07.12.2017 14:06

KonsumentenfrustDas sagen die kritisierten Branchen zur Ärgerliste

Zu den grössten Ärgernissen der Konsumenten gehören dieses Jahr die Billag-Mehrwertsteuer oder der Diesel-Skandal. Die Reaktionen auf die Kritik.

von
pam
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Platz 6 der grössten Ärgernisse für Konsumenten: Dicke Post – unerlaubte Inkasso-Forderungen.

Platz 6 der grössten Ärgernisse für Konsumenten: Dicke Post – unerlaubte Inkasso-Forderungen.

Keystone/Christian Beutler
Platz 5: : Probleme mit  Internet, Festnetz, TV, Radio und Mobiltelefonie.

Platz 5: : Probleme mit Internet, Festnetz, TV, Radio und Mobiltelefonie.

Karl-josef Hildenbrand
Platz 4: Aggressive Werbeanrufe.

Platz 4: Aggressive Werbeanrufe.

Keystone/Gaetan Bally

Doppelt so viele Beschwerden wie im Vorjahr gingen zwischen Januar und November bei den Schweizer Konsumentenschützern ein. Die Rangliste führen die Klagen über die Rückerstattung der Billag-Mehrwertsteuer an. Doch was sagen die betroffenen Branchen? 20 Minuten hat nachgefragt.

• Billag-Mehrwertsteuer

Allein 19'000 Anfragen entfielen auf die Mehrwertsteuer, die der Bund zwischen 2005 und 2015 zu Unrecht auf der Billag-Rechnung erhoben hatte. Dies hatte das Bundesgericht 2015 festgestellt. Konsumentenschützer fordern die automatische Rückerstattung, der Bund hat eine diesbezügliche Klage ans Bundesgericht weitergezogen.

Das sagen die Billag und der Bund: Auf Anfrage verweist die Billag auf ihre Auftraggeberin, das Bundesamt für Kommunikation (Bakom). Dort heisst es, man werde über das weitere Vorgehen informieren, sobald ein Urteil des Bundesgerichts vorliege. Die Billag verrechnet seit Mai 2015 die Mehrwertsteuer nicht mehr.

• VW-Abgasskandal

Die Abgas-Manipulationen deutscher Autohersteller, darunter Volkswagen, sorgen auch in der Schweiz für rote Köpfe. Ein Grund laut Konsumentenschutz: Der Marktwert der Fahrzeuge sei um 15 Prozent geschrumpft.

Das sagt ein Hersteller: «Die Volkswagen AG bedauert es sehr, Kunden weltweit und auch in der Schweiz enttäuscht zu haben», erklärt Amag-Sprecher Dino Graf. Er betont, dass mit dem mittlerweile bei 95 Prozent der betroffenen Fahrzeuge aufgespielten Software-Update die Kunden ein absolut konformes Fahrzeug hätten. Ein Wertverlust ist laut Graf nicht festzustellen: «Die aktuellen Occasionspreise liegen im oder leicht über dem Marktumfeld.»

• Garantieprobleme: Beispiel Handy

Was tun, wenn der Händler sich weigert, das zersplitterte Handy trotz laufender Garantie zu ersetzen? 12 Prozent der Anfragen entfielen auf solche Garantieprobleme. Laut Konsumentenschutz spekulieren die Händler darauf, dass die Kunden nicht beweisen können, dass es kein Selbstverschulden war.

Das sagt ein Händler: «Die Swisscom schickt defekte Geräte in die von den Herstellern zertifizierten Servicecenter ein», sagt Sprecherin Annina Merk. Die Spezialisten vor Ort beurteilten nach exakten Guidelines des Herstellers den Schaden und liessen der Swisscom ein Gutachten zukommen, ob es sich um einen Garantiefall handle oder nicht. «Auf dieses Urteil müssen wir als Wiederverkäufer vertrauen und geben den Entscheid dem betroffenen Kunden weiter.»

• Aggressive Verkaufsmethoden

Der Ärger über aggressive Telefonwerbung führte letztes Jahr zu den meisten Beschwerden. Dieses Jahr rangieren die unlauteren Geschäftspraktiken auf dem vierten Platz.

Das sagt die Swisscom: «Wir haben bereits letztes Jahr den Filter für unerwünschte Werbeanrufe fürs Festnetz und nun neu auch fürs Mobilfunknetz lanciert», so Sprecherin Merk. Der Filter sei sehr erfolgreich und blockiere mehr als 120'000 unerwünschte Anrufe pro Tag. «Insgesamt konnte der Filter in diesen ersten 12 Monaten über 18 Mio. Anrufe blockieren.»

• Unerlaubte Inkasso-Forderungen

Inkasso-Unternehmen übernehmen die Eintreibung von Schulden für ihre Auftraggeber. Das Problem: Oft verrechnen die Inkasso-Büros zum geforderten Betrag zusätzliche Aufwände und drohen bei Nichtbezahlung mit einem Eintrag im Betreibungsregister.

Das sagt eine Inkasso-Firma: «Wenn ein Konsument eine Rechnung nicht bezahlt, entsteht bei der betroffenen Firma ein Mehraufwand, weil sie das Geld eintreiben muss. Das macht sie entweder selbst oder beauftragt eine Inkasso-Firma», sagt Michael Loss von Intrum Justitia. In beiden Fällen entstehe dem Gläubiger ein Mehraufwand, den sogenannten Verzugsschaden, den das Inkassounternehmen dann einhole. «Dieser Betrag hat nichts mit dem Verzugszins zu tun. Diesen verrechnet der Gläubiger, weil ihm auf den fälligen Betrag durch die Nichtbezahlung der Zins fehlt.» Laut Loss ist es zudem nicht die Absicht der Inkasso-Betreiber, mit der Information zu einer möglichen Betreibung Druck auszuüben, «sondern ganz reale Folgen der Nichtbezahlung aufzeigen zu können». Loss: «Es trifft aber zu, dass in einigen Briefen noch veraltete Formulierungen verwendet werden, die diesen Anschein machen können. Wir sind daran, dies weiterzuentwickeln.»

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