Notruf - Das rät die Polizei, wenn man sich belästigt oder verfolgt fühlt
Publiziert

NotrufDas rät die Polizei, wenn man sich belästigt oder verfolgt fühlt

Was tun, wenn man sich verfolgt fühlt, aber unsicher ist über die Absichten des Verfolgers? Die Polizei rät, in jedem Fall den Notruf zu wählen – auch, wenn keine klare Straftat vorliegt.

von
Daniel Graf
1 / 6
Fühlt sich jemand belästigt oder verfolgt, raten alle Polizeikorps dasselbe. (Symbolbild)

Fühlt sich jemand belästigt oder verfolgt, raten alle Polizeikorps dasselbe. (Symbolbild)

20min/Simon Glauser
In jedem Fall soll der Notruf gewählt werden. (Symbolbild)

In jedem Fall soll der Notruf gewählt werden. (Symbolbild)

20min/Simon Glauser
Auch, wenn sich eine Situation danach als ungefährlich herausstellt. (Symbolbild)

Auch, wenn sich eine Situation danach als ungefährlich herausstellt. (Symbolbild)

20min/Simon Glauser

Darum gehts

Auf Twitter und in einem Blog-Beitrag schildert Journalistin Nadine Brügger ein Erlebnis, wie es ähnlich wohl viele Frauen schon erlebt haben: Sie geht alleine wandern, es dunkelt langsam ein. Ein Mann im Auto bietet ihr an, sie mitzunehmen. Auch, nachdem sie klar ablehnt, fährt er nicht weg, sondern verfolgt sie im Schritttempo, lauert ihr mehrfach auf. Brügger schildert, wie das in ihr Unsicherheit und Verzweiflung auslöst. Ihr Post wird hundertfach geteilt, viele Frauen, die ähnliches erlebt haben, melden sich bei ihr. 

Bernhard Graser von der Kantonspolizei Aargau sagt: «Immer wieder kommt es vor, dass uns Leute nachträglich per E-Mail seltsame Erlebnisse und verdächtige Beobachtungen melden. Oftmals klingen die Schilderungen polizeilich interessant, doch im Nachhinein lassen sich bloss noch Mutmassungen über die Hintergründe anstellen.»

«Wir rücken lieber aus, wenn noch nichts passiert ist»

Die Kapo Aargau rufe deshalb bei jeder Gelegenheit dazu auf, verdächtige Feststellungen sofort über den Polizeinotruf 117 zu melden. «Gehen bei uns Anrufe wie von Frau Brügger ein, bieten wir eine Patrouille auf. Was zählt, ist die Tatsache, dass die Betroffene sich verfolgt fühlt und verängstigt ist.» Auch wenn sich eine Situation vor Ort als harmlos und plausibel entpuppe, kläre die Polizei automatisch ab, ob Straftaten im Raum stehen. «Wir können auch bloss eine Ermahnung aussprechen, dass das eigentlich plausible Verhalten der anderen Person Angst machte und deshalb inskünftig zu unterlassen sei.»

Auch Kenneth Jones, Mediensprecher der Kantonspolizei Zürich, sagt: «Wir empfehlen in jedem Fall, den Notruf anzurufen, wenn man das Gefühl hat, verfolgt oder belästigt zu werden.» Die Polizei nehme solche Anrufe ernst und schicke eine Patrouille raus, um die Situation vor Ort zu klären. «Wir rücken lieber aus, wenn noch nichts passiert ist», sagt Kenneth. Auch wenn vor Ort festgestellt wird, dass sich die Situation bereits geklärt hat, sei das kein Problem. «Wenn unsere Präsenz dazu beiträgt, dass die dubiose Person sich entfernt, konnten wir damit ja auch schon helfen.» Auch weitere angefragte Polizeikorps raten übereinstimmend, in solchen Situationen den Notruf zu wählen.

«Es kommt immer darauf an, was genau gesagt wird»

Das sagt auch der Rechtsanwalt Mauro Müller: «Jede Person, die sich eingeschüchtert fühlt, soll die Polizei anrufen. Da geht es um ein subjektives Empfinden. Die rechtliche Würdigung, also der Entscheid, ob eine strafrechtlich relevante Handlung vorliegt oder nicht, ist dann Sache der Staatsanwaltschaft und des Gerichts.»

Bei dieser Beurteilung komme es immer darauf an, was genau gesagt wurde: «Es stellt sich unter anderem die Frage nach der unzulässigen Beschränkung der Handlungsfreiheit. Der Straftatbestand, der hier am ehesten zur Anwendung kommen könnte, ist jener der Nötigung.» Das Problem ist laut Müller in solchen Fällen oft die Beweisbarkeit: «Gerade wenn zwei Personen alleine und ohne Zeugen unterwegs sind, lässt sich der zugetragene Sachverhalt kaum beweisen.»

Wie schwierig und umstritten die Frage ist, ob jemand die Handlungsfreiheit einer anderen Person eingeschränkt hat, zeigte sich laut Müller jüngst am Beispiel der Sitzblockaden von Klimaaktivisten vor Banken: «Sie sollen Mitarbeiter und Bankkunden am Zutritt gehindert haben. In einigen Fällen wurden nun unter dem Tatbestand Nötigung Urteile verhängt, in anderen Fällen wurden die Demonstranten freigesprochen.» 

My 20 Minuten

Deine Meinung

91 Kommentare