Aktualisiert 19.08.2009 14:48

Jörg Abderhalden«Das sage ich besser nicht in der Öffentlichkeit»

Schwingerkönig Jörg Abderhalden sagt im Interview mit 20 Minuten Online unter anderem, warum er weitermacht, ob er zum Eidgenössischen 2010 noch einmal antritt und spricht noch einmal über den Unfall vom Sonntag.

von
Klaus Zaugg, Wattwil

20 Minuten Online: Jörg Abderhalden, warum machen Sie weiter?

Jörg Abderhalden: Ich stelle mir meinen Rücktritt einfach anders vor. Ich habe das Gefühl, dass ich noch einmal auf den Schwingplatz zurückkehren will. Es wäre sowieso unklug, so kurz nach einer Verletzung den Entscheid zum Rücktritt zu fällen.

Haben Sie den Entscheid zum Weitermachen alleine gefällt?

Ja. Es ist mein Sport, mein Körper und mein Leben, und einen solchen Entscheid muss ich selber fällen. Aber natürlich habe ich darüber mit meiner Frau gesprochen. Sie hat ja neben drei Kindern nun auch noch einen Mann, der nicht richtig laufen kann ...

Ist es ein Bauch- oder ein Kopfentscheid?

Das ist schwierig zu sagen. Gewiss ist es auch ein Bauchentscheid. Später, nach der Operation und nach den Therapien wird der Moment für eine weitere Standortbestimmung kommen und dann werden wir sehen, ob ich wirklich dazu in der Lage bin, auf den Schwingplatz zurückzukehren.

Wo liegt die Motivation, nach einer so schweren Verletzung weiter zu machen?

Der positive Befund, dass es doch nicht so schlimm ist, spielt auch eine Rolle. Die Verletzung ist weniger schlimm als ursprünglich befürchtet, und ich bin zurzeit schmerzfrei. Die vielen Reaktionen nach dem Unfall sind eine zusätzliche Motivation. Offenbar freuen sich viele, wenn ich weitermache und ich diese Freude bereite ich gerne.

Wie geht es jetzt konkret weiter?

Am nächsten Dienstag erfolgt die Operation. Dann gehen wir Vollgas an die Rehabilitation.

Treten Sie nächste Saison in Frauenfeld auch dann an, wenn Sie keine Chance auf den vierten Königstitel sehen?

Nein, dann trete ich vorher zurück. Einfach anzutreten, damit ich dabei bin, kommt nicht in Frage. Wenn ich gesund bin, dann habe ich diese Chance. Ob es dann reicht, ist natürlich ungewiss. Es braucht sehr viel Können und sehr viel Glück und vieles muss zusammenpassen, um ein Eidgenössisches zu gewinnen. Das war schon bei meinen bisherigen Erfolgen so.

Haben Sie den Unfall am Fernsehen nochmals angeschaut?

Ja.

Und Sie konnten hinschauen?

Ja. Ich wusste ja, was passiert ist und Verletzungen gehören nun mal zum Sport.

Was ist Ihnen im Moment des Unfalls durch den Kopf gegangen?

Das sage ich wohl besser nicht so in der Öffentlichkeit. Ich hörte das Knacken, als die Bänder rissen und ich wusste sofort, dass etwas passiert ist.

Wie konnte dieser Unfall passieren?

Als ich zu einem Angriffschwung ansetzen wollte, ist mir das Knie «verreist». Es ist ganz einfach dumm gelaufen.

Bleiben nach einer solchen Verletzung keine «Narben» zurück? Könnte es sein, dass Sie nicht mehr ganz unbelastet schwingen können?

Nein, da sehe ich kein Problem. Ich bin bis heute nach einer Verletzung nie schwächer zurückgekehrt. Ein Sportler muss mit Verletzungen rechnen, und wenn man solche Situationen überwinden muss, kann man auch stärker werden.

War das Comeback auf der Schwägalp verfrüht?

Nein. Natürlich kann man nun im Nachhinein sagen, dass es ein Fehler war anzutreten. Aber ich fühlte mich gut, ich hatte gute Beine und es war richtig, dieses Fest noch einmal für eine Standortbestimmung zu nutzen.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.