Selbstverstümmelung: «Das Problem könnte in der Kindheit liegen»

Aktualisiert

Selbstverstümmelung«Das Problem könnte in der Kindheit liegen»

Der rechtsmedizinische Gutachter im Fall Zürich-Stettbach geht inzwischen davon aus, dass sich die Brasilianerin die Schnitte selbst zugefügt hat. Warum tut man so etwas? 20 Minuten Online sprach mit dem Forensiker Marc Graf von der Psychiatrischen Uniklinik Basel.

von
Runa Reinecke

Herr Dr. Graf, welches psychische Krankheitsbild steckt hinter dem Ritzen oder der Selbstverstümmelung mit brennenden Zigaretten oder anderen Gegenständen?

Graf: Am häufigsten das Borderline-Syndrom. Doch es gibt auch andere Varianten wie beispielsweise die Schizophrenie oder andere nichtpsychische Störungen.

Wie wird diese Störung initialisiert? Gibt es einen spezifischen Ausgangspunkt für solche Handlungen?

Zwei Ursachen nimmt man bei Borderline an: Zum einen könnte ein traumatisches Erlebnis oder Affekt diese Störung auslösen. Zum anderen könnten Probleme in der Kindheit zugrunde liegen.

Sind eher Frauen oder eher Männer betroffen?

Tendenziell eher Frauen. Wobei sich diese Erkrankung bei Männern eher schlecht diagnostizieren lässt.

Warum ist das so?

Bei Männern richtet sich die Gewalt meist gegen die Umwelt, während Frauen die Gewalt gegen sich selbst ausüben.

In den vergangenen Jahren wurden immer wieder Fälle von Menschen bekannt, die sich Hakenkreuze oder ähnliches in die Haut ritzten. Wieso bedienen sich einige Betroffene ausgerechnet dieser Symbole?

Das sind Symbole, die mit starken Gefühlen verbunden sind. Diese Personen leiden unter einer Störung des Gefühlsempfindens, deshalb versuchen sie, bei anderen starke Gefühle auszulösen und orientieren sich dann an den Emotionen dieser Menschen.

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