Aktualisiert 09.08.2011 07:26

GCDas Rätsel Sforza

Ciri Sforza verzichtete im Derby auf Coaching, auf Wechsel, auf Worte. Am Tag nach dem 0:6-Debakel hat sich der GC-Trainer heute den Medien gestellt. Und gab erneut Rätsel auf.

von
Sandro Compagno
Der Trainer als Erzieher: Wohin führt der Weg von Ciriaco Sforza mit den Grasshoppers? (Keystone)

Der Trainer als Erzieher: Wohin führt der Weg von Ciriaco Sforza mit den Grasshoppers? (Keystone)

Schon seine Laune ist erstaunlich. Bestens aufgelegt, ja fast aufgekratzt, begrüsst Sforza die Vertreter von «Blick», «Tages-Anzeiger», NZZ, 20 Minuten und verschiedenen Lokalradios zum spontan anberaumten Termin. Keine Spur von Zerknirschung, dafür eine klare Ansage an die Journalisten: «Wer hier ist, um zu provozieren, kann gleich wieder gehen!»

Und dann spricht Sforza über das 0:6 gegen den FCZ und sagt Sätze wie: «Ich habe viele gute Sachen gesehen.» Oder: «Es ist gut, was gestern passiert ist.» Oder: «Mir geht es um die nächste Entwicklungsstufe.»

Wenn seine Mannschaft unterliegt, flüchtet sich Sforza gerne in die lange Frist, das Potenzial und die Entwicklung. Ein Argument, das gut klingt, aber schwer zu glauben ist. Während Sforza als Trainer beim FC Luzern wirkte, gab es zwischen Sommer 2006 und Sommer 2008 insgesamt 89 Spielertransfers, bei GC steht er bei mittlerweile 77 Zu- und Abgängen in 26 Monaten. Nach langfristiger Planung und geduldigem Aufbau sieht das nicht aus. «Jetzt wird man sehen, wer auf diesem Niveau zu gebrauchen ist und für wen der Druck zu gross ist», sagt Sforza und droht bereits mit der Transferperiode im Winter.

Fehler machen bei Sforza die anderen. Seine Weigerung, zu coachen und zu wechseln, sieht Sforza als erzieherische Massnahme. Er wolle sich nicht wie letzte Saison ständig vor die Mannschaft stellen. «Jetzt müssen die Spieler Verantwortung übernehmen.»

Nicht alle der Direktbeteiligten waren über Sforzas Erziehung glücklich. Mit Captain Boris Smiljanic zoffte sich der Trainer nach dem Derby-Debakel. «Ja, es gab einen Disput mit Boris», gab Sforza zu. «Aber ich habe ihm meine Beweggründe erklärt.» Tat er es mit den gleichen Worten wie heute den Medien gegenüber, dann dürfte er den routinierten Verteidiger kaum überzeugt haben.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.