Aktualisiert 02.08.2012 16:53

Schweizer Ruderer«Das Rennen unseres Lebens verpasst»

Der Schweizer Leichtgewichts-Vierer kann im Final nicht um die Medaillen mitreden und muss sich mit Platz 5 begnügen. Die Enttäuschung ist gross. Auch mit den Bedingungen wird gehadert.

von
Monika Reinhard
Eton

Wie hatten sie begeistert: Simon Schürch, Lucas Tramèr, Simon Niepmann und Mario Gyr ruderten sich im Leichtgewichts-Vierer im Vorlauf mit Bestzeit und im Halbfinal mit der zweitbesten Marke in den Final der besten sechs Boote. Sie sollten nach dem «Black Wendesday» für die erste Schweizer Medaille sorgen. Doch die Siegesgöttin Nike war den Eidgenossen auch am Tag nach dem Nationalfeiertag nicht gut gesinnt. Zwar realisierte der Leichtgewichts-Vierer mit dem fünften Rang das bisher beste Resultat der Schweizer Olympia-Delegation, doch um die Medaillen konnte er zu keinem Zeitpunkt mitreden.

Die Enttäuschung war entsprechend gross. Minutenlang sass das geschlagene Schweizer Quartett nach dem Rennen auf dem Bootssteg und rang um Fassung. Es dauerte auch ein ganzes Stück, bis die vier jungen Männer diese wieder gefunden hatten und sich den Medien stellten, um ihr Scheitern zu erklären.

«Haben die Chance nicht gepackt»

«Momentan sind wir ziemlich enttäuscht», sagt Simon Schürch. «Die Form war da. Wir haben die Chance nicht gepackt und man weiss nie, ob man noch einmal eine bekommt.» Sie hätten den Rhythmus nicht ganz gefunden im Seitenwind. «Es waren andere Verhältnisse als im Halbfinal. Irgendwie kamen wir nicht klar damit. Vorne ging die Post ab und wir haben hinten abgebaut.» Eigentlich habe man im Final das beste Rennen der Saison zeigen wollen. «Aber das haben wir nicht getan. Wir haben heute nicht das Rennen unseres Lebens gezeigt. Wenn wir das gemacht hätten, wären wir sicher ganz vorne gewesen.»

Hadern mit den Bedingungen

Während das 21-jährige «Teamküken» Schürch ruhig und gelassen spricht, ist der 27-jährige Mario Gyr doch etwas aufgebracht. Sie hätten zwar dem Trainer versprochen, sich nicht zu beschweren, so der Luzerner, aber «im Moment ist da zuerst ein Mal ein sehr, sehr grosser Groll auf die FISA.» In den Augen des Schweizers hätten die Bahnen aufgrund der Windverhältnisse umgeteilt werden oder der Final gar um einen Tag verschoben werden müssen.

Doch er will die Bedingungen nicht als Entschuldigung vorschieben. «Man darf das jetzt nicht alles auf den Wind herunterbrechen. Dass wir auf Bahn 2 waren, das lag einfach an den beiden Halbfinals, die so waren. Man hätte die auch tauschen können», so Gyr. «Es war eine Chance von 50:50. Die Südafrikaner wurden im anderen Halbfinal Zweite. Auf der anderen Seite muss man sagen, dass die Briten eine Bahn neben uns noch Silber geholt haben.»

«... dann ist Medaille weg»

Es sei jetzt halt einfach so. «Das Resultat ist der fünfte Platz. Wir sind enttäuscht. Wir wollten eine Medaille und haben es nicht geschafft. Das ist eine Tatsache. Wir müssen uns nicht in Entschuldigungen verstricken», so Gyr. Der Plan sei gewesen, am Start schnell wegzukommen und die Dänen unter Druck zu setzen. Dann seien aber die Boote auf den Bahnen vier, fünf und sechs beim Start gleich eine Länge weggeschnellt. «Normalerweise sind wir am Start eine Länge vorne. Heute waren wir eine Länge hinten. Unser Problem war, dass wir unter Druck gekommen sind und unseren Game-Plan nicht durchführen konnten. Dann haben wir schlecht gerudert und so werden aus zwei Sekunden relativ schnell fünf - und dann ist die Medaille weg.»

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