«Time-out» mit Klaus Zaugg: Das Problem nicht bei der Wurzel gepackt
Aktualisiert

«Time-out» mit Klaus ZauggDas Problem nicht bei der Wurzel gepackt

Trainer Morgan Samuelsson geht, Manager Reto Klaus bleibt - das ist das Problem der Rapperswil-Jona Lakers.

von
Klaus Zaugg

In Nordamerika inszenieren Sportunternehmen in der Krise ein «housecleaning». Vor allem dann, wenn der General Manager schon mehrere Male den Trainer ausgewechselt hat. Nicht nur der Trainer muss dann gehen. Auch das Büro des Managers wird geräumt, und mit dem Trainer und Manager wird oft das gesamte Personal bis hinunter zum Masseur und Materialwart gefeuert. Weil das Problem nicht mehr alleine beim Trainer, sondern bei der Führung des Unternehmens und dem Umfeld der Mannschaft vermutet wird. Sehr oft bringt ein «housecleaning» den Erfolg zurück.

Ein «Housecleaning» ist bei uns schwieriger zu inszenieren. In Nordamerika gibt es in der NHL und in den Farmteamligen genügend Personal und Arbeitsplätze. Bei uns fehlt ein Markt für Sportmanager und sonstiges Personal. Und doch: Bei den Lakers ist es Zeit für ein «housecleaning». Oder zumindest Umbesetzungen im Management.

Manchmal scheitert ein fähiger Trainer, weil er mit den besonderen Umständen in einem Sportunternehmen einfach nicht klar kommt. Doug Shedden ist das Beispiel eines sehr guten Trainers, der Probleme mit den Eigenheiten unserer Eishockeykultur hat. Das Scheitern von Morgan Samuelsson aber war programmiert. Dem Schweden fehlen Kompetenz, natürliche Autorität, Erfahrung und Ausbildung für einen so schwierigen Job wie das Traineramt bei den Lakers. Er war nicht der Trainer, der den ohnehin lahmen Lakers hätte Beine machen können. Sein Scheitern hat also primär der Manager zu verantworten, der ihn engagiert hat. Also Sportchef Reto Klaus.

Auch die Zusammensetzung der Mannschaft hat Reto Klaus zu verantworten. Er hat den Einfluss von «Null Toleranz», die Entwicklung hin zu einer noch extremeren Lauf- und Tempoliga unterschätzt. Das Kernproblem bei den Lakers: Sie sind, vor allem in der Defensive, zu langsam. Im gleichen Zeitraum ist es der direkten Konkurrenz (Langnau, Biel, Ambri, Fribourg) gelungen, die Mannschaft schneller zu machen. Und bessere Torhüter zu finden. Die Lakers sind noch gut genug, um den Ligaerhalt zu schaffen. Playoff-Qualität hat das Kader nicht mehr.

Wenn Sportmanager zu lange im Amt sind, neigen sie dazu, die Unberechenbarkeit des Sportgeschäftes zu unterschätzen und an die Machbarkeit des Erfolges zu glauben. Sie verlieren die Sensibilität für Gesamtentwicklungen im Sport und dafür, was in der eigenen Firma (vor allem in der Kabine) passiert. Das Phänomen heisst «Betriebsblindheit». Die Folge sind personelle Fehlentscheide wie die Anstellung des falschen Trainers. Oder das zu lange Festhalten an einem falschen Trainer.

Die Lakers haben mit Samuelsson den falschen Cheftrainer zu lange beschäftigt. Im «Hockey-Biotop» Rapperswil-Jona dürfte eine Trotzreaktion mit im Spiel gewesen sein: Gerade weil die Medien seit Anfang Saison auf eine Entlassung des Trainers spekulierten, wurde er im Amt belassen. Das Engagement von Dave Chambers als Assistent brachte eine gewisse Ordnung ins Spiel. Die Inkompetenz von Samuelsson konnte so ein wenig gemildert werden. Eine Lösung für die Zukunft kann Chambers nicht sein.

Reto Klaus ist seit mehr als zehn Jahren Manager und Sportchef der Lakers. Als Manager leistet er vorzügliche Arbeit. Aber als Sportchef ist seine Zeit abgelaufen. Die Lakers brauchen einen neuen Sportchef mit einer neuen Philosophie, um aus dem Fahrwasser der Mittelmässigkeit herauszukommen. Die einfachste Lösung ist die Verpflichtung eines starken Trainers, der die Liga gut kennt und - ähnlich wie Arno del Curto in Davos, Chris McSorley in Genf, Serge Pelletier in Fribourg oder Christian Weber in Langnau - direkt und indirekt als Sportchef amtet. Auch Larry Huras würde diesem Profil entsprechen. So könnte die Rolle von Reto Klaus auf jene eines Bürogenerals reduziert werden.

Im November 2006 hatte Reto Klaus Langnaus Trainer Christian Weber ein äusserst lukratives Angebot gemacht und ihm einen Dreijahresvertrag mit rund einer halbe Million Salär offeriert. Das wäre die richtige Lösung gewesen. Mit der Absage von Weber hat die Krise der Lakers begonnen und jetzt, zwei Jahre später, den vorläufigen Höhepunkt erreicht.

Deine Meinung