Medienkonferenz Coronavirus – «Leben nach Corona wird nicht dasselbe sein wie vorher»

Medienkonferenz Coronavirus«Leben nach Corona wird nicht dasselbe sein wie vorher»

Der Berner Gesundheitsdirektor Pierre Alain Schnegg geht davon aus, dass die Corona-Fallzahlen gegen Frühling hin sinken werden. Der Kanton Bern arbeitet derzeit bereits an einer Strategie für die «kalte Pandemie».

von
Lucas Orellano

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Freitag, 21.01.2022

Zusammenfassung

Die Jahres-Medienkonferenz ist beendet. Hier noch einmal die wichtigsten Punkte in Kürze.

  • Der Berner Gesundheitsdirektor Pierre Alain Schnegg rechnet damit, dass die Fallzahlen auf den Frühling hin wieder sinken werden.

  • «Das Leben nach Corona wird nicht dasselbe sein wie vorher», sagt er.

  • Der Kanton Bern ist bereits seit letztem Jahr dabei, sich auf die sogenannte «kalte Pandemie» vorzubereiten, also wenn das Virus noch da ist und lokal ausbrechen kann, aber keine hohen Fallzahlen mehr da sind.

  • Schnegg bedankt sich bei der Bevölkerung: «Sie haben in den letzten Jahren sehr viel durchgemacht.»

Welche Gemeinden verzichten darauf, Kitaplätze zu subventionieren? Wie sieht es mit dem Kostenrahmen aus?

«Ich kann die Gemeinden nicht nennen», sagt Michel. «Ich kann auch nichts zum Kostenrahmen sagen.»

Schnegg ergänzt: «Wir haben definiert, welche Pensen wir unterstützen können. Wenn jemand 60 % arbeitet, kann er nicht einen Gutschein für 100 % bekommen. Da haben wir die Regeln verschärft, damit es die nötige Zeit deckt, wo jemand seine Kinder extern betreuen muss.»

Was genau gibt es für Pläne für die «kalte Pandemie»?

«Wir haben schon letztes Jahr damit begonnen, das zu analysieren», sagt Schnegg. «Unser Sonderstab koordiniert die verschiedenen Player in der Bekämpfung der Pandemie. Das war die richtige Antwort auf die Pandemie, aber das ist keine gute Lösung für die nächsten zehn Jahre. Diese Lösungen müssen zurück in die Regelstruktur. Die Verantwortung muss von der Regelstruktur übernommen werden, und zwar Schritt für Schritt.»

«Wir brauchen eine gewisse Pandemieüberwachung», so Schnegg weiter. «Wir müssen zur richtigen Zeit eingreifen können, aber nicht mehr wie heute.»

Wie haben sich die Kosten des elektronischen Patientendossiers entwickelt?

«Es ist ein grosses Verlustgeschäft, vor allem für die Firmen, die sich daran beteiligt haben», sagt Schnegg. «Der Kanton ist bei den gleichen Kosten geblieben.» Es brauche aber weitere Entwicklungen. «Wenn wir davon profitieren wollen», sagt Schnegg. «Hier ist aber keine Finanzierungsregelung definiert worden. Es ist wichtig, dass der Bund hier bald Klarheit schafft.»

Unklarheit besteht auch bei der elektronischen Identität. «Es kann nicht sein, dass das Gesundheitswesen die Kosten dafür übernimmt», sagt Schnegg.

Wie viel später als geplant kann das elektronische Patientendossier eingeführt werden? Warum die Verspätung?

«Das Dossier wird derzeit, also ab April 2022, eingeführt», sagt Schnegg. «Wir haben also zwei Jahre Rückstand.» Das Problem sei gewesen, dass es in der Schweiz verschiedene Anbieter habe. Man wolle sich nur auf eine Stammgemeinschaft konzentrieren. Man habe sich mit den Entwicklern zusammengesetzt.

Herr Schnegg, wie fühlen Sie sich nach 2 Jahren?

«Es ist klar, dass meine Priorität bei der Pandemie liegt», sagt Schnegg. «Ich bin weiter sehr motiviert, auch die anderen Projekte umzusetzen, die unsere Bevölkerung braucht.»

Fragerunde

Schnegg bedankt sich für die Aufmerksamkeit. Medienchef Gundekar Giebel eröffnet die Fragerunde.

«Gegen den Frühling hin wird die Welle wohl abflachen»

Schnegg ergreift wieder das Wort: «Nach zwei Jahren Pandemie haben wir Erkenntnisse, welche Massnahmen helfen und welche nicht. Doch im weiteren Verlauf kann der Staat nicht mehr alles regeln.» Schnegg betont die Eigenverantwortung der Menschen. «Die Pandemie zeigt uns, wie wichtig es ist, umsichtig zu sein», so Schnegg. «Das Leben nach Corona wird nicht dasselbe sein wie vorher.»

«Wenn es auf den Frühling zugeht, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Omikron-Welle abflacht», sagt Schnegg. Er weist darauf hin, dass der Kanton Bern derzeit noch sehr viel Impfkapazität hat.

«Ich möchte mich bei der Bevölkerung bedanken. Sie haben in den letzten Jahren sehr viel durchgemacht», so Schnegg. Er spricht Kontaktbeschränkungen, Kurzarbeit und die 1400 Todesfälle im Kanton Bern an. «Viele sind gestorben, ohne dass sie sich von ihren Liebsten haben verabschieden können.»

«Die Pandemie wird weitergehen, das Virus wird bleiben. Der Sonderstab erarbeitet nun einen Plan für die sogenannte kalte Pandemie», sagt Schnegg. «Wir müssen uns auf die Zukunft vorbereiten.»

Coronavirus treibt Digitalisierung an

Nun spricht Yves Bichsel, Generalsekretär der GSI. «Das Coronavirus hat die Digitalisierung in den letzten zwei Jahren extrem angetrieben. Zur Bewältigung der Pandemie wurden in kurzer Zeit und mit grossem Engagement aller Beteiligten digitale Lösungen aufgebaut, etwa in den Bereichen Contact Tracing, Impfen und Impfstofflogistik.»

Dabei rechnet die GSI damit, dass der Digitalisierungsschub nicht nur während der Pandemie hilfreich ist. «Die aus diesen Systemen gewonnenen Informationen konnten einerseits zur Eindämmung der Pandemie verwendet werden, aber andererseits auch für die Kommunikation mit der Bevölkerung», sagt Bichsel. Die GSI werde sich in den nächsten Monaten verstärkt der Thematik des Datenmanagements annehmen. Sie werde auf der Basis der gewonnenen Erfahrungen die GSI-Datenarchitektur weiterentwickeln.

Aktuelle Projekte im Gesundheitsamt

Fritz Nyffenegger, Vorsteher Gesundheitsamt, erklärt die aktuellen Projekte des Amtes. Die GSI führte von 2019 bis 2021 eine Studie für die Kosten in der ambulanten Pflege durch. Sie führte zur Erkenntnis, dass die Abgeltungen nicht genug transparent waren.

Ein wichtiges Ziel sei gewesen, die Abgeltung der Pflegefinanzierung transparent zu machen. Das ist seit vergangenem Jahr nun möglich: Die Festsetzung der aktuell geltenden Tarife basiert erstmals auf den effektiven Kosten der Leistungserbringer.

Neue Verträge werden nur noch abgeschlossen, wenn am dortigen Ort die aktuelle Versorgung nicht ausreichend ist, sonst nicht.

Die GSI hat zur Stärkung der Zusammenarbeit der Leistungserbringer auch intern eine Reorganisation durchgeführt. Um besser und koordinierter mit den Spitälern, Heimen, Hausärztinnen und Hausärzten, Spitex, Apothekerinnen und Apothekern, Physiotherapeutinnen und -therapeuten etc. zusammenarbeiten zu können, wurde die GSI neu in drei Einheiten gegliedert.

Seit Mitte des vergangenen Jahres besteht die GSI aus dem Generalsekretariat und den beiden Ämtern AIS (Amt für Integration und Soziales) und GA (Gesundheitsamt).

Reorganisationen in der GSI

Nun spricht Manuel Michel, Vorsteher Amt für Integration und Soziales, zu aktuellen Projekten in der GSI. Zunächst geht es um Betreuungsgutscheine für Kitas. Der Kanton Bern kann solche an bedürftige Familien abgeben. Per 1. Januar 2022 wurde das System aktualisiert und vereinfacht.

Ebenfalls reorganisiert wurde die Aufsicht über die Kitas. Sie wechselte zum Amt für Integration und Soziales.

Der Asylbereich wurde per 1. Juli 2020 neu organisiert. Der Fokus liegt nun auf der (Arbeits-)Integration. Michel zieht ein positives Zwischenfazit, weist aber darauf hin, dass es zu früh sei, abschliessende Schlüsse zu ziehen.

«Grösster Teil der Pandemie liegt wohl hinter uns»

«Der Kanton Bern hat in der Krise immer vorwärts gemacht», sagt Schnegg. Sowohl bei der Impfung, als auch beim Reagieren und Einführen und Abschaffen von neuen Massnahmen, sei der Kanton Bern schweizweit stets einer der Ersten.

«Der Virus diktiert uns, welche Massnahmen nötig sind», sagt Schnegg. «Es ist aber unmöglich, immer alles vorauszusehen. Umso wichtiger ist es, dass Bund, Kantone und Gemeinden gut zusammenarbeiten. Dank dem liegt der grösste Teil der Pandemie wohl hinter uns.»

«Sind unter Druck»

Er begrüsst die Anwesenden zur Jahresmedienkonferenz der GSI des Kantons Bern. «Die letzten zwei Jahre waren für niemanden einfach», sagt Schnegg. «Das Gesundheitssystem ist unter Druck, aber es ist niemals eingebrochen. Auch dank der Innovation und Adaptionsfähigkeit unserer Wirtschaft, haben wir es bisher durch die Krise geschafft.»

Er begrüsst den aktuellen Kurs des Bundesrates.

«Omikron belastet uns stark», sagt Schnegg. Aber dank des Einsatzes des Gesundheitspersonals, sei auch diese Variante zu bewältigen. Glücklicherweise seien die Spitalzahlen nicht am ansteigen. Man merke auch den Effekt der Impfung.

Start

Die Medienkonferenz beginnt. Als erster spricht Gesundheitsdirektor Pierre Alain Schnegg.

Bald geht es los

In wenigen Minuten startet die Medienkonferenz.

Donnerstag, 20.01.2022

Rückblick auf das Jahr 2021

Heute zieht die Gesundheitsdirektion Bilanz zum Pandemiejahr 2021 und wagt einen Blick in die Zukunft. Die Medienkonferenz beginnt um 10 Uhr.

Teilnehmende:

  • Pierre Alain Schnegg (Gesundheitsdirektor)

  • Yves Bichsel (Generalsekretär)

  • Manuel Michel (Vorsteher Amt für Integration und Soziales)

  • Fritz Nyffenegger (Vorsteher Gesundheitsamt)

Schulen geben zu reden

Die Lage in den Spitälern ist angespannt. Im Inselspital helfen derzeit bis zu 9 Studierende pro Tag aus. Zu reden gegeben haben im Kanton in den vergangenen Wochen vor allem die Schulen. Zuerst wurde eine vieldiskutierte Maskenfpflicht – auch für die 1. und 2. Klasse – eingeführt. Anfang Januar führte der Kanton repetitive Massentests ein, verschiedene Schulen sprangen aber bereits wieder ab.

Gestern wurde ausserdem bekannt, dass Eltern ihre Kinder unter gewissen Bedingungen bis am 14. Februar zuhause unterrichten dürfen.

Aktuelle Situation

In Bern sind die Coronavirus-Infektionszahlen derzeit hoch. Der Kanton liegt mit 3540,3 Fällen pro 100'000 Einwohnerinnen und Einwohnern im schweizerischen Durchschnitt. Derzeit haben im Kanton 426'000 Personen ihre Drittimpfung erhalten, 733'544 Personen haben mindestens zwei Impfungen erhalten, respektive ihre Grundimmunisierung.

Im gesamten Kanton befinden sich 164 Personen wegen Covid-19 im Spital, davon sind rund 65 Prozent nicht vollständig geimpft. 19 Covid-Patientinnen und -Patienten sind in Intensivpflege – rund 79 Prozent davon sind nicht vollständig geimpft.

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