Aktualisiert 13.08.2013 06:45

Seltene Krankheit

Das Rätsel um den selbstbrennenden Rahul

In Indien musste ein drei Monate altes Baby bereits vier Mal ins Spital eingeliefert werden: Der Junge brennt immer wieder von allein. Die Ärzte stehen vor einem unerklärlichen Fall.

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Der kleine Rahul ist erst zehn Wochen alt und musste bereits wegen spontaner Selbstentzündung vier Mal ins Spital eingeliefert werden. Die Ärzte stehen vor einem Rätsel. (Screenshot: Times of India)

Der kleine Rahul ist erst zehn Wochen alt und musste bereits wegen spontaner Selbstentzündung vier Mal ins Spital eingeliefert werden. Die Ärzte stehen vor einem Rätsel. (Screenshot: Times of India)

Rahul war kaum neun Tage alt, als er zum ersten Mal vor den Augen seiner fassungslosen Mutter «in Flammen aufging». Im nahen Umfeld des Kindes befand sich aber keine Feuerquelle. Die besorgte Rajeshwari brachte den Kleinen in ein Gesundheitszentrum im Dorf Tindivanam im indischen Bundesstaat Tamil Nadu.

Drei Tage später wurde das Baby entlassen. «Seine Organe waren in Ordnung, das Baby wirkte vollkommen gesund», sagte der Kinderarzt Narayana Babu vom Kilpauk Medical College gegenüber «Times of India». Weil sich jedoch in den vergangenen zehn Wochen vier Mal ähnliche Situationen mit dem kleinen Rahul abspielten, wurde das Kind in ein grösseres Spital verlegt. «Beim letzten Vorfall vor wenigen Tagen brannte Rahul von Kopf bis Fuss», so seine Mutter Rajeshwari.

Diverse Theorien für die spontane Selbstentzündung

Dr. Babu diagnostizierte seinem Patienten «spontane menschliche Selbstentzündung», eine seltene Krankheit, die in den letzten 300 Jahren nur bei 200 Menschen beobachtet wurde. Von SHC (spontaneous human combustion) sprechen Ärzte, wenn sich ein menschlicher Körper spontan, offenbar von innen heraus und offenbar ohne äussere Einwirkung entzündet. Oft verbrennen die Menschen fast vollständig, ohne dabei grössere Schäden an der Umgebung zu verursachen. «Das Kind scheint grössere Mengen an Gas über seine Poren auszuscheiden», meint Kinderarzt Babu. Um welches Gas es sich genau handelt, kann er noch nicht sagen.

Es gebe diverse Theorien betreffend SHC, erklärt Dr. Jayaraman von der Brandverletztenabteilung am Kilpauk Medical College. Die Erklärungsversuche reichen von chemischen körpereigenen Reaktionen auf Fremdstoffe wie Alkohol oder bestimmte Medikamente bis zu Entzündung durch äussere Quellen wie Elektrizität, Mikrowellen oder gar die Hitze einer Zigarette, die das unterhalb der Haut befindliche Fettgewebe verflüssigt und dann wie ein Kerzendocht wirken lässt.

Rahul soll in einem kühlen Raum bleiben

Im Fall des neun Wochen alten Rahul können diese Theorien ausgeschlossen werden. Kalpesh Gajiwala, Brandwunden-Spezialist am Tata Memorial Hospital in Mumbai zeigt sich über Rahuls Fall ratlos, zumal das Baby nur mit Muttermilch ernährt wird. «Eine einzig möglich Erklärung ist, dass Methan bildende Mikroorganismen in seinem Darm die Nahrung zu Methan, einem äusserst brennbaren Gas, verwandeln.»

Eine Heilung dafür kennt er nicht. Der Mutter kann er nur raten, das Kind fern von brennbaren Substanzen oder gar Stoffen wie Seide fernzuhalten. «Am besten sollte das Kind in einem gekühlten Raum gehalten werden.»

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