Jumbolino: Das Problemflugzeug der Swiss

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JumbolinoDas Problemflugzeug der Swiss

Immer wieder kommt es mit den Jumbolinos der Swiss zu unangenehmen Zwischenfällen. Doch das ist nicht das grösste Problem mit den Jets.

von
Laura Frommberg

Sieben Zwischenfälle verzeichneten die Avro RJ100 von Swiss in diesem Jahr bereits. Das sind deutlich mehr als bei anderen Flugzeugtypen in der Flotte. Erst am Montag gab es die letzte Notlandung eines «Jumbolinos», wie die Jets mit vier Triebwerken liebevoll genannt werden. Kurz nach dem Start in Prag um 14.45 Uhr meldete der Pilot ein technisches Problem, der Flieger musste umkehren und wurde bei der Landung von Feuerwehrautos und Sicherheitskräften mit Wärmekameras empfangen, die auf das Flugzeug zielten.

«Es gab ein Problem mit der Hydraulik. In solchen Fällen muss der Pilot die Maschine wieder landen», erklärte Swiss-Sprecher Mehdi Guenin den Vorfall. Und das war nicht das erste Mal. Hydraulik, defekte Landeklappen oder Druckabfall sorgen in diesem Jahr und auch schon davor immer wieder für Probleme mit den Jumbolinos. «Es ist sicher nicht angenehm, wenn es Probleme beim Flug gibt», so Guenin. Doch Sorgen machen müssten sich die Passagiere keine. Die technische Zuverlässigkeit der Avro-Maschinen liege bei über 99 Prozent. «Dass es in letzter Zeit so viele Zwischenfälle gab, liegt auch daran, dass sie pro Tag deutlich mehr Starts und Landungen vollbringen und kürzere Strecken fliegen als andere Flieger.»

Aufwändig zu warten

Doch Guenin erklärt auch, was der Nachteil der kleinen Jets ist. Sie sind im Schnitt über 15 Jahre alt – und liegen damit über dem Altersdurchschnitt der Swiss-Flotte, der bei 11,8 Jahren liegt. Viele moderne Jets sind heute wesentlich einfacher zu warten. Wenn es Probleme gibt, erkennt ein Computer dies sofort. Im Gegensatz dazu müssen bei den Avros speziell geschulte Mechaniker ran. Auch Ersatzteile für die Jumbolinos sind nicht mehr so einfach zu bekommen, da die Flugzeugtypen nicht mehr gebaut werden.

Daher sollen schon bald neue Jets von Bombardier die alten Avros ersetzen. Doch die verspäten sich und sind statt in diesem Winter erst im kommenden Herbst einsatzbereit. Der Swiss ist das zu lang. «Vier der Avro-Flieger müssen demnächst in die grosse Wartung», so Swiss-Sprecher Guenin. Das Wort beschreibt eine grosse, aufwändige – und kostspielige – Wartung. Das lohne sich schlicht nicht mehr. Also setzt Swiss für den Überbrückungszeitraum geleaste Embraer-190 Maschinen von Helvetic Airways ein, welche aber von Swiss-Piloten geflogen werden. Zwei der Jumbolinos dürften bereits Ende Jahr das Zeitliche segnen. «Wir werden sie dann für Ersatzteile benutzen», so Guenin. Wie man mit den anderen beiden Jets verfahre, stehe noch nicht fest.

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