Chirurg rettet 90-Jährige: «Das schönste Weihnachtsgeschenk»
Aktualisiert

Chirurg rettet 90-Jährige«Das schönste Weihnachtsgeschenk»

Ein Chirurg hat in der Nacht auf Weihnachten in Cham eine Patientin notoperiert. Die 90-Jährige hat ihm mit ihrem Lebenswillen geholfen.

von
Olivier Leu
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Ida Schumacher ist froh, dass Hani Oweira «ein ruhiges Händchen hat.» (25. Dezember 2017)

Ida Schumacher ist froh, dass Hani Oweira «ein ruhiges Händchen hat.» (25. Dezember 2017)

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Chirurg Hani Oweira war sich sicher, dass er die OP erfolgreich durchführen kann.

Chirurg Hani Oweira war sich sicher, dass er die OP erfolgreich durchführen kann.

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Sein Mentor an der Universitätsklinik Heidelberg (D) hat ihn gelehrt, für das Leben seiner Patienten zu kämpfen.

Sein Mentor an der Universitätsklinik Heidelberg (D) hat ihn gelehrt, für das Leben seiner Patienten zu kämpfen.

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Zwei Tage vor Heiligabend merkte Ida Schumacher vor dem Schlafengehen, dass sie die Nacht besser nicht alleine verbringen würde. Denn sie hatte starke Blutungen. Die 90-Jährige aus Sins AG rief ihre Nichte an, die sie ins Spital brachte.

Was dann geschah, ist für die Angehörigen das schönste Weihnachtsgeschenk, wie die Nichte zu 20 Minuten sagt. Ida Schumacher kam in die zur Hirslanden-Gruppe gehörende Andreas-Klinik in Cham ZG mit Divertikel im Darm, sagt Chirurg Hani Oweira. Wegen einer Herzbelastung nimmt sie blutverdünnende Medikamente. «Sie hatte eine vierfache Blutverdünnung und ihre einzige Überlebenschance bestand in einer Notoperation.»

«Das schaffe ich»

Doch eine so starke Blutverdünnung stellt ein grosses Risiko bei Operationen dar. Die Ärztekollegen haben das Vorgehen daher eingehend diskutiert. Oweira war sich von Anfang an sicher: «Das schaffe ich», sagte er zu sich. Im Gespräch mit Ida Schumacher spürte er ihren Lebenswillen. «Sie war im Kopf hellwach. Sie war mobil, konnte selbständig ihren Alltag bestreiten.»

Bei der Operation hat Ida Schumacher nur dreissig Milliliter Blut verloren – entgegen den Befürchtungen wegen der Blutverdünnung. Nur wenige Stunden nach dem Eingriff war sie laut Oweira wieder wach und ansprechbar.

«Ein Engel in weiss»

«Ich bin sehr glücklich und dankbar, dass Doktor Oweira ein so ruhiges Händchen hat», sagt sie nach dem Frühstück am Weihnachtsmorgen. Kaffee gab es und ein leckeres Joghurt. Ida Schumacher war Kinderpflegerin für Säuglinge und es ist bei weitem nicht ihr erster Spitalaufenthalt. Doch so ernst ihr Zustand an Heiligabend war, so erleichtert ist sie heute. «Er ist wirklich ein Engel in weiss», sagt sie, während sie Oweira anlacht.

Oweira hat an der Universitätsklinik Heidelberg (D) gelernt, für das Leben seiner Patienten zu kämpfen. «Mein Mentor sagte immer, gib nie auf.» Dass das gerade auch bei alten Leuten eine gute Einstellung ist, zeigt sich daran, dass Oweira in den letzten drei Monaten schon drei Patientinnen operiert hat, die zwischen 89- und 98-jährig waren – jedes Mal erfolgreich.

Der Lindenberg ist ihre Heimatmat

Doch die Frage, ob man operieren oder die Patienten ihrem Schicksal überlassen soll, beschäftigt die Chirurgen ständig. Denn entscheiden sie sich für einen Eingriff, tragen sie auch die Verantwortung dafür. Der Chirurg mit dem kühlen Kopf sagt, solche Erfolgserlebnisse wie jenes in Cham geben ihm die Kraft, weiterzumachen.

Als Kinderpflegerin war Ida Schumacher auch im Ausland. Sie habe herzensgute Menschen kennengelernt, sagt sie. «Die Aussicht am Lindenberg hat mich wieder in meine Heimat gezogen.» Hier im aargauischen Freiamt ist die Sinserin verwurzelt – kein Wunder, sie war 40 Jahre im Kirchenchor. So kommt es, dass sich Nachbaren telefonisch nach ihr erkundigen und sie ihren eigenen kleinen Weihnachtsbaum mit Geschenken am Spitalbett hat.

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