Härtefall-Lockerung«Wir würden lieber Gäste empfangen»

Restaurants bleiben bis mindestens Ende Februar geschlossen. Betroffene Betriebe erhalten jedoch Hilfe vom Staat.

«Der Bundesrat hat den Ernst der Lage erkannt»

Casimir Platzer, Präsident von GastroSuisse, hat an einer Medienkonferenz Stellung zu den Massnahmen des Bundesrates genommen. (Video: 20 Minuten)

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Mittwoch, 13.1.2021

Damit ist die Medienkonferenz beendet. Herzlichen Dank für Ihr Interesse und bis zum nächsten Mal.

«Der Bundesrat hat den Ernst der Lage erkannt», führt Platzer aus. Nach wie vor sei die Lage im Gastgewerbe aber alarmierend. «Der verlängerte Lockdown bedeutet in der Praxis sechs weitere Wochen Berufsverbot für das Gastgewerbe. Und das, in einer Zeit, die für viele in der Hochsaison liegt.» Die heutigen Massnahmen seien jedoch «ein Schritt in die richtige Richtung», sagt Platzer. Ob damit eine dritte Kündigungswelle im Gastgewerbe verhindert werden kann, sei noch nicht absehbar.

Umso wichtiger sei darum, dass die Auszahlung der Härtefallgelder schnell vonstatten geht. «Nun sind die Kantone gefordert, die Gesuche schnell zu behandeln - sodass den Betrieben in Not sofort geholfen werden kann.» Ob die vom Bund für alle Branchen zur Verfügung gestellten 2.5 Milliarden Franken ausreichen, bezweifle er aber, sagt Platzer: «Auch Ueli Maurer meinte in der Medienkonferenz, dass die Gelder wahrscheinlich nicht reichen werden.»

Die Massnahmen vom Bundesrat seien aber sehr wichtig, so Platzer. Die Obergrenzen für A-fonds-perdu-Beiträge wurden vom Bundesrat auf 20 Prozent des Umsatzes bzw. 750'000 Franken je Unternehmen erhöht. «Diese Lösung hilft vielen - insbesondere stark betroffenen Betrieben.» Mit den Härtefall-Auszahlungen könne zumindest ein Teil der Fixkosten gedeckt werden, so Platzer.

Casimir Platzer wehrt sich gegen den Vorwurf, dass sich der Gastro-Verband im Frühjahr viel zu früh für eine Öffnung eingesetzt hatte. «Wir haben im Oktober nicht eine Schliessung verhindert, sondern nur inkonsequente Massnahmen kritisiert.»

Casimir Platzer: «Aufgrund der Berichterstattung der letzten zehn Tage mussten wir mit einem solchen Entscheid rechnen.» Die Lockerung der Härtefall-Regelung begrüsse man aber. Der Bundesrat habe den Appell der Gastro-Branche gehört. Denn: «Die Schliessung trifft die Branche unverschuldet.» Laut Platzer seien erst 0.4 Prozent der Hilfsgelder ausbezahlt worden.

«Am besten wäre uns geholfen, wenn wir unsere Betriebe wieder aufmachen könnten», sagt Platzer. «Wir würden lieber Gäste empfangen und bewirten." Es sei aber klar, dass eine Wiedereröffnung erst dann möglich sei, wenn es die epidemiologische Lage zulasse. Platzer kritisiert jedoch, dass der Entscheid auf dem «unzulässigen» R-Wert basiert.

Der Bundesrat hat heute den durch die Corona-Massnahmen betroffenen Branchen Unterstützung versprochen: Wer mehr als 40 Tage schliessen muss, kriegt Hilfe vom Staat. Zudem wurden die Bedingungen für die Härtefallhilfe gelockert.

Der Branchenverband lädt heute um 16 Uhr zur Medienkonferenz, um Stellung zu den neuen Massnahmen des Bundesrates zu nehmen. Vertreten wird GastroSuisse von Präsident Casimir Platzer und Direktor Daniel Borner.

Nun ist klar: Der Bundesrat verlängert die Corona-Massnahmen um weitere fünf Wochen. Betroffen ist davon unter anderem auch die Gastro-Branche. Bereits im Vorfeld reagierten die Gastronomen mit Unverständnis und Wut auf die Regierungspläne. «Ihr lasst ein Gewerbe wissentlich sterben», schrieb etwa Eveline Neeracher, Präsidentin von GastroBern, in einem offenen Brief an den Berner Regierungsrat.

Gewisse Beizer sahen keinen anderen Ausweg, als am Montag mit der Aktion #wirmachenauf auf die prekäre Situation aufmerksam zu machen.

Obwohl der Gastro-Verband die Aktion misbilligte, betont auch er die kritische Situation im Gastgewerbe. «Bis Ende März wird die Hälfte aller Betriebe im Gastgewerbe eingehen, wenn sie jetzt keine sofortigen finanziellen Entschädigungen erhalten», schreibt der Branchenverband unter Berufung auf eine Umfrage unter 4000 Mitgliedern.

Es liege nun am Bundesrat, einen «flächendeckenden Kahlschlag» und eine dritte Kündigungswelle im Gastgewerbe zu verhindern.

236 Kommentare
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Henoch

14.01.2021, 23:18

Offenbar wählt die Mehrheit die falschen Leute... aber dann jammern wegen den falschen Politik!!

Joe Doe

14.01.2021, 20:20

Irland und England als abschreckendes Beispiel: Die hatten die Pubs offen bis kurz vor Weihnachten, deshalb der starke Anstieg. Und wer diese Pubs kennt, weiss was da abgeht

B. Ketzenmacher

14.01.2021, 14:29

Die bedrückenden Zahlen der Toten zeigen nicht einmal das ganze Ausmass der Katastrophe. Hinzu kommen die Zahlen der Corona-Überlebenden, die über etliche Monate, vielleicht auch Jahre oder in schlimmen Fällen den Rest ihres Lebens mit Gesundheitsschäden zu kämpfen haben. Leider werden diese Menschen von den Verharmlosern und sogenannten Querdenkern gerne unter den Teppich gekehrt.