30 Jahre nach Wahlsieg: Das rostige Erbe der eisernen Lady
Aktualisiert

30 Jahre nach WahlsiegDas rostige Erbe der eisernen Lady

Am 3. Mai 1979 siegte Margaret Thatcher bei der britischen Parlamentswahl. Von da an krempelte die «Eiserne Lady» das Land um - mit durchwachsenem Erfolg. Ihre neoliberalen Rezepte werden für die heutige Wirtschaftskrise verantwortlich gemacht.

«Die Briten haben den Sozialismus aufgegeben. Das 30 Jahre dauernde Experiment ist gescheitert», verkündete die Tory-Chefin vor ihrer Wahl zur ersten Frau im Regierungsamt in der Downing Street. In der Tat sah es düster aus im Land, als die Konservativen die Labour-Regierung vor 30 Jahren aus dem Amt jagten: ein riesiger Schuldenberg, hohe Inflation, Arbeitslosigkeit, Massenstreiks und Chaos.

Ein radikaler Wandel musste her, um die «britische Krankheit» zu bekämpfen: Weniger staatliche Gängelung, weniger Subventionen, weniger Steuern und vor allem weniger Macht für die Gewerkschaften. Privatisierung und Liberalisierung waren die Schlagworte der Ära Thatcher, die auch nach ihrem Abgang 1990 Nachahmer weit über die Landesgrenzen fand.

«Die Leute haben nicht mehr Angst, die britische Krankheit zu bekommen. Sie stehen Schlange, um das neue britische Heilmittel zu bekommen», formulierte es Thatcher, die ihre Gegner mit ihrem eisernen Willen stets das Fürchten lehrte.

Ihr Vorbild verblasst

Das Heilmittel hatte aber auch Nebenwirkungen - nicht nur die der sozialen Kälte, mit der der «Thatcherismus» bis heute untrennbar verbunden ist. Was Thatcher Mitte der 80er-Jahre mit dem sogenannten «Big Bang» einleitete - der Entfesselung des Finanzsektors -, wurde dem Land drei Jahrzehnte später zum Verhängnis. Heute steckt Grossbritannien in der schwersten Rezession seit Ende des Zweiten Weltkriegs, ist über Generationen verschuldet und sucht erneut den Wandel.

Die 83 Jahre alte Margaret Thatcher, die unter Demenz leidet, wird da weniger gern als Vorbild zitiert. Der Enthusiasmus für die allzu freie Marktwirtschaft, die die «Eiserne Lady» verkörperte, ist abgeflaut. Was Thatcher einst bekämpfte (Verstaatlichungen, Steuererhöhungen), ist wieder angesagt. «Der Abschluss der Ära Thatcher», titelte die Wirtschaftszeitung «Financial Times» kürzlich und druckte darunter eine Karikatur, auf der die Menschen Thatcher mit Seilen von ihrem Denkmalsockel zerren.

Wer rettet das Land?

Doch wer kann das Land aus der Misere retten? Im derzeitigen Premierminister Gordon Brown und der Labour-Regierung sieht niemand mehr den Erlöser. Brown wird seit Monaten förmlich zerfleischt. In Umfragen liegen die Sozialdemokraten zweistellig hinter den Konservativen und ihrem jugendlichen Chef Cameron. «Ein Sieg der Tories bei den kommenden Wahlen ist mehr als wahrscheinlich», meint Roland Sturm, Politikprofessor und Grossbritannienexperte an der Universität Erlangen.

Zwar hackt Cameron seit Monaten auf Brown herum. Konkrete Vorschläge, wie er das Land aus der Krise führen will, hat er aber bisher noch nicht gemacht. «Ich sehe auch bei den Tories keine wirklich neuen Ideen», sagt Sturm. Doch die Zeit drängt, denn bis spätestens Sommer 2010 müssen Wahlen in Grossbritannien stattfinden.

Doch einen Paradigmenwechsel herbeizuführen, wie es einst Thatcher tat, das wird Cameron in der heute globalisierten Welt vermutlich nicht schaffen. Letzten Endes brauchen die Tories aber wohl gar keinen klaren «Rettungsplan». Denn, so Sturm: «Die Wahl wird genauso wie vor 30 Jahren vor allem ein Protest gegen Labour sein.»

(pbl/sda)

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