Region Basel: «Das Rollmaterial der SBB ist unter jedem Hund»
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Region Basel«Das Rollmaterial der SBB ist unter jedem Hund»

Zwischen Basel und Biel verkehren noch immer keine Doppelstockzüge, dafür solche mit Plumpsklos. Dafür hagelt es für die SBB nun sogar Schelte vom Ständerat.

von
lha
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Der Baselbieter Ständerat Claude Janiak lässt kein gutes Haar an der SBB, wenn er auf die Verbindung zwischen Basel und Biel zu sprechen kommt. «Da gibt es noch Plumpsklos», enerviert er sich.

Der Baselbieter Ständerat Claude Janiak lässt kein gutes Haar an der SBB, wenn er auf die Verbindung zwischen Basel und Biel zu sprechen kommt. «Da gibt es noch Plumpsklos», enerviert er sich.

Keystone/Anthony Anex
So wünscht sich der Ständerat die Zukunft: Am 14. Juni 2018 hat der Ständerat ein Postulat des jurassischens Ständerat Claude Hêche überwiesen, der die Anpassung der Strecke fordert. Besonders die Tunnels müssen für Doppelstockzüge aufgerüstet werden.

So wünscht sich der Ständerat die Zukunft: Am 14. Juni 2018 hat der Ständerat ein Postulat des jurassischens Ständerat Claude Hêche überwiesen, der die Anpassung der Strecke fordert. Besonders die Tunnels müssen für Doppelstockzüge aufgerüstet werden.

Keystone/Jean-christophe Bott
In den Doppelstockzügen der SBB sind die Toiletten auch mit hübschen Landschaftsfolien und Duftspendern ausgestattet.

In den Doppelstockzügen der SBB sind die Toiletten auch mit hübschen Landschaftsfolien und Duftspendern ausgestattet.

Keystone/Patrick B. Kraemer

Die Bahnstrecke von Basel nach Biel führt durch eine Randregion: Daran lässt eine Fahrt mit der SBB offenbar keinen Zweifel. Der Baselbieter Ständerat Claude Janiak (SP) klärte nun am Donnerstag seine Ratskollegen in Bern auf: Die Region werde systematisch vernachlässigt und Neuerungen hinausgeschoben. Der Anteil der in der Region eingesetzten Bundesmittel sei unterdurchschnittlich und das eingesetzte Rollmaterial teilweise «unter jedem Hund». Janiak sagte weiter: «Fahren Sie einmal im Sommer über Laufen. Da gibt es noch Plumpsklos.» Eigentlich haben diese bei der SBB seit 2016 ausgedient.

Die SBB betont auf Anfrage, dass auf der Strecke regulär moderne Intercity-Neigezüge verkehren. «Bei Störungen am Rollmaterial werden die Verbindungen fahrplanmässig mit Ersatzzügen gefahren», liess ein Sprecher verlauten.

Hintergrund der Debatte ist ein Postulat des Jurassiers Claude Hêche (SP), der den Bundesrat auffordert, die Lichtraumprofile auf genannter Strecke anzupassen, damit dort Doppelstockzüge verkehren können. Der Ständerat hat das Postulat am Donnerstag an den Bundesrat überwiesen. Dieser muss sich nun dafür einsetzen, dass die SBB zwischen Basel und Biel aufrüstet. Zudem soll der Bundesrat die Finanzierung und den Zeitplan zur Umsetzung darlegen.

«Der Ärger wird immer grösser»

Künftig würden immer mehr Doppelstockzüge auf dem Schienennetz unterwegs sein, argumentierte Hêche. Im Fernverkehrsnetz der SBB würden sie sogar standardmässig eingesetzt. Da zwischen Basel und Biel via Laufen und Delsberg das Lichtraumprofil einiger Tunnels nicht ausreiche, könnten solche Züge dort allerdings nicht fahren. Damit drohe die Bahnregion weiter ins Hintertreffen zu geraten.

Unterstützung erhielt der Jurassier von seinem Baselbieter Ratskollegen Claude Janiak. «Der Ärger über das Bundesamt für Verkehr (BAV) und die SBB wird in der Nordwestschweiz immer grösser», sagte er an die Adresse von Verkehrsministerin Doris Leuthard.

«Indiskutabel, was in der Nordwestschweiz geschieht»

Auch aus Basel-Stadt gab es Unterstützung. Es sei klar, dass alle Regionen die Unterstützung der SBB benötigten, sagte Anita Fetz (SP/BS). «Aber was in der Nordwestschweiz geschieht, ist indiskutabel.» Die SBB erfinde immer neue Hindernisse, um nichts unternehmen zu müssen, obwohl es sich bei der Region immerhin um den zweitgrössten Wirtschaftsstandort der Schweiz handle. «Wenn man gleichzeitig sieht, wie in der Region Zürich geklotzt wird, dann stimmt die Verhältnismässigkeit nicht mehr», so Fetz weiter. Ein kleiner Anschub für die Interessen der Nordwestschweiz tue Not.

Eine Mehrheit der Kollegen und Kolleginnen aus den anderen Kantonen zeigte sich solidarisch und unterstützte das Postulat mit 30 zu 12 Stimmen.

Nordwestschweiz stiefmütterlich behandelt

Der Bundesrat hatte die Ablehnung des Postulates beantragt, da dessen Forderungen bereits erfüllt würden. Bundesrätin Leuthard gab allerdings zu, dass die Nordwestschweiz im Hinblick auf die Bahn in den vergangenen Jahrzehnten etwas stiefmütterlich behandelt worden sei. Dafür sei sie beim Strassenausbau berücksichtigt worden.

Das Postulat werde aber keine zusätzliche Verbesserung bringen, sagte sie. Denn mit dem Bahnausbauschritt 2030/35 sei ein Ausbau der Strecke Basel - Delsberg bereits vorgesehen. (lha/sda)

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