Aktualisiert 09.05.2016 09:00

Schaffhauserzungen «Das Rezept kennen nur meine Frau und ich»

Was den Zürchern ihre Luxemburgerli sind, sind den Schaffhausern ihre Reber Schaffhauserzungen. Das Gebäck gibt es nur, weil einem Lehrling vor 120 Jahren ein Missgeschick passierte.

von
som

Der Schaffhauser Konditorlehrling sollte die Masse für Japonais herstellen. Doch diese wollte ihm einfach nicht gelingen. Also sagte sein Meister Johann Reber-Hüsler, er solle die verpfuschte Masse auf die Seite stellen.

Doch sein Missgeschick liess dem Lehrling keine Ruhe. Er wollte die teuren Zutaten nicht einfach wegwerfen. Also pröbelte er nach Feierabend immer weiter, bis am Ende eine Art Buttercreme-Sandwich mit Deckeln und Böden aus Japonais herauskam.

Einmal pro Monat werden Deckel und Böden produziert

Das ist jetzt 120 Jahre her. Doch die Schaffhauserzungen werden immer noch in der Confiserie Café Reber an der Vordergasse 21 von Hand hergestellt. Längst sind Lis und Laurent Perriraz Patrons, die das Geschäft 1989 von Reber-Hüslers Enkel übernommen hatten.

Das Rezept für die Böden und Deckel der Schaffhauserzungen kennen nur er und seine Frau, wie Laurent Perriraz sagt: «Wir bewahren es sicher in einem Tresor auf.» Die Böden und Deckel sind lange haltbar. Einmal pro Monat und kurz vor Weihnachten jede Woche produzieren der Chef und sein Team diese deshalb von morgens bis abends im Akkord.

1000 bis 1500 Schaffhauserzungen gehen pro Tag über den Ladentisch

Die Creme aus Butter, Staubzucker, pflanzlichem Fett, Vanille und carmelisierten Mandeln wird täglich frisch hergestellt: «Wir verkaufen 1000 bis 1500 Stück pro Tag.» Das Gebäck heisst nicht wegen seiner ovalen Form Schaffhauserzungen, sagt Perriraz: «Vielmehr haben die Leute immer zuerst die Buttercreme geschleckt und erst dann die Böden und Deckel gegessen.»

Zum 120-Jahr-Jubiläum hat sich das Ehepaar etwas ganz Besonders ausgedacht, wie Perriraz sagt: «Unsere Schaffhauserzungen werden bis im Oktober in der Altstadt sichtbar sein.»

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