Aktualisiert 17.05.2020 12:37

Menschenaufläufe

«Basel kümmert es einen Dreck, was in der Steinenvorstadt abgeht»

Es ist das erste Wochenende, an dem Restaurants und Bars wieder Gäste empfangen dürfen. In Basel feierten Hunderte auf der Strasse. Auch in St. Gallen wurden Abstände nicht überall eingehalten.

von
Daniel Waldmeier, Gamze Ibis, Simon Ulrich
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In der Steinenvorstadt in Basel sind am Samstagabend zahlreiche Menschen unterwegs – von Social Distancing ist nur wenig zu sehen.

In der Steinenvorstadt in Basel sind am Samstagabend zahlreiche Menschen unterwegs – von Social Distancing ist nur wenig zu sehen.

Leser-Reporter
Das erste Wochenende mit geöffneten Restaurants und Bars scheinen viele zu nutzen.

Das erste Wochenende mit geöffneten Restaurants und Bars scheinen viele zu nutzen.

Leser-Reporter 20 Minuten
«Corona-Ignoranz» meint ein Leser-Reporter zur Situation.

«Corona-Ignoranz» meint ein Leser-Reporter zur Situation.

Leser-Reporter 20 Minuten

Dichtes Gedränge und Menschenansammlungen : Mehrere Leser-Reporter meldeten am Samstag gegen Mitternacht, dass in der Basler Steinenvorstadt wild gefeiert werde. Die Polizei habe nichts gegen die Corona-Ignoranten unternommen, berichteten sie. Die bekannte Basler Bar «Hinz & Kunz» empört sich auf Facebook: «Eine Demo mit 100 Leuten auflösen, aber Party zulassen.» Die Stadt kümmere es einen «Dreck, was in der Steinenvorstadt abgeht».

Die Kantonspolizei Basel-Stadt hat am Sonntag Stellung genommen. «Wir können bestätigen, dass es gestern in Basel an wenigen Brennpunkten alleine aufgrund der Anzahl Personen auf der Strasse kaum mehr möglich war, den nach wie vor einzuhaltenden Mindestabstand zu wahren», sagt Sprecher Toprak Yerguz. Als Sofortmassnahme werde die Kantonspolizei die Kontrolltätigkeit heute nochmals intensivieren.

«Weitere Massnahmen wie temporäre Absperrung werden geprüft und bleiben vorbehalten. Wir rufen in Erinnerung, dass die bundesrätlichen Massnahmen der Covid-19-Verordnung nach wie vor Gültigkeit haben und appellieren an die Eigenverantwortung der Bevölkerung: Mindestabstand und maximale Gruppengrösse von fünf Personen müssen weiter eingehalten werden.»

Auf die Frage, wieso die Polizei nichts unternommen hat, sagt Yerguz: «Zu dieser Zeit kommt es gehäuft zu Einsätzen wegen Streitereien, Handgreiflichkeiten und Lärmklagen, welche die Aufmerksamkeit der Polizei erfordern. Meldungen aus der Steinenvorstadt – wegen Verstosses gegen die Covid-19-Verordnung oder anderweitig – gingen in der ganzen Nacht keine ein.» Ob und wie viele Bussen in der Nacht auf Sonntag ausgestellt wurden, konnte Yerguz noch nicht sagen.

Wirte haben keine Polizeifunktion

Zu reden geben die Bilder auch in der Gastroszene. Maurus Ebneter, Präsident des Basler Wirteverbandes, will aufgrund von «Momentaufnahmen kein Urteil fällen»: «Das Bedürfnis nach sozialen Kontakten ist gross. Es ist verständlich, dass gerade junge Menschen sich hier wieder ein Stück Normalität wünschen.» Er sei überzeugt, dass die Wirte alles tun, um das Schutzkonzept in ihren Betrieben umzusetzen. «Sie haben aber keine Polizeifunktion, schon gar nicht auf der Allmend.»

Samstagabend in der Steinenvorstadt in Basel - zahlreiche Nachtschwärmer sind unterwegs.

Leser-Reporter 20 Minuten

Ob die Polizei hätte eingreifen müssen, will Ebneter nicht beurteilen. Er rechnet damit, dass es im Sommer öfters vorkommen wird, dass Vorschriften im öffentlichen Raum nicht eingehalten werden. «Die Leute sind nicht auf Restaurants und Bars angewiesen, um sich in grossen Gruppen zu versammeln: Sie können Getränke von zu Hause mitnehmen oder Dosenbier und Schnaps in den Convenience-Stores beschaffen. Basel und die Schweiz werden bestimmt einen pragmatischen Weg finden, die Infektionsrate tief zu halten.»

Auch in St. Gallen waren die Leute im Ausgang

In der St. Galler Innenstadt haben sich am Samstagabend an etwa drei verschiedenen Örtlichkeiten die Menschenmengen so gehäuft, dass der Abstand von zwei Metern nicht eingehalten werden konnte. «Wir haben die Personen auf die Regeln aufmerksam gemacht. Doch Bussen haben wir keine ausgestellt», sagt Klaus-Dieter Mennel, Mediensprecher der Stadtpolizei St. Gallen. Bei den Kontrollen sei die Polizei auf viel Verständnis gestossen und es habe keine negativen Zwischenfälle gegeben.

«Im sogenannten Bermuda Dreieck in St. Gallen versammelten sich auch 50-60 Personen auf kleinstem Raum», schreibt ein Leser-Reporter.

«Im sogenannten Bermuda Dreieck in St. Gallen versammelten sich auch 50-60 Personen auf kleinstem Raum», schreibt ein Leser-Reporter.

Bild: Leser-Reporter.


Ob Absperrungen oder häufigere Kontrollen benötigt werden, sei für den Sprecher momentan schwierig zu beantworten. «Am Montag werden wir eine Gesamtbilanz vom vergangenen Wochenende ziehen und entsprechend Massnahmen daraus ziehen», sagt Mennel.

Mehr Leute auch in Bern

Auch in der Berner Aarbergergasse war am Samstagabend einiges los. «Ab 22.00 Uhr stieg der Alkoholpegel massiv an und die Leute hielten keinen Mindestabstand mehr, wurden kontaktfreudiger und viele Gruppen versammelten sich», berichtet eine Leserin. Die Kantonspolizei musste denn auch vereinzelt Personengruppen auf die nach wie vor geltenden Regeln aufmerksam machen, wie sie auf Anfrage sagt.

Die Angesprochenen hätten mehrheitlich verständnisvoll reagiert. Zwar seien deutlich mehr Menschen in der Innenstadt festgestellt worden als an den beiden vorangehenden Wochenenden. Verglichen mit einem Vor-Corona-Wochenende sei es aber verhältnismässig ruhig geblieben.

Nachtschwärmer in der Berner Aarbergergasse.

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528 Kommentare
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Rambo

18.05.2020, 07:47

Sollte aus diesen Gründen nochmals ein Lockdown kommen, dann gibts Bürgerkrieg. Ich habe mich bis anhin an alle Verordnungen gehalten, wie gesagt bis anhin.

Swiss2020

18.05.2020, 05:55

Ab sofort Bussen ab 500.- verteilen und für Betriebe ab 3 mal für 30 Tage zumachen zum Schutz der Bevölkerung

rigoros

18.05.2020, 04:09

also, sobald gruppe grösser als 5 mit abstand weniger als 2m gleich verzeigung und 10 tage hausarrest mit busse. wenn geren den hausarrest verstossen wird, dann 1 monat knast. und das ganze im eilverfahren. natürliich muss mit videobeweis gearbeitet werden