CS-Chef Tidjane Thiam: «Ich habe nie an einen Rücktritt gedacht»
Aktualisiert

CS-Chef Tidjane Thiam«Ich habe nie an einen Rücktritt gedacht»

Tidjane Thiam hat sich heute zum ersten Mal zur Beschattung von Iqbal Khan geäussert. Er sagt, er habe die Überwachung des Ex-Mitarbeiters nicht in Auftrag gegeben.

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bsc/sas/dob
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Tidjane Thiam, Chef der CS trat heute zum ersten Mal seit der Beschattungsaffäre rund um Iqbal Khan an die Öffentlichkeit.

Tidjane Thiam, Chef der CS trat heute zum ersten Mal seit der Beschattungsaffäre rund um Iqbal Khan an die Öffentlichkeit.

Keystone/Ennio Leanza
Iqbal Khan trat Anfang Juli 2019 als Chef der internationalen Vermögensverwaltung der Credit Suisse ab und tratt am 1. Oktober seinen neuen Job bei der UBS an.

Iqbal Khan trat Anfang Juli 2019 als Chef der internationalen Vermögensverwaltung der Credit Suisse ab und tratt am 1. Oktober seinen neuen Job bei der UBS an.

ZVG
Die CS liess Topbanker Iqbal Khan überwachen, weil sie glaubte, er nehme Kunden zur UBS mit. Doch auch privat eskalierte zwischen Thiam und Khan einein Streit – offenbar auch wegen Baulärms. Die beiden sind Nachbarn.

Die CS liess Topbanker Iqbal Khan überwachen, weil sie glaubte, er nehme Kunden zur UBS mit. Doch auch privat eskalierte zwischen Thiam und Khan einein Streit – offenbar auch wegen Baulärms. Die beiden sind Nachbarn.

Zum ersten Mal seit der Beschattung von Ex-CS-Banker Iqbal Khan hat sich Tidjane Thiam heute Mittwoch an die Öffentlichkeit gewandt. Der Grund: die Zahlen des dritten Quartals. 881 Millionen Franken hat die Grossbank verdient.

Die guten Quartalszahlen rücken den CS-Skandal zwar etwas in den Hintergrund, doch die Beschattungsaffäre um Khan geht deshalb nicht vergessen. «Ich habe den Auftrag zur Überwachung von Iqbal Khan nicht gegeben», sagte Thiam im Rahmen der Medienkonferenz in Zürich. Zudem habe er nichts von der Sache gewusst. Die Beschattung bezeichnet der CS-Chef als unverhältnismässig.

«Habe nie über einen Rücktritt nachgedacht»

Observationen sind laut Thiam bei der CS nicht üblich. Monitoring gebe es aber immer wieder bei Banken – etwa, wenn Manager das Unternehmen wechseln würden. «Es gibt einen Unterschied zwischen Monitoring und Überwachung», sagt Thiam. Überwachung im Allgemeinen gebe es nicht, Khan sei ein Einzelfall.

Hat Thiam im Rahmen der Affäre jemals an einen Rücktritt gedacht, wird der CS-Chef weiter gefragt: «Nein, ich habe nie über einen Rücktritt nachgedacht.» Und weiter: «Ich hoffe, dass Ruhe einkehrt, und wünsche Khan alles Gute.»

Thiam führte weiter aus, er habe erst von der Affäre erfahren, als Leute verhaftet worden seien. «Ich habe mich dann gleich intern informiert, was los ist», so der CEO. Wie ist es möglich, dass der oberste Chef nichts von den Vorgängen in der Bank weiss, wird Thiam weiter gefragt: «Ich wusste nichts.» Nach diesem Satz bricht der Medienverantwortliche die Pressekonferenz ab – vorerst.

Abrupter Abbruch – Thiam interveniert

Aus dem Lautsprecher ertönt die Stimme eines Operators. Thiam verdreht die Augen, dann interveniert er. Der Chef will die Pressekonferenz nicht so abrupt abbrechen, er will Fragen beantworten. «Gibt es weitere Fragen? Vielleicht zwei mehr?», sagt Thiam zu den versammelten Medienvertretern.

Wie schwer war es, im Rahmen der Kahn-Affäre den operativen Chef (COO) Pierre-Olivier Bouée zu verlieren? Er ist ein langjähriger Thiam-Weggefährte. Auf diese Frage sagt Thiam: «Bouée ist ein guter Kollege und ein Profi.» Er sei sich nicht sicher, ob er ihn als Freund sehe. «Ich mische Freundschaft und Berufsleben nie», so der CEO.

Laut dem Untersuchungsbericht zur Bespitzelungsaffäre wussten nur zwei CS-Angestellte von der Überwachung des Ex-Managers Iqbal Khan: COO Pierre-Olivier Bouée und Remo Boccali, der Head of Global Security Services. Er nahm den Auftrag von Bouée entgegen. Beide mussten zurücktreten.

Anzeige wegen Nötigung

Die Zürcher Staatsanwaltschaft prüft derzeit, ob sich jemand in Zusammenhang mit der Überwachung strafrechtlich fehlverhalten hat. Denn Khan erstattete im September Anzeige wegen Nötigung und Drohung. Medienberichten zufolge richtet sich die Untersuchung auch gegen CS-Mitarbeiter und nicht nur gegen Mitarbeiter des Detektivbüros, das mit der Beschattung beauftragt worden war.

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