Kurlige Signatur: Das «Schamhaar» kommt nie auf die Dollarnote
Aktualisiert

Kurlige SignaturDas «Schamhaar» kommt nie auf die Dollarnote

Präsident Obama will Jack Lew zum Finanzminister machen. Obwohl dieser überall Vertrauen geniesst, sorgt sich die Nation - weil Lew ihre Dollarnote verschandeln könnte. Zu Unrecht.

von
gux

Die Nomination des neuen Finanzministers ist einer der letzten Schritte in der Besetzung des neuen Kabinetts von US-Präsident Barack Obama. Dabei steht der Nachfolger von Timothy Geither bereits fest: Jacob «Jack» Lew, der Stabschef des Weissen Hauses, wird wohl heute noch für den Posten des 76. Finanzministers der USA nominiert werden.

Lews jahrzehntelange Erfahrung bei Budgetentscheidungen und seine zurückhaltende, an einen Bücherwurm erinnernde Art – Lew wurde bereits mit Harry Potter verglichen, der seinen Zauberstab gegen eine Excel-Tabelle ausgetauscht hat - kommen bei Freund und Feind grundsätzlich gut an.

«Haare wie bei den Peanuts»

Und dennoch quält sich manch ein Amerikaner mit der Vorstellung, Lew könnte neuer Finanzminister werden. Nicht wegen seiner Qualifikationen, sondern wegen seiner komischen Unterschrift. Jeder Finanzminister verewigt sich mit seiner Signatur auf der Note der Landeswährung. Doch was der künftige Finanzminister Lew da kritzelt, ist unleserlich und, ja, geradezu obszön: Kringel reiht sich da an Kringel, ein Name ist nicht auszumachen. US-Kommentatoren beschreiben die Malerei als «Sprungfeder», als «Haare von Sally Brown bei den Peanuts», kurz als «schlimmste Unterschrift der Welt».

Selbst Grafologen sind angesichts der Hieroglyphen, die in Zukunft den Greenbuck zieren könnten, ratlos: «Das ist die merkwürdigste und mysteriöseste Unterschrift, die wir in einem Vierteljahrhundert gesehen haben», zitiert Welt.de einen Experten.

Für Dollar «gefälscht»

Bei aller Aufregung um die «schlimme Unterschrift», die aus dem Dollar wenigstens «die beste Währung aller Zeiten» machen könnte, wie ein Kommentator ironisch meinte – das Weisse Haus weiss ganz genau, wie es eine Verschandelung des heiligen Dollarscheins abwendet: Lew wird seine Unterschrift «fälschen» und seinen Namen wie zu Schulzeiten in bester Reinschrift schreiben müssen.

Dieser Korrektur des individuellen Ausdrucks musste sich bereits Obamas erster Finanzminister Geithner unterwerfen. Auch sein Name war für das ungeübte Auge nicht aus der Unterschrift herauszulesen: So veränderte sich Geithners Signatur, die aus zwei dominanten Bögen mit Gekritzel dazwischen besteht, für den Dollar in ein gut lesbares und in vorbildlicher Schnüerlischrift gemaltes Timothy F. Geither (siehe Bildstrecke).

Danach befragt, sagte Geithner letztes Jahr in einem Interview: «Auf der Dollarnote musste ich so unterschreiben, damit die Leute meinen Namen lesen konnten. Das ist der Grund. Ich habe nicht versucht, möglichst elegant daherzukommen, es ging mir um Klarheit.»

Er fügte an: «Ich habe als Primarschüler mit Schreiben in Neu-Delhi, Indien, angefangen. Wahrscheinlich habe ich nicht die beste Handschrift erlernt.»

Ein Meisterbudgetierer

Lew kennt sich sowohl in Regierungsgeschäften wie auch im Privatsektor bestens aus: «Im Laufe der vergangenen mehr als 25 Jahre war Lew ein integraler Bestandteil einiger der wichtigsten Finanz- und Steuerbudgetübereinkommen sowie überparteilicher Einigungen in Washington», sagte der Sprecher des Weissen Hauses, Jay Carney. Zwischen 2006 und 2008 managte der 57-Jährige eine der grössten US-Banken, die Citigroup, bevor er in Obamas Team wechselte und das Haushaltsbüro leitete, das die Aktivitäten der anderen Bundesbehörden überwacht.

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