Sommaruga-Nachfolge im Bundesrat: Wer hat die besten Chancen?

Aktualisiert

Bundesrats-RücktrittSommaruga-Nachfolge – wer hat die besten Chancen? 

Die SP will für die Nachfolge von Simonetta Sommaruga zwei Frauen ins Rennen schicken. Politologe Mark Balsiger sagt, welche Kandidatinnen ihm in den Sinn kommen.  

von
Luca La Rocca
Daniel Graf
Mattea Meyer,  Roger Nordmann und Cédric Wermuth teilen mit, dass die SP der vereinigten Bundesversammlung ein Ticket mit zwei Frauen präsentieren wolle.

Mattea Meyer,  Roger Nordmann und Cédric Wermuth teilen mit, dass die SP der vereinigten Bundesversammlung ein Ticket mit zwei Frauen präsentieren wolle.

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«Für den Entscheid von Simonetta Sommaruga haben wir grössten Respekt und Verständnis», sagt Mattea Meyer, Co-Präsidentin der SP Schweiz. «Es zeugt davon, mit welcher Hingabe und Sorgfalt sie ihr Amt ausübt. Für ihr riesiges Engagement danken wir ihr schon jetzt von Herzen.»

In ihren zwölf Jahren im Bundesrat hat Simonetta Sommaruga massgebliche Meilensteine in der Schweizer Politik gesetzt. «Sie hat wichtige Schritte für die Energiewende ergriffen und den Klimaschutz gestärkt», sagt Cédric Wermuth, Co-Präsident der SP Schweiz. «Sie hat für mehr Lohngleichheit gesorgt und das Familienrecht modernisiert.»

SP-Spitze will ein Zweierticket mit zwei Frauen 

Für die Nachfolge von Simonetta Sommaruga wird die SP eine Findungskommission einsetzen. Das Fraktionspräsidium und das Präsidium der SP Schweiz werden der Fraktion folgenden Vorschlag für die Nachfolge von Bundesrätin Sommaruga unterbreiten: Die SP soll der vereinigten Bundesversammlung ein Ticket mit zwei Frauen präsentieren, die Kandidaturen können aus allen Landesteilen kommen.

Politologe Mark Balsiger sagt gegenüber 20 Minuten, die Ausgangslage sei für die SP durch den schnellen Verzicht der Grünen hervorragend: «Für viele SP-Kandidatinnen kann diese Wahl zu einem Schaulaufen werden. Das ist eine super Ausgangslage für die Gesamterneuerungswahlen 2023.» Dass die SP auch die Kandidatur einer Frau aus der Romandie nicht ausschliesst, beurteilt Balsiger so: «Wenn eine Frau aus der Romandie auf das Ticket kommen würde, liesse dies vermuten, dass im Hintergrund bereits Absprachen mit Alain Berset laufen. Dann könnte er möglicherweise nächstes Jahr aufhören und ein Mann aus der Deutschschweiz würde nachrücken.» 

Mögliche Kandidatinnen: Eva Herzog

Für die Ersatzwahl fällt Balsiger die Basler Ständerätin Eva Herzog als Kronfavoritin ein: «Sie hat sich durch ihre Arbeit den Respekt aller Fraktionen verdient. Auch, dass sie aus der Nordwestschweiz kommt, einer in letzter Zeit untervertretenen Region, könnte ihr helfen. Vorausgesetzt natürlich, sie will überhaupt Bundesrätin werden.» 

Flavia Wasserfallen

Auch der Name von Nationalrätin Flavia Wasserfallen geistert derzeit bei den Diskussionen um das Kandidatinnen-Karussell umher. Für Balsiger wäre eine Kandidatur Wasserfallens aber ein Fehler: «Sie will in den Ständerat. Wenn sie jetzt plötzlich Bundesrätin werden wollte, würde dies als ‘Hü und Hott’ aufgenommen. Das ist in der Politik nicht gerne gesehen und würde ihrer weiteren Karriere schaden. 

Jacqueline Badran

Einen grossen Kreis von Unterstützerinnen und Unterstützern hat laut Balsiger Jacqueline Badran. «Sie wird sicherlich bekniet werden, für das Amt zu kandidieren und wäre auch kompetent genug. Badran ist aber auch laut und angriffig. Ob sich eine Mehrheit im Parlament finden würde, ist fraglich – auch hier vorausgesetzt, dass sie überhaupt will.» 

Daniel Jostisch als Sprengkandiat? 

Bevor die SP kommuniziert hatte, dass sie zwei Frauen auf das Ticket nehmen will, war auch Ständerat Daniel Jositsch ein Kandidat, der durchaus in Frage gekommen wäre. «Wenn die SP zwei Frauen aufstellt, die bei den Bürgerlichen nicht gut ankommen, ist es möglich, dass diese sich auf die Suche nach einem Sprengkandidaten machen», sagt Balsiger. Ob Jositsch sich dafür gewinnen liesse und eine allfällige Wahl dann auch annehmen würde, ist für den Politologen aber höchst fraglich. 

Der SP-Zeitplan bis zu den Wahlen

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