Hickhack um Spenden: Das Rote Kreuz und seine Blutsauger
Aktualisiert

Hickhack um SpendenDas Rote Kreuz und seine Blutsauger

Eine Genfer Organisation ruft im Kielwasser des Schweizerischen Roten Kreuzes zu Blut- und Geldspenden auf. Der Verein sieht sich im Recht - das SRK prüft juristische Schritte.

von
Antonio Fumagalli
Um die Blutspenden in der Schweiz hat sich ein Streit entfacht, der auch auf juristischem Weg ausgetragen werden könnte.

Um die Blutspenden in der Schweiz hat sich ein Streit entfacht, der auch auf juristischem Weg ausgetragen werden könnte.

Rentnerin Josyane ist es ein Anliegen, wohltätigen Organisationen dann und wann mit einer Spende unter die Arme zu greifen. So hat sie der «Association Suisse des Donneurs de Sang Bénévoles» (auf deutsch: «Schweizer Vereinigung der freiwilligen Blutspender») 100 Franken zukommen lassen. Wie die «Tribune de Genève» in seiner heutigen Ausgabe berichtet, reichte dies der Organisation aber offenbar nicht: Sie kontaktierte die Frau nochmals und bat sie, doch bitte etwas mehr zu spenden. Josyane wurde stutzig und kontaktierte die Presse.

Bei der Blutspende SRK Schweiz, einer Unterorganisation des Schweizerischen Roten Kreuzes, kennt man ähnliche Vorfälle: «Wir haben in den letzten Wochen mehrere Reklamationen von verunsicherten Personen erhalten, die von dieser Vereinigung um eine Geldspende gebeten wurden», sagt Geschäftsleitungsmitglied Yvonne Fischer gegenüber 20 Minuten Online. Die meisten Fälle beträfen zwar die Romandie, aber auch aus Basel, Bern und Zürich seien Anfragen eingegangen.

Grundsätzlich ist es jedem Verein erlaubt, die Bevölkerung fürs Blutspenden zu sensibilisieren. Problematisch wird es dann, wenn dies im Namen einer anderen Organisation getan wird. «Wir können nicht ausschliessen, dass die kontaktierten Privatpersonen davon ausgingen, mit ihrer Spende das Schweizerische Rote Kreuz zu unterstützen», so Fischer. Die Blutspende SRK Schweiz, dessen 13 Regionalzentren die einzigen staatlich anerkannten Spendestellen sind, weist deshalb mit Nachdruck darauf hin, in keinerlei Verbindung zur Genfer Organisation zu stehen – und Geld habe man schon gar nie erhalten.

Rotes Kreuz prüft juristische Schritte

Bei der «Association» sieht man diese Trennung offenbar nicht ganz so strikt: Auf ihrer Homepage werden die Spendezentren des Roten Kreuzes fein säuberlich aufgelistet. Und in der auch auf Deutsch – wenn auch in liederlicher Sprache – verfassten Broschüre «Pour la Vie» wird das SRK mehrmals namentlich erwähnt. «Wir prüfen juristische Schritte», heisst es deshalb beim Roten Kreuz.

Es wäre nicht das erste Mal, dass das SRK seine Anwälte bemühen würde: Im Jahr 2003 untersagte es einer Organisation, dessen Branding und Publikationen vollständig mit demjenigen der heute eingetragenen «Association Suisse des Donneurs de Sang Bénévoles» übereinstimmt, auf juristischem Weg die Verwendung seines Namens und Logos – was diese dann auch schriftlich zusicherte. Ganz anders tönt es in Genf: Wie Vereinsmitglied Joseph Kohn auf Anfrage sagt, kenne man den Fall zwar, er habe aber «null Zusammenhang» mit seiner Organisation. Jegliche gegenteilige Behauptung sei diffamierend.

Partner - oder doch nur Werbepartner?

Auch mehrere Grossfirmen wie Novartis, Allianz Suisse, Victorinox oder Citroën hatten mit der Vereinigung schon Knatsch um Namensrechte. Sie alle wurden auf deren Homepage als «Partner» erwähnt – in Tat und Wahrheit inserierten sie aber einfach in der jährlich erscheinenden Broschüre und sind deshalb allenfalls Werbepartner. Vereinsmitglied Kohn spricht von einem «Missgeschick», das passiert sei, weil sie allesamt freiwillige Helfer und keine Juristen seien. Auf der Webseite wurde der entsprechende Eintrag mittlerweile abgeändert. Novartis hat dies aber offenbar nicht gereicht. Wie Kohn bestätigt, musste das Firmenlogo auf Drängen des Pharmamultis entfernt werden.

Den Vorwurf, mit dem Geld intransparent umzugehen, weist die «Association» weit von sich: «Die rund 10'000 Franken Spendengelder setzen wir vollumfänglich für unser Ziel, nämlich die Förderung der Blutspende in der Schweiz, ein», sagt Kohn. Dies geschehe insbesondere über Telefonanrufe, die die Bevölkerung zum Blutspenden aufrufe. In jedem anderem Land sei dies völlig unproblematisch – nur nicht in der Schweiz. «Wir werden mit dem Roten Kreuz das Gespräch suchen. Wenn dies nicht fruchtet, behalten auch wir uns juristische Schritte vor», so Kohn.

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