Nervtötende Songs: Das sagen die Schweizer Radiomacher

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Nervtötende SongsDas sagen die Schweizer Radiomacher

Die Flut an Feedbacks der Leser von 20 Minuten Online zeigte klar: Ein Grossteil der Hörerschaft ist unzufrieden mit der hiesigen Rundfunklandschaft. Jetzt nehmen die Radiostationen Stellung.

von
kis

«Hört einfach kein Radio mehr. Die Musik, die ich höre läuft eh nicht im Radio», schreibt uns der Leser Bruno Dias. Auch Miriam macht ihrem Unmut über die Musik, die im Radio gespielt wird, Luft: «Grundsätzlich nervt mich alles, was DRS3 und die Mainstreamsender in der Hitparade spielen. Dieser Sirup-Sinnlos-Popkitsch ist kaum zum aushalten!», enerviert sich die 20 Minuten Online Leserin. Und doppelt nach: «Hitparaden wären das eine, wenn man nicht auch ausserhalb dieser Sendungen 50 Mal am Tag mit diesen Songs gefoltert würde. Da stellt sich regelmässig die Frage: Selbstmord oder Suizid?»

Auch wenn die Tonalität der restlichen Userkommentare meist weniger provokativ daherkommt, so ist der Kanon der über 700 Rückmeldungen doch eindeutig: Die angeblich fehlende Vielfalt und die stetige Wiederholung der immergleichen Songs sorgen bei den Schweizer Hörerinnen und Hörer für Kopfschütteln. Doch wie kommt es zum Phänomen der (zu-) vielgehörten Radiohits und wer trägt dafür die Verantwortung?

«Die Leute erwarten beim Einschalten des Radios einen Song den sie kennen und mögen»

Christian Jäckli, Musikredaktor bei Radio Energy, sieht den Grund dafür in der rasenden Verbreitung der neuen Medien: «Durch das Internet ist das Angebot aber auch die Nachfrage ganz anders geworden. Die Gewohnheiten haben sich stark verändert und die Leute erwarten dann beim Einschalten des Radios einen Song, den sie kennen und mögen», so der Musik-Experte.

Dennoch versucht man beim Zürcher Privatsender auf die Wünsche der Hörer einzugehen: «Wir haben dazu diverse Hilfsmittel wie zum Beispiel die Single- und die Airplaycharts», erzählt Jäckli. Trägt also einzig die Hörerschaft die Verantwortung für die Hits, die in die Endlosschlaufe geraten? Nicht ganz: «Wir arbeiten auch sehr eng mit den Musiklabels zusammen und versuchen auf deren Prioritäten einzugehen», verrät Jäckli. Damit wäre ein möglicher Grund für die bemängelte Vielfalt der Schweizer Radiostationen wohl ausgemacht.

«Die Songs werden durch die Redaktionen bestimmt»

Pragmatischer gibt man sich beim SRF, dem Schweizer Radio- und Fernsehen: «Die Songs werden durch die Redaktionen bestimmt», sagt Michael Schuler, Leiter der Fachredaktion Pop-Rock beim SRF. Auf Hörerwünsche gehe man in Zusammenhang mit Interaktionen ein, wie zum Beispiel beim Spiel «ABC DRS3» oder anlässlich spezieller Anlässe wie dem Spendenmarathon «Jeder Rappen zählt».

«Wie viele Songs aus der heutigen Zeit es zum Klassiker schaffen, bleibt abzuwarten»

Bei der Frage wie es zu Klassikern kommt, die in die sogenannte Heavy-Rotation geraten, sind sich die Spezialisten einig: «Meist geschieht dies durch ein immer wiederkehrendes oder ein spezielles Ereignis, ein einzigartiges Thema oder wenn der Song die Hörer emotional berührt», verrät Michael Schuler vom SRF.

Christian Jäckli ergänzt: «Oft hat ein Klassiker auch eine Geschichte dahinter. Songs wie «Imagine» von John Lennon oder «The Show Must Go On» von Queen sind dank dem Ableben von Lennon und Mercury zu Welthits geworden. Wie viele Songs aus der heutigen Zeit es zum Klassiker schaffen, bleibt abzuwarten», so der Redaktor von Radio Energy.

Diese Songs laufen aktuell rauf und runter

Die derzeit meistgespielten Songs bei den befragten Radiostationen sind übrigens «Rumour has it» von Adele (SRF) und «Troublemaker» von Taio Cruz (Energy). Welcher der Antworten der Musikspezialisten dies begründet, bleibt offen.

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