problem ist nicht gelöst»

Für den Bündner Bauernverband des Kantons Graubünden werden weitere Schritte benötigt. «Es ist sicher gut, dass diese zwei Jungwölfe erlegt wurden. Aber damit ist das Problem bei weitem nicht gelöst», sagt Sandro Michael, Geschäftsführer des Bündner Bauernverbands.

Im vergangenen Jahr habe man bereits drei Jungtiere erlegt. «Nun sind wir wieder an der gleichen Stelle.» Darum begrüsse es der Bündner Bauernverband, dass der Kanton sich weiterhin für die Erlegung des gesamten Rudels einsetze.

Übergriff auf eine Mutterkuh war unrealistisch

Mit dem Tod einer Mutterkuh habe das Rudel eine Grenze überschritten. «Der Übergriff auf eine Mutterkuh ist deshalb so speziell, weil uns von Umweltverbänden gesagt wurde, dass das gar nicht realistisch ist», sagt Michael.

Der Bündner Bauernverband habe schon anhand von Studien aus Frankreich die Gefahr früh erkannt und davor gewarnt, dass Mutterkühe gerissen werden könnten, fand aber darauf keine Reaktion. «Ich hoffe, dass es nicht noch zu Übergriffen auf Personen kommen muss, bevor seitens des Bundesamts für Umwelt endlich konsequent durchgegriffen wird.»

«Herdenschutz bleibt zentral»

Für Pro Natura ist klar: «Die Wölfe haben ein Existenzrecht, das nicht verhandelbar ist.» Nathalie Rutz, Medienverantwortliche bei Pro Natura, nimmt zur Situation Stellung. «90 Prozent der Risse passieren in ungeschützten Herden und die Zahl gerissener Tiere pro Wolf ist in der Schweiz rückfällig, was zeigt, dass Herdenschutzmassnahmen zunehmend greifen», so Rutz. 

Die Angriffe auf Grossvieh wie Kühe und Esel sind laut Pro Natura mit ein bis zwei Prozent die absolute Ausnahme, wobei die für Schafe empfohlenen Herdenschutzmassnahmen unverhältnismässig sind. «Allerdings können bereits einfache strukturelle Massnahmen das Risiko von Wolfsangriffen minimieren», so Rutz. 

Vorschlag zur Jagdgesetzrevision erarbeitet

Gemeinsam habe man mit Organisationen wie der Land- und Waldwirtschaft, der Jagd und des Naturschutzes einen Vorschlag zur Jagdgesetzrevision erarbeitet, der eine vollständige Abgeltung der Herdenschutzmassnahmen vorsieht und auch eine präventive Regulierung von Wölfen mit problematischem Verhalten ermöglicht, bei denen zukünftige Schäden wesentlich und wahrscheinlich sind.

Hast du schon mal einen Wolf gesehen?

Du weisst von einem Tier in Not?

Hier findest du Hilfe:

Feuerwehr, Tel. 118 (Tierrettung)

Polizei, Tel. 117 (bei Wildtieren)

Tierrettungsdienst, Tel. 044 211 22 22 (bei Notfällen)

Schweizerische Tiermeldezentrale, wenn ein Tier entlaufen/zugelaufen ist

Stiftung für das Tier im Recht, für rechtliche Fragen

GTRD, Grosstier-Rettungsdienst, Tel.  079 700 70 70 (Notruf)

Schweizerische Vogelwarte Sempach, für Fragen zu Wildvögeln, Tel. 041 462 97 00


Tierquälerei:

Meldung beim kantonalen Veterinäramt oder beim Schweizer Tierschutz (anonym möglich)

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