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EuropaalleeDas sagt die SBB zum Schmähpreis

Mehr als 43'000 Kilometer weit wurden Steine für ein Europaallee-Gebäude transportiert. Die SBB erklärt, wieso man das so gemacht hat.

von
gwa

SBB-Vertreter nahmen am Dienstag den Teufelsstein in Empfang. (Video: gwa)

Der diesjährige Teufelsstein-Schmähpreis der Alpen-Initiative geht an die SBB für eine Gebäudefassade an der Zürcher Europaallee. Grund ist die grosse Transportdistanz für die Natursteine: Das Material wurde in Deutschland abgebaut, von dort nach China gebracht, zu Fassadenelementen verbaut und schliesslich nach Zürich an die Europaallee transportiert.

20-mal mehr CO2-Ausstoss als bei lokaler Bearbeitung

Die Steine haben einen Weg von rund 43'120 Kilometer hinter sich, wie die Alpeninitiative mitteilte. Die Steine sind also mehr als einmal um die Erde gereist: Der Erdumfang beträgt rund 40'030 Kilometer.

Für die Alpen-Initiative ein zu weiter Weg: «Das ist unsinnig. Steine gibt es auch in der Schweiz», sagt Jon Pult, Präsident der Alpen-Initiative. Der Umweg nach China sei absolut unnötig gewesen, die Steine hätte man auch in der Schweiz verarbeiten können. «Das wäre sinnvoller und würde unser Klima schonen», so Pult weiter. «Wir haben ausgerechnet, dass durch den Transportweg mehr als 20-mal mehr CO2 ausgestossen wird, als das mit Fassadensteinen aus der Schweiz der Fall gewesen wäre.»

Im gesamten Bauprozess ist Transport eine «Lappalie»

SBB-Vertreter haben den Negativpreis am Dienstag bei der Europaallee in Empfang genommen: «Das ist natürlich eine zweifelhafte Auszeichnung», sagt Andreas Steiger, Projektleiter Europaallee bei SBB Immobilien. Negative Reaktionen seien zu erwarten gewesen. Man müsse aber den gesamten Zusammenhang sehen: «Wir müssen das öffentliche Beschaffungsrecht einhalten. Dabei sind wir verpflichtet, alle Anbieter weltweit gleich zu behandeln», so Steiger. Zudem sei es eine Qualitätsfrage. Denn: Die Fassadenteile sollten 80 Jahre halten.

Bei der SBB sei man zuerst auch davon ausgegangen, dass die Steine in der Schweiz montiert werden. Die zuständige Firma Porr habe sich aber aus Qualitätsgründen dazu entschieden, die Steine in China montieren zu lassen. Wenn man nochmals vor der gleichen Situation stehen würde, kann sich Steiger auch vorstellen, «hartnäckiger nachzufragen, ob nicht auch eine Montage in der Schweiz möglich wäre».

Man betrachte das Projekt bezüglich Nachhaltigkeit und CO2-Ausstoss jedoch über den gesamten Bauprozess und den Betrieb des Gebäudes. So gesehen macht der Anteil des Transportes laut Steiger so wenig aus, dass dies gar nicht zu Buche schlägt. Steiger spricht gar von einer «Lappalie». Aber: «Wenn man nur den Transport betrachtet, ist es natürlich ein Unsinn, die Steine hin- und herzuführen.»

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