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BodenseeDas Rätsel ist noch immer nicht gelöst

Im Bodensee vor Güttingen TG befinden sich Überreste uralter Siedlungen. Um das Geheimnis zu lüften, sind Forscher derzeit wieder im Einsatz.

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Seit rund zwei Monaten finden im Flachwasserbereich vor Güttingen erneut Untersuchungen durch das Amt für Archäologie Thurgau statt.

Seit rund zwei Monaten finden im Flachwasserbereich vor Güttingen erneut Untersuchungen durch das Amt für Archäologie Thurgau statt.

Amt für Archäologie Thurgau
Auf der etwa 240 Meter vom Ufer entfernten inselartigen Untiefe befindet sich eine massive Holzkonstruktion.

Auf der etwa 240 Meter vom Ufer entfernten inselartigen Untiefe befindet sich eine massive Holzkonstruktion.

Amt für Archäologie Thurgau
Bereits 2018 tauchte ein Team von sechs Personen bei Güttingen TG am Bodensee beim Fundort des sagenumwobenen Mäuseturms.

Bereits 2018 tauchte ein Team von sechs Personen bei Güttingen TG am Bodensee beim Fundort des sagenumwobenen Mäuseturms.

Amt für Archäologie Thurgau

Seit etwa zwei Monaten finden im Flachwasserbereich vor Güttingen erneut Untersuchungen durch das Amt für Archäologie Thurgau statt. Bereits 2008 wurde damit begonnen. Auf der etwa 240 Meter vom Ufer entfernten inselartigen Untiefe befindet sich eine massive Holzkonstruktion, der sagenumwobene Mäuseturm (siehe Box). Umstellt ist die Konstruktion in einem Quadrat von 15 mal 15 Metern mit Pfählen, die mittels dendrochronologischer Analyse ins 12. Jahrhundert n. Chr. datiert werden konnten. Im Mittelalter stand hier also eine Turmanlage, wie sie ähnlich in den Hafenanlagen von Arbon oder Rorschach-Heideländle einmal bestanden.

Bei den taucharchäologischen Untersuchungen von 2017 und 2018 kamen zum grossen Erstaunen der Forscher zusätzlich die Reste einer spätbronzezeitlichen Pfahlbausiedlung zum Vorschein. Untersuchte Pfähle weiter draussen im See datieren von der Römerzeit. Beide Pfahlfeldbereiche werden dieses Jahr weiter untersucht, um ihre Dimension abschätzen zu können.

Starke Erosionsspuren

Die neusten Funde bei der Untiefe des Mäuseturms lassen vermuten, dass Teile der Konstruktion römisch sein könnten. Der mittelalterliche Mäuseturm hätte in dem Fall einen römischen Vorgänger. «Die in diesem Jahr geborgen Hölzer werden zurzeit untersucht und liefern bald neue Erkenntnisse», heisst es am Donnerstag in einer Mitteilung.

Das geborgene Fundmaterial der Tauchgrabungen und auch die Pfähle zeigen starke Erosionsspuren. Deshalb wurden die Arbeiten auch dieses Jahr fortgesetzt. So können die Holzkonstruktionen dokumentiert, beprobt und weiteres Fundmaterial geborgen werden, bevor die Fundstelle verloren geht.

Die Taucharchäologen haben die aufwendige Infrastruktur, die eine Tauchgrabung benötigt, am Hafen von Güttingen und auf dem Arbeitsfloss, das vor Ort verankert ist, eingerichtet. Noch bis Ende April werden die Untersuchungen fortgesetzt.

Informationsveranstaltung

Informationen zu den laufenden Arbeiten sind beim Hafen Güttingen angebracht oder auf der Homepage des Amtes für Archäologie nachzulesen (www.archäologie.tg.ch).

Für Neugierige findet am Gründonnerstag, 18. April, ab 15 Uhr, eine Informationsveranstaltung statt. Gezeigt und erklärt werden die Abläufe der Tauchgrabung, die Beprobung und Analyse der Hölzer sowie das neuste Fundmaterial.

Bei guter Witterung können das Arbeitsfloss und die Fundstelle im See vom Boot aus besichtig werden.

Der Mäuseturm verdankt seinen Namen folgender Sage

Einst war eine grosse Teuerung im Lande. Da sorgten die Herren ringsum für ihre Leute und gaben ihnen Korn. Die Herren von Güttingen aber, deren Speicher reichlich mit Getreide gefüllt waren, erbarmten sich ihrer Angehörigen nicht. Sie selbst lebten in Saus und Braus. Als nun die Not immer grösser wurde, lief das Volk in Scharen zusammen und flehte die Herren um Brot an. Da lockten diese die bettelnden Leute in eine alte Scheune, liessen diese dann durch ihre Knechte schliessen und anzünden. Als die Unglücklichen laut wehklagten und um Erbarmen flehten, rief einer der Freiherren höhnend: «Hört, wie die Mäuse pfeifen!» Alle Leute in der Scheune kamen in den Flammen um, aber diese grausame Tat blieb nicht ungestraft.

Zahllose Mäuse belästigten alsbald die Burgen der Herren von Güttingen. Da flüchteten diese nach ihrer Wasserburg. Doch auch dahin verfolgten sie die Mäuse und frassen sie bei lebendigem Leibe auf. Bald nach dem Tod der Herren von Güttingen versank die Burg in den See.

(Arnold Oberholzer, Thurgauer Sagen 1912)

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