Aktualisiert 14.08.2018 18:42

Berechtigte Kritik?Das sagen Lo & Leduc zum «079»-Sexismus-Vorwurf

Nach dem Sexismus-Vorwurf an den Sommerhit «079» muss Juso-Präsidentin Tamara Funiciello Kritik einstecken. Rückendeckung erhält sie jedoch von den Machern des Songs.

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dk
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Juso-Präsidentin Tamara Funiciello übt Kritik am Lied «079» von Lo & Leduc. Im Text würde der Mann wiederholt versuchen, an die Handynummer einer Frau zu gelangen, obwohl diese klar Nein sage – ein klassischer Fall von Stalking also.

Juso-Präsidentin Tamara Funiciello übt Kritik am Lied «079» von Lo & Leduc. Im Text würde der Mann wiederholt versuchen, an die Handynummer einer Frau zu gelangen, obwohl diese klar Nein sage – ein klassischer Fall von Stalking also.

Keystone/Urs Flüeler
Der Sexismus-Vorwurf habe ihr viel Kritik eingebracht, sagt Funiciello: «Hauptsächlich auf Facebook bekam ich zu spüren, dass wegen meinen Aussagen alle durchdrehen - vor allem in Bern, meiner und Lo & Leducs Heimatstadt.»

Der Sexismus-Vorwurf habe ihr viel Kritik eingebracht, sagt Funiciello: «Hauptsächlich auf Facebook bekam ich zu spüren, dass wegen meinen Aussagen alle durchdrehen - vor allem in Bern, meiner und Lo & Leducs Heimatstadt.»

Keystone/Peter Schneider
Funiciello betont, dass sie sich der künstlerischen Freiheit der Musiker durchaus bewusst ist. Trotzdem stehe sie für das Recht ein, den Song kritisieren zu dürfen.

Funiciello betont, dass sie sich der künstlerischen Freiheit der Musiker durchaus bewusst ist. Trotzdem stehe sie für das Recht ein, den Song kritisieren zu dürfen.

Mario Vedder

«Klar, würde ich den Song gerne selber geniessen – das Lied ist echt cool», sagt Juso-Präsidentin Tamara Funiciello. Trotzdem habe sie sich dafür entschieden, jetzt als Spielverderberin zu agieren und die problematischen Inhalte im Text anzuprangern. Sie spricht damit den Umstand an, dass im Lied ein Mann wiederholt versuche, an die Handynummer einer Frau zu gelangen, obwohl diese klar Nein sage – ein klassischer Fall von Stalking also.

Der Sexismus-Vorwurf habe ihr viel Kritik eingebracht, sagt Funiciello: «Hauptsächlich auf Facebook bekam ich zu spüren, dass wegen meinen Aussagen alle durchdrehen» Ungeachtet dessen stehe sie zu ihrem Wort: «Wenn wir ein solches Werk hypen, ohne kritische Fragen stellen zu dürfen, legitimieren und verharmlosen wir auf eine gewisse Weise genau jenes Verhalten, das der Mann im Song zur Schau stellt.»

Lo & Leduc stellen sich gegen den Stalking-Vorwurf

Funiciello betont, dass sie sich der künstlerischen Freiheit der Musiker durchaus bewusst sei. Trotzdem stehe sie für das Recht ein, den Song kritisieren zu dürfen. «Kunst ist ein Teil der Gesellschaft wie alles andere auch und soll zum Denken und zu Diskussionen anregen.»

Unterstützung erhält sie nun aus unerwarteter Ecke. In einer Stellungnahme drücken Lo & Leduc ihr Verständnis für die Bemerkungen Funiciellos aus: «Wir finden es gut und wichtig, dass Themen wie Sexismus, Gleichberechtigung und Respekt diskutiert werden. Wenn unser Schaffen zu einer konstruktiven Debatte beitragen kann, freut uns das.» Gleichzeitig wehren sie sich aber vehement gegen den Stalking-Vorwurf.

«Frau gibt ihm die Spielregeln vor»

«Als wir das Lied geschrieben haben, stand bei uns im Vordergrund, wie sich zwei Menschen kennen lernen und wie das gegenseitige Interesse spielerisch bekundet wird», schreiben Lo & Leduc. Der Refrain laute «'079' het sie gseit. 'Du weisch immer no nüt', het sie gseit». Die Frau lasse den Mann also nicht abblitzen, sondern gebe ihm auf Augenhöhe die Spielregeln vor, wie er sie kontaktieren dürfe.

Die beiden Künstler begrüssen zwar die Diskussion über «den zweifellos vorhandenen Sexismus in unserer Gesellschaft». Sie fänden es aber schade, wenn man bei der Frage stehenbleibe, ob «079» sexistisch sei oder nicht.

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