SNB-Chef Thomas Jordan: «Im Idealfall kommen wir bald aus dem Negativzins raus»

SNB-Chef Thomas Jordan«Im Idealfall kommen wir bald aus dem Negativzins raus»

Die Nationalbank (SNB) hat den Leitzins erhöht, heute nahm sie in Bern Stellung dazu. Das sagte der SNB-Präsident zum für viele überraschenden Zinsentscheid.

von
Marcel Urech
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SNB-Chef Thomas Jordan tritt am Donnerstagmorgen vor die Medien.

SNB-Chef Thomas Jordan tritt am Donnerstagmorgen vor die Medien.

20 Minuten/Raphael Knecht
Das Logo der Schweizerischen Nationalbank
Das Logo der Schweizerischen Nationalbank

Er spricht über die Leitzins-Erhöhung der Nationalbank.

REUTERS
Die SNB in Bern
Die SNB in Bern

Erstmals seit 15 Jahren hat die SNB den Leitzins um 0,5 Prozentpunkte auf -0,25 Prozent erhöht.

20min/Matthias Spicher

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Donnerstag, 16.06.2022

Zusammenfassung

Thomas Jordan, der Präsident der Schweizerischen Nationalbank, hat in Bern eine Erhöhung des Leitzinses um einen halben Prozentpunkt verkündet. Der Zins liegt damit nun bei -0,25 Prozent. Die SNB begründete das wie folgt:

  • Der höhere Zins soll für eine tiefere Inflation sorgen.

  • Waren und Dienstleistungen sollen in der Schweiz nicht noch teurer werden.

  • Die Wirtschaft in der Schweiz wachse noch und könne höhere Zinsen vertragen.

  • Die gesunkene Kaufkraft bedrohe die Nachfrage, darum müsse die Inflation runter.

  • Die Zinserhöhung soll helfen, die hohen Energiepreise abzufedern.

  • Es gebe Anzeichen dafür, dass die Inflation auch Güter betreffe, die nichts mit dem Ukraine-Krieg zu tun haben.

Es sei nicht auszuschliessen, dass «in absehbarer Zukunft» weitere Zinserhöhungen nötig seien, um die Inflation zu bändigen, sagte Jordan. Bei Bedarf werde man auch in den Devisenmarkt eingreifen.

Die Schweizer Börse ist als Reaktion getaucht und auf den tiefsten Stand seit Dezember 2020 gefallen. Der Franken zeigt sich hingegen gestärkt.

Medienkonferenz ist beendet

In Kürze folgt hier eine Zusammenfassung.

Fritz Zurbrügg verlässt die SNB

«Jetzt muss ich noch ein Thema ansprechen, dass uns keine grosse Freude macht», sagt Jordan. Sein SNB-Kollege Fritz Zurbrügg werde die Nationalbank im Juli nach über zehn Jahren verlassen. «Für mich warst du wirklich ein super Kolleg», sagt Jordan.

Wie umstritten war der heutige Zinsentscheid?

«Wir verraten nicht, was wir intern diskutiert haben», sagt Jordan. Man sei sich aber einig, dass eine Zinserhöhung der richtige Schritt sei.

Screenshot SNB

Ist die Zeit der Negativzinsen bald vorbei?

Warum verkauft die SNB nicht Devisen, um den Franken zu stärken, anstatt die Zinsen zu erhöhen? «Wir lassen uns alle Optionen offen», sagt Jordan. Im Idealfall komme die Schweiz bald aus den Negativzinsen raus, so der SNB-Präsident. Denn diese hätten auch negative Effekte auf die Wirtschaft.

2,5 Prozent Wirtschaftswachstum in der Schweiz

«Wir gehen davon aus, dass die Schweizer Wirtschaft bis Ende Jahr um rund 2,5 Prozent wachsen wird», sagt Jordan. Das hänge aber auch von der Entwicklung der Weltwirtschaft ab. Entwickle sie sich schlecht, könne sich das negativ auf die Schweizer Konjunktur auswirken.

Journalistinnen und Journalisten bei der SNB

Screenshot SNB

Was würde passieren, wenn die SNB nichts macht?

Auf die Frage, wie hoch die Inflation wäre, wenn die SNB nicht eingreifen würde, weicht Jordan aus. «Auf jeden Fall höher als ohne Eingriff», sagt der SNB-Präsident. Eine konkrete Zahl nennt er nicht.

Preisstabilität ist das oberste Ziel

«Die Preisstabilität ist für uns zentral», sagt Jordan. Was die Zinswende für Kosten verursache, sei schwierig zu beurteilen. Aber wenn die Inflation ausser Kontrolle gerate, seien die Kosten noch höher. Unsicherheiten gebe es im Markt immer, damit müsse man leben.

SNB könnte in Devisenmarkt eingreifen

Sollte sich der Franken abschwächen, seien Devisen-Verkäufe nicht ausgeschlossen, sagt Jordan. Das sei neben der Anpassung des Zinsniveaus ein weiteres Instrument, um den Markt zu beeinflussen. Steige der Franken hingegen stark an, werde man Devisen verkaufen.

SNB betont ihre Unabhängigkeit

Die Unsicherheit auf den Märkten sei riesig, sagt Jordan. Man werde nun «von Quartal zu Quartal» entscheiden, ob man den Leitzins weiter erhöhe oder nicht. Dabei sei man unabhängig von der Europäischen Zentralbank und auch unabhängig von der US-Notenbank Fed. «Wir schauen hauptsächlich auf die Schweiz», sagt Jordan.

Schweizer Börse taucht

Die Zinserhöhung kam für viele unerwartet. Das sieht man auch an der Schweizer Börse: Der Leitindex SMI ist am Donnerstagmorgen getaucht und auf den tiefsten Stand seit Dezember 2020 gefallen. Der Franken zeigt sich hingegen gestärkt

Andréa Maechler übernimmt

Nun spricht Andréa Maechler, Mitglied des SNB-Direktoriums. Sie sagt, dass die Volatilität auf den Finanzmärkten seit Anfang Jahr deutlich gestiegen sei. Aber auch der Ukraine-Krieg, die Sanktionen und die Lieferkettenprobleme führten zu höheren Energie- und Waren-Preisen.

Screenshot SNB

Ukraine-Krieg als Risiko

Eines der grössten Risiken für die «inlandorientierten Banken» sei eine weitere Eskalation des Ukraine-Kriegs. Die Eigenkapitalquote könnte darum bis zum gesetzlich verlangten Minimum sinken. Sorgen um die Schweizer Banken müsse man sich aber nicht machen, sagt Zurbrügg.

So geht es der UBS und der CS

Nun spricht Fritz Zurbrügg, Vizepräsident des Direktoriums, über die UBS und die Credit Suisse (CS). Die Nationalbank bewerte die UBS gerade besser als die CS. Aber die Kapitalquoten der Banken seien über dem internationalen Durchschnitt. Beide seien gut aufgestellt.

Screenshot SNB

Weitere Zinserhöhungen sind möglich

Es könnten weitere Zinserhöhungen nötig sein, sagt Jordan. Denn das wirtschaftliche Umfeld sei von einer grossen Unsicherheit geprägt. Schwäche sich der Franken ab, werde die SNB erwägen, Devisen zu verkaufen – und umgekehrt.

Franken-Kurs hebt Inflation an

Nun spricht Jordan über die Geldpolitik. Man habe sich für eine Zinserhöhung entschieden, weil es Anzeichen dafür gebe, dass die Inflation auch Güter betreffe, die nichts mit dem Ukraine-Krieg zu tun haben. Seit der letzten Lagebeurteilung habe auch die Entwicklung des Franken-Kurses zu einer höheren Inflation beigetragen, so Jordan.

Energiepreise bleiben hoch

Die SNB geht davon aus, dass die Energiepreise hoch bleiben – zumindest kurzfristig. Die Zinserhöhung werde aber helfen, die Inflation einzudämmen. Trotzdem sei es nicht unmöglich, dass die Inflation weiter steige und die Haushalte weiter belaste, sagt Jordan.

Zinsänderung gilt ab morgen

Die Zinsänderung gelte ab 17. Juni, sagt Jordan. Der Hauptgrund für die höhere Inflation seien die stark gestiegenen Energiepreise aufgrund des Ukraine-Kriegs und die anhalten Lieferketten-Probleme. Das globale Wirtschaftswachstum habe sich verlangsamt, was auch auf die hohe Inflation zurückzuführen sei. Sie senke die Kaufkraft und drücke so die Nachfrage nach unten, so Jordan.

Nun spricht Thomas Jordan

Screenshot SNB
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