24.10.2018 03:38

Geplante Copyright-Reform

Das sagen Youtuber zum Streit um EU-Urheberrecht

Die Youtube-Chefin ruft zum Widerstand gegen die EU-Urheberrechtsreform auf. Auch Schweizer Streamer und Youtuber sind in Aufruhr.

von
daw
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Susan Wojcicki, CEO von Youtube, hat sich an die Community gewandt und zu Protesten gegen die EU-Urheberrechtsreform aufgerufen. Denn die in Artikel 13 vorgesehenen Uploadfilter könnten verheerende Auswirkungen auf Youtube haben.

Susan Wojcicki, CEO von Youtube, hat sich an die Community gewandt und zu Protesten gegen die EU-Urheberrechtsreform aufgerufen. Denn die in Artikel 13 vorgesehenen Uploadfilter könnten verheerende Auswirkungen auf Youtube haben.

epa/Google Inc. / Handout
Youtuber Lionel Battegay würde es grundsätzlich begrüssen, wenn der Schutz geistigen Eigentums verbessert würde.

Youtuber Lionel Battegay würde es grundsätzlich begrüssen, wenn der Schutz geistigen Eigentums verbessert würde.

Artikel 13 könnte laut Wojcicki Plattformen wie Youtube dazu zwingen, nur eine kleine Anzahl von Inhalten grosser Unternehmen zuzulassen. Denn es wäre für Youtube schlichtweg zu riskant, Inhalte von kleinen Videomachern zu präsentieren, da die Plattformen nun direkt für diese Inhalte und allfällige Urheberrechtsverletzungen verantwortlich wären.

Artikel 13 könnte laut Wojcicki Plattformen wie Youtube dazu zwingen, nur eine kleine Anzahl von Inhalten grosser Unternehmen zuzulassen. Denn es wäre für Youtube schlichtweg zu riskant, Inhalte von kleinen Videomachern zu präsentieren, da die Plattformen nun direkt für diese Inhalte und allfällige Urheberrechtsverletzungen verantwortlich wären.

AP/Danny Moloshok

Künftig sollen in der EU Online-Plattformen für Urheberrechtsverletzungen von Nutzern haften, wenn sie Text, Bilder oder Videos hochladen. So sieht es Artikel 13 der geplanten Copyright-Richtlinie vor. Weil Youtube und Co. die Masse an hochgeladenen Videos nicht manuell sichten können, würden wohl sogenannte Upload-Filter installiert, die Inhalte löschen, wenn eine Copyright-Verletzung vermutet wird. Dieser könnte auch in der Schweiz zur Anwendung kommen.

Kritiker fürchten, dass damit auch Parodien, Memes, Film- oder Game-Rezensionen kaum mehr den Weg ins Netz finden würden. Die Youtube-Chefin Susan Wojcicki sagte gar, nur noch grosse Unternehmen könnten dann Inhalte auf Youtube stellen, weil die Sichtung von Videos kleinerer Kanäle zu aufwendig wäre. Auch viele bereits veröffentlichte Videos könnten für User in der EU gesperrt werden.

«Die EU macht das Internet kaputt»

In Aufruhr ist die Gaming-Szene in der Schweiz. «Die EU macht das Internet kaputt, indem sie einen grossen Einschnitt in die Internetfreiheit plant. Dafür ist der Widerstand erstaunlich gering», sagt etwa Rafael Kink von der Gaming-Agentur MYI Entertainment. «Schon heute melden Filmstudios mithilfe von Suchsoftware Urheberrechtsverletzungen auf Youtube. Bei Treffern werden Videos einfach pauschal markiert und die Beweislast wird umgedreht. Die Fair-Use-Regel (Schranken des Copyrights etwa für Zitate, Anm. d. Red.) wird hierbei komplett ignoriert.»

Würden Youtube und Co. für Urheberrechtsverletzungen haften, hätte das laut Kink auch gravierende Folgen für das boomende «Let's Play»: «Das Portal Twitch etwa würde wohl alle europäischen Spieler ausschliessen, da die Rechte beim Game-Studio liegen. Ob dieses einer Veröffentlichung zustimmt, wäre im Einzelfall zu prüfen.» Der bürokratische Aufwand wäre laut Kink immens.

«Kritische Kommentare wären passé»

Vor allem fürchtet er aber einen schweren Eingriff in die Meinungsfreiheit: «Eine Game- oder Filmkritik wäre – wenn überhaupt – noch mit dem Einverständnis des Rechteinhabers möglich. Mit kritischen Kommentaren wäre es vorbei.» Die Richtlinie sei offensichtlich von Leuten gemacht, «die nicht verstehen, wie das Internet funktioniert».

Kritisch ist auch Swissmeme-Gründer Zeki Bulgurcu. Er befürchtet ein «Filterchaos», wie er schon vor Monaten warnte: «Viele Inhalte würden fälschlicherweise dem Filter zum Opfer fallen. Der Ärger bei den Usern ist vorprogrammiert.» Laut Zeki sind 95 Prozent der verwendeten Bilder auf Swissmeme urheberrechtlich geschützt. Dennoch ist er überzeugt: Die Plattform könnte auch mit Upload-Filter überleben. «Nur müsste man dann alle Bilder selber machen – ein beträchtlicher Mehraufwand.»

Lionel plädiert für einen besseren Schutz von geistigem Eigentum

Verständnis für den Versuch, geistiges Eigentum zu schützen, hat dagegen Youtube-Star Lionel Battegay, der für sein Format «Ask Switzerland» bekannt ist: «Ich kann nicht sagen, wie es am Ende umgesetzt wird. Im Grundsatz unterstütze ich den Gedanken, dass man im Internet geistiges Eigentum besser schützen kann. Mir wurden auch schon Videos geklaut. Zum Teil ist es im Meme-Bereich gang und gäbe, sich an fremdem Eigentum zu vergreifen.» Allerdings teile er die Befürchtung, dass die Umsetzung der Copyright-Richtlinie es nur grossen Firmen erlauben würde, das geistige Eigentum zu schützen, während «kleine, kreative Köpfe» auf der Strecke blieben.

Die Musiker-Lobby Suisa verteidigt die Richtlinie: «Grosse Internet-Dienstleister erwirtschaften Milliarden dank Inhalten wie Musik oder Videos, während die Ersteller dieser Inhalte grösstenteils leer ausgehen», sagt Sprecher Giorgio Tebaldi. Mit der Richtlinie solle dieses Ungleichgewicht beseitigt werden. «Musik komponieren und produzieren oder einen Film drehen ist eine Arbeit, die entsprechend entschädigt werden muss.» Zudem hätten die Urheber ein Recht darauf, zu bestimmen, wo und wofür ihre Musik oder Videos benutzt würden.

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